Gürtelrose (Herpes zoster): Erkrankung, Impfung und Bedeutung für Krebspatienten

In diesem Artikel
Was ist Gürtelrose und wie entsteht sie?
Gürtelrose (Herpes zoster) entsteht durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus. Im Volksmund wird sie auch als nächtliches Brennen oder Gürtelkrankheit bezeichnet. Das Virus verursacht im Kindesalter die als Windpocken bekannte Erkrankung und verbleibt anschließend latent im Körper.

Mit der Zeit kann das Virus bei nachlassender Immunabwehr wieder aktiv werden und Gürtelrose auslösen. Typisch sind schmerzhafte, bläschenförmige Hautausschläge, die meist nur auf einer Körperseite auftreten.
Im Laufe des Lebens erkrankt einer von 3 Menschen an Gürtelrose.
Risikofaktoren
- Alter: Besonders häufig bei Menschen ab 50 Jahren.
- Geschwächte Immunabwehr: Etwa bei HIV, Krebs oder der Einnahme immunsuppressiver Arzneimittel.
- Stress und Trauma: Körperliche oder seelische Belastung kann die Immunabwehr beeinflussen.
Warum haben Krebspatienten ein erhöhtes Gürtelroserisiko und wie hoch ist es gegenüber der Allgemeinbevölkerung?
Krebspatienten haben aus verschiedenen Gründen ein erhöhtes Gürtelroserisiko: geschwächte Immunabwehr, Stress und plötzliche Veränderungen der Lebensqualität. Krebsbehandlungen, insbesondere Chemo- und Strahlentherapie, unterdrücken das Immunsystem stark. Dadurch kann das Varizella-Zoster-Virus reaktiviert werden und Gürtelrose auslösen. Gegenüber der Allgemeinbevölkerung ist die Gürtelroseinzidenz bei Krebspatienten etwa 3-9-mal höher.
Was beeinflusst den Behandlungsablauf und den Patienten, wenn während einer Krebstherapie Gürtelrose auftritt?
Erkrankt ein Krebspatient während seiner Behandlung an Gürtelrose, entstehen sowohl für den Behandlungsablauf als auch für den Patienten verschiedene Schwierigkeiten:
Einflüsse auf den ärztlichen Behandlungsablauf:
- Anpassung des Therapieplans: Pläne für Chemo- oder Strahlentherapie müssen möglicherweise geändert werden.
- Zusätzliche Behandlungen: Antivirale Therapie und Schmerzbehandlung sollten als zusätzliche Optionen erwogen werden.
Auswirkungen auf den Patienten:
- Schmerzen und Beschwerden: Gürtelrose kann starke Schmerzen verursachen und dadurch die Lebensqualität beeinträchtigen.
- Zusätzliche Belastung der Immunabwehr: Gürtelrose belastet das bereits unterdrückte Immunsystem zusätzlich.
- Psychische Auswirkungen: Eine Verlängerung der Erkrankung und Behandlung kann sich negativ auf die psychische Verfassung auswirken.
Wie wird Gürtelrose behandelt und wie lässt sie sich verhindern?
Behandlungsmöglichkeiten:
- Antivirale Medikamente: Eingesetzt werden Wirkstoffe wie Valaciclovir und Famciclovir.
- Schmerzbehandlung: Schmerzmittel und spezielle Arzneimittel gegen neuropathische Schmerzen können verordnet werden.
- Topische Behandlung: Zur Behandlung der Hautausschläge können örtlich anzuwendende Cremes eingesetzt werden.
Vorbeugung:
- Impfungen: Impfstoffe wie der rekombinante Zosterimpfstoff (RZV) senken das Gürtelroserisiko deutlich.
- Stärkung der Immunabwehr: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Stressvermeidung stärken das Immunsystem.
Was ist RZV und welche Indikation besteht bei immunsupprimierten Patienten?
RZV ist ein rekombinanter Zosterimpfstoff ohne lebende Erreger. Er ist für immunsupprimierte Patienten zugelassen und zeigt eine hohe Wirksamkeit zur Gürtelroseprävention. Er wird insbesondere bei Erwachsenen ab 50 Jahren und bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr eingesetzt.
Wie wirksam ist der rekombinante Gürtelroseimpfstoff?
Der rekombinante Zosterimpfstoff (RZV) zeigt eine hohe Wirksamkeit zur Vorbeugung von Gürtelrose. Wichtige Ergebnisse dazu sind:
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> 90% Wirksamkeit gegen HZ in allen Altersgruppen ≥50 Jahre:
- Der Impfstoff bietet bei allen Menschen ab 50 Jahren eine Wirksamkeit von mehr als 90% gegen Herpes zoster (Gürtelrose). Dies zeigt seine hohe Wirksamkeit in einem breiten Altersspektrum.
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Wirksamkeit von 87,9% im vierten Jahr nach der ersten Impfung:
- Die Wirksamkeit von RZV liegt selbst vier Jahre nach der ersten Impfung noch bei 87,9%. Dieser langfristige Schutz unterstreicht die anhaltende Wirkung.
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Wirksamkeit gegen PHN: 91,2% bei Menschen ≥50 Jahre und 88,8% bei Erwachsenen ≥70 Jahre:
- Auch gegen Komplikationen wie die postherpetische Neuralgie (PHN), also chronische Schmerzen nach einer Gürtelrose, besteht eine hohe Wirksamkeit. Gegen PHN beträgt sie bei Menschen ab 50 Jahren 91,2% und bei Menschen ab 70 Jahren 88,8%.
Im 11. Jahr:
-
- Gegen Herpes zoster wurde die Wirksamkeit von RZV im 11. Jahr mit 82% ermittelt (95%-Konfidenzintervall 63,0-92,2).
Diese Ergebnisse zeigen die langfristige Wirksamkeit und den anhaltenden Schutz durch RZV.
Die Daten zeigen eine hohe Wirksamkeit und lang anhaltenden Schutz sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei älteren Menschen. Die Impfung bietet eine wirksame Möglichkeit, Gürtelrose und ihre Folgekomplikationen zu verhindern.
Welche Ergebnisse zeigen klinische RZV-Studien bei soliden Tumoren? Gibt es Hinweise für bestimmte Behandlungen und Anwendungszeitpunkte?
Klinische Studien mit RZV haben bei Patienten mit soliden Tumoren wichtige Wirksamkeitsergebnisse gezeigt. Hier die Einzelheiten und Ergebnisse:
Zoster-028-Studie
- Studie: Zoster-028
- Phase: 2/3
- Teilnehmerzahl: 232
- Studientyp: Placebokontrolliert, Alter ≥18 Jahre
- Primäre Endpunkte: Immunogenität und Sicherheit
- Dosierungszeitpunkt: 2 Dosen (Monat 0, 1-2)
Wirksamkeitsergebnisse
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Anti-gE-GMC (ELISA): Nach der Impfung wurde ein deutlicher Anstieg der Antikörperspiegel gegen gE (Glykoprotein E) beobachtet.
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gE-spezifische CD4+-T-Zellen: Nach der Impfung nahm die mediane Häufigkeit gE-spezifischer CD4+-T-Zellen zu.
Häufig gestellte Fragen
Wie erfolgt die Dosierung vor und nach der Chemotherapie, und welche Schutz- und Sicherheitsdaten liegen vor?
Verabreichung: RZV kann vor oder während einer Chemotherapie verabreicht werden. Idealerweise wird empfohlen, die erste Dosis mindestens eine Woche vor Beginn der Chemotherapie zu geben. So kann vor Beginn der immunsuppressiven Behandlung eine stärkere humorale Immunantwort entstehen. Auch während der Chemotherapie verabreichte RZV-Dosen können jedoch eine Immunantwort auslösen, und die gE-spezifische humorale Immunität kann während der Chemotherapie fortbestehen.
Schutz- und Sicherheitsdaten: Bei Teilnehmern mit RZV wurden die geometrischen mittleren Konzentrationen (GMC) der gE-Antikörper in M1 mit 24793,1 mIU/mL gemessen. Nach der Impfung waren im RZV-Arm die Anti-gE-Antikörperkonzentrationen und die Häufigkeit von CD4+-T-Zellen höher als unter Placebo. Lokale Reaktionen an der Einstichstelle und allgemeine Symptome traten häufiger auf, waren aber meist leicht bis mäßig und vorübergehend.
Wie ist die Evidenz für RZV bei Krebspatienten in Leitlinien und Empfehlungen einzustufen?
RZV ist bei Krebspatienten immunogen und sicher. In Phase-3-Studien zeigte sich unter immunsuppressiver Therapie eine hohe Immunantwort bei günstigem Sicherheitsprofil. Zu den wichtigen Befunden zählen eine Wirksamkeit von über 90% bei älteren Erwachsenen, 87% bei hämatologischen Malignomen und 68% bei Empfängern hämatopoetischer Stammzelltransplantate.
Spielen die Art der malignen Erkrankung und das Chemotherapieregime für die Impfung während einer Chemotherapie eine Rolle?
Wirksamkeit und Sicherheit von ERZV unterscheiden sich nicht nach Art des Malignoms oder des Chemotherapieregimes. Die Immunantwort kann jedoch vom Zeitpunkt des Chemotherapiebeginns abhängen. Eine erste Dosis vor Beginn der Chemotherapie führt zu einer stärkeren humoralen Antwort. Sowohl in der Gruppe RZV-PreChemo als auch in RZV-OnChemo wurde Immunogenität beobachtet.
Kann eine Impfung während der Chemotherapie das Immunsystem weiter schwächen? Wie sollte man bei wenig Zeit vor Therapiebeginn vorgehen?
Eine Impfung während der Chemotherapie kann zwar eine Immunantwort auslösen, diese kann jedoch geringer ausfallen als bei einer Impfung davor. Deshalb wird empfohlen, die erste Dosis möglichst 8-30 Tage vor Beginn der Chemotherapie zu verabreichen. Auch während der Chemotherapie gegebene Dosen können aber eine Immunantwort hervorrufen, und die gE-spezifische Immunität kann fortbestehen.
Wann und wie sollte ein Onkologe Erwachsenenimpfungen idealerweise veranlassen?
Erwachsenenimpfungen sollten insbesondere bei Krebspatienten mit immunsuppressiver Behandlung vor der Chemotherapie erfolgen. Die erste Dosis wird mindestens eine Woche vor Chemotherapiebeginn empfohlen, um eine stärkere humorale Immunantwort zu unterstützen. Eine Impfung kann aber auch während der Chemotherapie erfolgen und eine Immunantwort auslösen.
Wie sollte der ideale Impfablauf aus onkologischer Sicht aussehen, von der Empfehlung bis zur Verabreichung?
- Patientenbeurteilung: Ausführliche Informationen über den Patienten und seine Erkrankung einholen.
- Impfentscheidung: Eignung von RZV feststellen.
- Impfplanung: Die erste Dosis vor Beginn der Chemotherapie einplanen.
- Verabreichung und Überwachung: Den Impfstoff verabreichen und Nebenwirkungen überwachen.
- Zweite Dosis und Fortführung: Für eine rechtzeitige zweite Dosis und die Aufrechterhaltung der Immunantwort sorgen.
Können Patienten unter Immuntherapie geimpft werden? Gibt es Unterschiede zur Chemotherapie?
Auch unter Immuntherapie kann RZV verabreicht werden und eine Immunantwort auslösen. Da die Immuntherapie das Immunsystem stärkt, kann sie die Impfantwort beeinflussen. Weil sich die Immunmodulation von der unter Chemotherapie unterscheiden kann, ist eine Überwachung hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung wichtig.
Kann RZV zusammen mit anderen Erwachsenenimpfstoffen verabreicht werden?
RZV kann sicher gemeinsam mit anderen Erwachsenenimpfstoffen gegeben werden.
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Saisonaler tetravalenter inaktivierter Influenzaimpfstoff (IIV4):
- Die gleichzeitige Verabreichung erwies sich als sicher und wirksam. Bei beiden Impfstoffen zeigten sich keine Probleme bei der Immunantwort auf die Antigene.
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23-valenter Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoff (PPSV23) und 13-valenter Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV13):
- Bei gleichzeitiger Verabreichung wurde keine Verminderung der Immunantwort beobachtet. Das Sicherheitsprofil ist günstig.
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Tetanus-, Diphtherie- und Pertussisimpfstoff (Tdap):
- Bei gleichzeitiger Verabreichung zeigten sich keine Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Immunantwort. Zwischen RZV und Tdap besteht keine relevante Wechselwirkung.
Zusammenfassend kann RZV sicher zusammen mit Influenza-, Pneumokokken- und Tdap-Impfstoffen verabreicht werden, ohne Probleme hinsichtlich Immunantwort und Sicherheit.
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