Kann Immuntherapie plus Bestrahlung bei Blasenkrebs die Operation ersetzen?

In diesem Artikel
Muskelinvasiver Blasenkrebs (MIBC) kann, wenn er nicht früh erkannt wird, sehr aggressiv verlaufen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bei lokalisiertem MIBC ist die radikale Zystektomie, also die operative Entfernung der Blase, seit vielen Jahren Standard. Der Eingriff kann jedoch ein hohes Komplikationsrisiko und beträchtliche Einbußen der Lebensqualität mit sich bringen. Die Erforschung organerhaltender Strategien ist deshalb von großer Bedeutung.
Ein blasenerhaltender Ansatz
Präklinische Studien zeigen, dass Immuntherapien gegen unterschiedliche Immuncheckpoints wie CTLA-4 und PD-L1 zusammen mit Strahlentherapie die Antitumoraktivität verstärken können. Die klinische Phase-II-Studie IMMUNOPRESERVE zeigte in diesem Zusammenhang, dass Durvalumab und Tremelimumab zusammen mit gleichzeitiger Bestrahlung die Blasenerhaltungsraten verbessern könnten. Garcia-del-Muro und Kollegen veröffentlichten die Ergebnisse am 15. Februar 2025 in Clinical Cancer Research.
Aufbau der IMMUNOPRESERVE-Studie

Eingeschlossen wurden 32 Patienten in den klinischen Stadien T2 bis T4a ohne Metastasen oder Lymphknotenbefall. Ausgewählt wurden Patienten, die zuvor ausschließlich eine Bacillus-Calmette-Guérin-Immuntherapie (BCG) und keine Bestrahlung der Blase erhalten hatten. Die Behandlung verlief wie folgt:
- Die Patienten erhielten eine transurethrale Resektion (TUR).
- Durvalumab (1.500 mg) und Tremelimumab (75 mg) wurden alle 4 Wochen in insgesamt drei Dosen verabreicht.
- Im selben Zeitraum wurde die Blase mit insgesamt 64–66 Gy bestrahlt.
- Bei nach der Behandlung verbleibendem oder wiederkehrendem MIBC erfolgte eine Salvage-Zystektomie.
Primärer Endpunkt war das vollständige Verschwinden des MIBC in Biopsien nach der Behandlung, also eine Komplettremission. Sekundär wurden krankheitsfreies Überleben mit intakter Blase, fernmetastasenfreies Überleben und Gesamtüberleben untersucht.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigten eine hohe Wirksamkeit der Kombination aus Immuntherapie und Bestrahlung:
- Komplettansprechrate: 81% (26 Patienten)
- Patienten mit verbliebenem MIBC: 2
- Nicht auswertbare Patienten: 4
- Mediane Nachbeobachtung: 27 Monate
- Patienten mit Salvage-Zystektomie: 2
- Überlebensraten nach 2 Jahren:
- Krankheitsfreies Überleben mit intakter Blase: 65%
- Fernmetastasenfreies Überleben: 83%
- Gesamtüberleben: 84%
- Rückfallraten:
- Nicht muskelinvasiver Rückfall: 3%
- MIBC-Rückfall: 19%
- Entwicklung von Fernmetastasen: 16%
Nebenwirkungen vom Grad 3 und 4 wurden bei 31% der Patienten beobachtet. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren:
- Durchfall (6%)
- Akutes Nierenversagen (6%)
Diese Daten zeigen, dass Durvalumab und Tremelimumab zusammen mit Strahlentherapie eine sichere und wirksame Option sein könnten. Die Forschenden betonten, dass größere klinische Studien erforderlich seien, um zu klären, ob der Ansatz eine Alternative zur radikalen Zystektomie darstellt.
Bedeutung der Studie und Zukunftsperspektive
Diese wichtige klinische Untersuchung zeigt die synergistischen Effekte von Immuntherapie und Bestrahlung bei muskelinvasivem Blasenkrebs. Die frühe Studie ist vielversprechend, weil sie auf ein verbessertes Überleben ohne Einbußen der Lebensqualität durch die Kombination hindeutet.
Die Forschenden betonen, dass zur Bestätigung größere Studien mit längerer Nachbeobachtung und direktem Vergleich zur Radiochemotherapie nötig sind. Sollten spätere Studienphasen vergleichbare Erfolge zeigen, könnte kombinierte Immuntherapie mit Bestrahlung eine Alternative zur radikalen Zystektomie werden und durch Blasenerhalt die Lebensqualität verbessern.
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.