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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Lässt sich das Immuntherapieansprechen bei Darmkrebs anhand früher ctDNA-Veränderungen vorhersagen?

Lässt sich das Immuntherapieansprechen bei Darmkrebs anhand früher ctDNA-Veränderungen vorhersagen?
In diesem Artikel
Bei dMMR/MSI-H-metastasiertem kolorektalem Karzinom kann bei den Patienten ein früher Rückgang der ctDNA-Werte um 86%das Überleben auf das 3-Fache steigern. Ein aussagekräftiger Biomarker für Therapieentscheidungen!

Immuncheckpoint-Inhibitoren (Immuntherapien)haben besonders bei Tumoren mit dMMR/MSI-H die Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms (mCRC) grundlegend verändert.

dMMR/MSI-Hist ein Biomarkerprofil infolge einer Störung des DNA-Mismatch-Reparatursystems (MMR), gekennzeichnet durch Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) und Mismatch-Reparaturdefizienz (dMMR).

Dieser Zustand erhöht die Empfindlichkeit gegenüber Immuntherapien, indem er dem Immunsystem die Tumorerkennung erleichtert und die Immunantwort unterstützt.

Etwa 5% der Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom weisen ein dMMR/MSI-H-Profil auf.

Obwohl dMMR/MSI-H-Tumoren gut auf Immuntherapien ansprechen, bleiben zwei entscheidende Fragen unbeantwortet:

  1. Welche Patienten sprechen auf die erste Behandlung nicht an (primäre Resistenz)?
  2. Wann sollte die Therapie bei ansprechenden Patienten beendet werden?

Die Antworten sind für die Vermeidung unnötiger Nebenwirkungen und den vernünftigen Einsatz kostenintensiver Behandlungen von großer Bedeutung.

Neue Hoffnung: Die Veränderung der ctDNA (zirkulierenden Tumor-DNA) bereits 1 Monat nach Behandlungsbeginn!

Diese Ergebnisse wurden am 18. Juli 2025 in JAMA Oncology von Taïeb J. und Kollegen in einer Studie berichtet.

ctDNA-Überwachung bei Darmkrebs: frühes Ansprechen und längeres Überleben – die entscheidende Rolle von ctDNA-Veränderungen bei dMMR-MSI-H-mCRC

Studie SAMCO-PRODIGE 54

  • Randomisierte klinische Phase-2-Studie
  • Teilnehmer: dMMR/MSI-H-mCRC bei 99 Patienten
  • Zwei Studienarme:
    • Avelumab (Anti–PD-L1-Immuntherapie)
    • Standardchemotherapie ± zielgerichtete Therapie
  • Blutentnahmen vor Behandlung (V1) und im 1. Monat (V2)
  • Die ctDNA-Analyse erfolgte anhand von WIF1 und NPY als Methylierungsmarkern mittels ddPCR als Analyseverfahren

📊 Wichtige Ergebnisse

  • Der ctDNA-Nachweis zu Beginnwar nicht mit dem Überleben verbunden.
  • Ein ctDNA-Rückgang um ≥86% im 1. Monat dagegen:
    • Progressionsfreies Überleben (PFS): um den Faktor 3 verringertes Progressionsrisiko (HR: 2.98; p < .001)
    • Gesamtüberleben (OS): um den Faktor 3.6 verringertes Sterberisiko (HR: 3.61; p < .001)
  • Im Avelumab-Arm: Bei schlechtem ctDNA-Ansprechen war das Sterberisiko 17-mal so hoch (HR: 17.40; p < .001)
  • Gutes ctDNA-Ansprechen stimmte zu über 90% mit dem radiologischen Ansprechen überein

Klinische Interpretation

  • Nach nur 1 Monat kann ein Bluttest zeigen, ob die Behandlung wirkt
  • Wenn ein früher ctDNA-Rückgang ausbleibt → alternative Behandlung erwägen
  • Wenn ein ausgeprägtes ctDNA-Ansprechen vorliegt → könnte die Behandlungsdauer verkürzt werden
  • Gemeinsam liefern ctDNA-Ansprechen und radiologische Beurteilung (RECIST) deutlich aussagekräftigere und verlässlichere Vorhersagen des Krankheitsverlaufs.

📉 Überblick in Zahlen

Patientengruppe PFS (Monate) OS (Monate) Hazard Ratio (HR)
Gutes ctDNA-Ansprechen (Rückgang ≥86%) 12.0 Nicht erreicht Referenz
Schlechtes ctDNA-Ansprechen (<86%) 2.4 14.0 PFS-HR: 2.98; OS-HR: 3.61
Avelumab + schlechtes ctDNA-Ansprechen 2.3 15.0 OS-HR: 17.40

⚠️ Einschränkungen

  • Relativ kleine Teilnehmerzahl (99 Patienten)
  • ctDNA wurde nur nach dem 1. Monat gemessen
  • Nur Avelumab wurde geprüft; andere Immuntherapien waren nicht Teil der Studie

Fazit: ctDNA-Überwachung als neuer Kompass

SAMCO-PRODIGE 54 zeigte, dass bei Immuntherapie und dMMR/MSI-H-mCRC frühe ctDNA-Veränderungen Folgendes vorhersagen könnten:

  • Therapieansprechen
  • Entstehung von Arzneimittelresistenz
  • Langfristiges Überleben

Dabei könnte ctDNA ein aussagekräftiger Biomarker sein.

💡 Gemeinsam mit klassischer radiologischer Bildgebung ausgewertete ctDNA-Daten könnten in der individualisierten Onkologie eine neue Ära einleiten.

🔍 Technologie des verwendeten ctDNA-Tests

Es gibt zwei Hauptansätze der ctDNA-Analyse:

  • Tumorinformiert: Speziell auf Grundlage individueller Mutationen im Tumorgewebe des Patienten entwickelt. Hohe Empfindlichkeit, jedoch möglicherweise zeitaufwendig und kostenintensiv.

  • Tumoragnostisch: Benötigt keine tumorspezifischen Informationen. Beruht auf universellen genetischen oder epigenetischen Markern. Schneller und für die klinische Anwendung besser geeignet.

📌 In dieser Studie wurde ein tumoragnostischer Ansatz verwendet: Ohne patientenspezifische Mutationsanalyse erfolgte die Untersuchung anhand der ctDNA-Methylierungsmarker WIF1 und NPY.

🧪 Verwendete Methode

  • Marker: WIF1 und NPY (Methylierungsmuster)
  • Technologie: Bisulfitkonversion + digitale Tröpfchen-PCR (ddPCR)
  • Zeitpunkt: Vor Behandlung (V1) und nach dem 1. Monat (V2)

Da keine Mutationsanalyse aus Tumorgewebe erforderlich ist, gilt die Methode als schnell, kostengünstig und klinisch leicht anwendbar in der Versorgung.

💡 Vergleich: Tumoragnostisch versus tumorinformiert

Merkmal Tumorinformiert Tumoragnostisch (in dieser Studie)
Tumorgewebe erforderlich? Ja Nein
Patientenspezifische Entwicklung? Ja (anhand individueller Mutationen) Nein (universelle Methylierungsmarker)
Empfindlichkeit Sehr hoch (LOD < 0.01%) Mittel (LOD ~0.2%)
Geeignetes Patientenprofil MRD / frühes Stadium Metastasierung, hohe Tumorlast
Klinische Anwendbarkeit Schwierig, zeitaufwendig Einfach, schnell, kostengünstig

✅ Warum wurde die tumoragnostische Methode gewählt?

  • Bei metastasiertem CRC sind die ctDNA-Werte gewöhnlich hoch → ddPCR reicht aus
  • Die schnelle und kostengünstige Anwendbarkeit bietet klinische Vorteile
  • Ziel: Das frühe Therapieansprechen erkennen

🎯 ctDNA und MRD bei soliden Tumoren: Neue Horizonte

Obwohl diese Studie starke Signale lieferte, bleiben einige unbeantwortete Fragen weiterhin wichtig:

  • Welche ctDNA-Teststrategie ist am besten?
  • Welche Kontrollintervalle sind am geeignetsten?
  • Bedeutet ctDNA-Negativität immer eine gute Prognose?
  • Welche Untersuchung sollte bei widersprüchlichen ctDNA- und RECIST-Befunden die Entscheidung bestimmen?

Zur Klärung sind größere prospektive Studien mit mehreren Messzeitpunkten erforderlich.

Dennoch: Die bisherigen Daten liefern für die Integration von ctDNA in klinische Entscheidungsinstrumente eine belastbare Grundlage.

Quellen

Taïeb J, et al. Early ctDNA and Survival in Metastatic Colorectal Cancer Treated With Immune Checkpoint Inhibitors. JAMA Oncology, Published online June 18, 2025.
DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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