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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Mediterrane Ernährung senkt laut Studie das Risiko adipositasbedingter Krebsarten

Mediterrane Ernährung kann das Risiko adipositasbedingter Krebsarten um bis zu 6% senken: Das Leberkrebsrisiko fällt um 48%, das Nierenkrebsrisiko um 33%!

Mediterrane Ernährung senkt laut Studie das Risiko adipositasbedingter Krebsarten
In diesem Artikel

Ein schmackhafter Schutz gegen adipositasbedingte Krebsarten

Gesunde und leckere Gerichte vereint die mediterrane Ernährung, die seit Jahren als herzfreundlich und gewichtsreduzierend gelobt wird. Mit Olivenöl, frischem Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten erhielt sie wiederholt den Titel der gesündesten Ernährung und gilt zur Verringerung von Adipositas als Goldstandard . Gehen ihre Vorteile aber über weniger Kilos auf der Waage hinaus? Eine neue Studie zeigt, dass mediterrane Ernährung auch das Risiko adipositasassoziierter Krebsarten verringern kann und zwar unerwartet nicht nur über Gewichtskontrolle, sondern auch auf anderen Wegen. Dieser Artikel behandelt ihre gesundheitliche Bedeutung, Einzelheiten und Ergebnisse der Studie, mögliche Mechanismen und die Umsetzung im Alltag. 

Bedeutung und gesundheitliche Vorteile mediterraner Ernährung

Bunte Gemüsegerichte, Obst, Salate mit Olivenöl, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Meeresfrüchte prägen die mediterrane Ernährung. Pflanzliche Lebensmittel stehen im Mittelpunkt: Jede Mahlzeit enthält reichlich Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Olivenöl als gesunde Fettquelle. Rotes Fleisch wird selten und in kleinen Mengen gegessen; bevorzugt werden magere Eiweißquellen wie Fisch und Huhn sowie Nüsse. Dadurch liefert diese Ernährung besonders viele Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien. 

Adipositas gehört zu den größten Gesundheitsproblemen unserer Zeit und begünstigt chronische Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herzkrankheiten. Mediterrane Ernährung ist ein natürlicher Ansatz dagegen, da sie die Gewichtskontrolle unterstützt . Darüber hinaus deuten Studien auf ein geringeres Risiko bestimmter Krebsarten hin. So gibt es Hinweise darauf, dass Prostata-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs bei mediterraner Ernährung seltener auftreten. Eine Studie berichtete bei entsprechend ernährten Frauen sogar über ein um 17% geringeres Risiko, an irgendeiner Krebsart zu sterben . Diese Daten sprechen dafür, dass mediterrane Küche nicht nur schmeckt, sondern auch langfristig die Lebensqualität unterstützt. 

Neue Untersuchung: Einzelheiten der EPIC-Studie

Am 25. Februar 2025 wurde in JAMA Network Open eine umfassende Untersuchung unter Leitung von Inmaculada Aguilera-Buenosvinos veröffentlicht. Sie analysierte den Einfluss mediterraner Ernährung auf das Risiko adipositasbedingter Krebsarten . Die Daten stammen aus der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) , einer Langzeitstudie an 23 Zentren in 10 europäischen Ländern. Zwischen 1992-2000 wurden Hunderttausende im Alter von 35-70 Jahren aufgenommen. Nach Ausschluss von Personen mit Krebsanamnese bei Beginn, fehlenden Angaben oder berichteter extremer Energiezufuhr umfasste die neue Analyse 450.111 Teilnehmende . Diese große Gruppe wurde im Durchschnitt 14,9 Jahre beobachtet. Erfasst wurde, wer im Verlauf adipositasassoziierten Krebs entwickelte. Der Begriff umfasst nach den Kriterien der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) Krebsarten mit bekanntem Adipositaszusammenhang, etwa an Dickdarm, Rektum, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Gebärmutter.

Die Ernährungsgewohnheiten wurden mit landesspezifisch validierten Fragebögen erfasst. Jede Person erhielt von 0 bis 9 Punkten einen Adhärenzscore für mediterrane Ernährung (MedDiet-Score). Es entstanden drei Gruppen: geringe Adhärenz (0-3 Punkte), mittlere (4-6 Punkte) und hohe (7-9 Punkte). Rauchen, körperliche Aktivität, Bildung, Alkohol, Körpergröße, Kalorienaufnahme und Diabetes wurden statistisch berücksichtigt. Mediationsanalysen sollten außerdem klären, ob mögliche Wirkungen über Maße der Körperfettverteilung wie BMI oder Taille-Hüft-Verhältnis vermittelt werden. 

Studienergebnisse: Krebsrisiko in Zahlen

Während der etwa 15-jährigen Beobachtung entwickelten 4,9% eine adipositasassoziierte Krebserkrankung. Wer sich am stärksten mediterran ernährte, hatte jedoch ein deutlich geringeres Risiko als Personen mit der geringsten Übereinstimmung. In der Gruppe mit hoher Adhärenz war das Krebsrisiko etwa 6% geringer als bei niedriger Adhärenz (Hazard Ratio, HR=0,94). Das erscheint zunächst bescheiden; eine kleine individuelle Risikosenkung kann auf Bevölkerungsebene aber Tausende verhinderte Krebsfälle bedeuten. Die Forschenden betonen daher, dass eine breite Förderung mediterraner Ernährung als kostengünstige und zugängliche Präventionsstrategie die öffentliche Gesundheit erheblich unterstützen könnte . 

Auch bei mittlerer Adhärenz zeigte sich ein Trend zu geringerem Krebsrisiko; die statistische Bedeutsamkeit blieb jedoch grenzwertig. Somit lässt sich sagen: Je konsequenter die mediterrane Ernährung, desto ausgeprägter der Schutzeffekt . Gelegentliche Abweichungen beeinträchtigten den Gesamtnutzen laut Untersuchung nicht wesentlich; die konsequenteste Gruppe hatte jedoch den stärksten Schutz. Eine gelegentliche Pizza oder Süßigkeit macht die Vorteile einer überwiegend mediterranen Ernährung also nicht zunichte, solange die grundsätzliche Ernährungsweise stimmt. 

Bei welchen Krebsarten war die Abnahme deutlicher? Unter den untersuchten adipositasassoziierten Krebsarten fielen bei einigen besonders starke Risikosenkungen mit mediterraner Ernährung auf:

  • Leberkrebs: Bei hoher Adhärenz lag das Leberkrebsrisiko nahezu um die Hälfte niedriger (etwa 48% Reduktion; HR=0,52). Dies war einer der deutlichsten Effekte.
  • Nierenkrebs: Bei hoher gegenüber niedriger Adhärenz sank das Risiko ungefähr um ein Drittel (33% Reduktion; HR=0,67).
  • Kolorektaler Krebs (Darmkrebs): Hier war der Rückgang kleiner, aber ebenfalls bedeutsam (~8% Reduktion; HR=0,92).
  • Speiseröhrenkrebs: Schon bei mittlerer mediterraner Ernährung lag das Risiko deutlich niedriger (~34% Reduktion; HR=0,66). Auch eine teilweise Übernahme dieser Ernährungsweise könnte daher bei dieser Krebsart helfen.
  • Hormonempfindliche Krebsarten: Bei hormonabhängigen Krebsarten von Frauen wie Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs wurde kein deutlicher Risikounterschied gefunden. Dies widerspricht manchen früheren Ergebnissen zum geringeren Brustkrebsrisiko und zeigt weiteren Forschungsbedarf.

Die Studie fand zudem einen stärkeren Schutzeffekt bei Männern und Rauchenden . Gerade Rauchende haben bereits ein erhöhtes Krebsrisiko; gesunde Ernährung kann demnach selbst in dieser Risikogruppe einen wichtigen Unterschied machen.

Zusammengefasst zeigt die neue Untersuchung, dass mediterrane Ernährung das adipositasassoziierte Krebsrisiko insgesamt geringfügig, aber bedeutsam senkt und der Unterschied bei bestimmten Krebsarten deutlicher ist. 

Wie und warum könnte mediterrane Ernährung schützen?

Bemerkenswert ist, dass die beobachtete Risikosenkung weitgehend unabhängig von Gewichtsverlust war. Die Ernährungsweise schützte also ähnlich, ob jemand abnahm oder nicht. Erstautorin Dr. Aguilera-Buenosvinos erklärt: „Die Einhaltung mediterraner Ernährung war unabhängig von BMI oder Körperfettverteilung mit einem geringeren Krebsrisiko verbunden“, und bezeichnet dies auch für das Team als überraschend. Somit lassen sich die schützenden Effekte nicht allein durch Gewichtskontrolle erklären . Die Forschenden vermuten mögliche Mechanismen wie weniger chronische Entzündung, bessere Stoffwechselgesundheit und günstige Veränderungen des Darmmikrobioms . Die Vorteile könnten daher über Fettansammlung hinaus auf tieferen biologischen Wechselwirkungen beruhen. 

Die grundlegenden Bestandteile liefern Hinweise auf solche Mechanismen. Ballaststoffreiches Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn ernähren nützliche Darmbakterien und fördern eine gesunde Mikrobiota . Ernährungsfachfrau Lindsey Wohlford vom MD Anderson Cancer Center betont, dass pflanzliche Lebensmittel durch viele Ballaststoffe sättigen und das Darmmikrobiom unterstützen sowie durch reichlich Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe chronische Entzündung vermindern . Weniger Entzündung und der Schutz vor Zellschäden durch Antioxidantien können langfristig zur Krebsprävention beitragen. 

In der typischen westlichen Ernährung können dagegen häufige hochverarbeitete Lebensmittel und raffinierter Zucker aufgrund verschiedener Zusatzstoffe und hohen Zuckergehalts oxidative Schäden verursachen. Dr. Neil Iyengar vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center erläutert: „Die Nahrung, die wir täglich zu uns nehmen, kann nahezu jede Körperfunktion beeinflussen – Hormone, Immunabwehr, Fett- und Muskelgewebe ebenso wie Darmbakterien“. Nach Iyengar lassen sich Schäden durch verarbeitete und ungesunde Lebensmittel mit einer pflanzenbetonten, ballaststoffreichen Ernährung vermindern oder rückgängig machen. Ein hoher mediterraner Ernährungsscore könnte in der neuen Studie daher auch deshalb vorteilhaft sein, weil weniger verarbeitete Lebensmittel gegessen werden. Ein Kommentar weist darauf hin, dass ein Teil des Nutzens mit dem Verzicht auf ultraverarbeitete Lebensmittel zusammenhängen könnte . Mediterrane Küche schlägt somit zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie hält schädliche Lebensmittel fern und liefert nützliche Nährstoffe als eine Art Gesundheitsschutzschild .

Was zeigen andere Studien?

Der Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Krebs wird seit Jahren untersucht. Viele Arbeiten deuten auf eine mögliche Risikosenkung hin. Eine umfassende systematische Übersicht mit Metaanalyse von 2017 berichtete bei konsequenter mediterraner Ernährung über weniger Fälle verschiedener Krebsarten. In den Gruppen mit den höchsten mediterranen Ernährungsscores war das Darmkrebsrisiko im Mittel um 18%, das Magenkrebsrisiko um 28% und das Leberkrebsrisiko um 42% niedriger. Ebenso wurde ein um etwa 14% geringeres Krebssterberisiko berechnet. In einem kontrollierten Ernährungsversuch (RCT) verringerte extra natives Olivenöl als Teil mediterraner Ernährung das Brustkrebsrisiko gegenüber einer Placebo-Ernährung deutlich (HR ~0,43). Zwar zeigen nicht alle Studien gleich starke Wirkungen, besonders beim Brustkrebs sind die Ergebnisse gemischt, doch insgesamt deutet vieles auf einen Schutz vor mehreren Krebsarten hin. Fachleute bewerten dies als vielversprechend und betonen, dass bevölkerungsweite Ernährungsänderungen die Krebshäufigkeit bedeutsam verringern könnten .

Fazit und Empfehlungen für den Alltag

Der Einfluss mediterraner Ernährung auf adipositasassoziierte Krebsrisiken vermittelt eine wichtige Botschaft: Unsere Ernährung kann langfristig Gesundheit und sogar Krebsrisiko mitbestimmen. Die neue Studie liefert einen weiteren guten Grund, Gewohnheiten zu verändern. Keine Ernährung ist ein Wunderschutzschild, doch mediterranes Essen als Lebensstil kann ein wichtiger Teil der Krebsprävention sein. Geschmack muss dabei nicht verloren gehen; abwechslungsreiche, sättigende Gerichte machen diese Lebensweise dauerhaft umsetzbar.

Wie lässt sich mediterrane Ernährung im Alltag umsetzen? Einige praktische Schritte:

Klein anfangen: Eine vollständige Umstellung auf einmal kann schwierig sein. Ergänzen Sie zunächst Fehlendes, etwa zum Frühstück eine Schale Obst oder als Zwischenmahlzeit statt ungesunder Snacks eine Handvoll Mandeln oder Walnüsse .

  • Gemüse zu jeder Mahlzeit: Essen Sie mittags einen großen grünen Salat oder ergänzen Sie Sandwiches mit Tomaten und Blattgemüse. Füllen Sie abends die Hälfte des Tellers mit Gemüsegerichten oder Salat , ein Viertel mit Vollkornprodukten wie Vollkornbrot oder Bulgur und den Rest mit gesunden Eiweißquellen wie Hülsenfrüchten oder Fisch.
  • Weniger rotes Fleisch: Planen Sie an mehreren Tagen der Woche statt rotem Fleisch Fisch ein, besonders fettreiche Sorten wie Lachs oder Sardinen, oder Huhn beziehungsweise Pute , also helles Fleisch. Halten Sie Portionen roten Fleisches klein und ergänzen Sie Gemüse.
  • Gesunde Fette bevorzugen: Verwenden Sie vor allem Olivenöl und begrenzen Sie Butter und Margarine möglichst. Olivenöl ist durch einfach ungesättigte Fettsäuren herzfreundlich und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften.
  • Zucker und verarbeitete Lebensmittel begrenzen: Wählen Sie statt süßen Getränken, Weißbrot, Gebäck und abgepackten Snacks natürliche Alternativen wie frisches Obst, Nüsse oder Joghurt. Frisches Obst eignet sich auch als Dessert bei Lust auf Süßes.

Denken Sie daran: Entscheidend ist eine beständige und langfristige Veränderung. Statt nur einige Wochen mediterran zu essen und dann aufzuhören, sollten diese Mahlzeiten zur Gewohnheit werden. Fachleute betonen: „Für ein geringeres Krebsrisiko ist eine lebenslang tragfähige Ernährungsweise entscheidend, nicht eine drei- bis fünfmonatige Diät“. Kontinuität steht im Mittelpunkt.

Mediterrane Ernährung in den Alltag einzubinden ist somit eine schmackhafte, gesunde Investition, die Adipositas vorbeugen und möglicherweise Krebsrisiken senken kann. Mit Olivenöl, Gemüse und Obst auf dem Tisch tun Sie Ihrem Geschmack und Ihrer künftigen Gesundheit etwas Gutes. 

Quellen

Aguilera-Buenosvinos I, Morales Berstein F, González-Gil EM, et al. Adherence to the Mediterranean Diet and Obesity-Linked Cancer Risk in EPIC. JAMA Netw Open. 2025;8(2):e2461031. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.61031
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