Mit schwerkranken Patienten kommunizieren: Was man nicht sagen sollte

In diesem Artikel
Eine wirksame Kommunikation mit schwerkranken Patienten ist ebenso wichtig wie Ihr medizinisches Wissen. Ungeschickt gewählte Worte können Patienten seelisch verletzen und ihre Therapietreue beeinträchtigen. In diesem Beitrag stellen wir Formulierungen vor, die Gesundheitsfachkräfte im Patientengespräch unbedingt vermeiden sollten, sowie mitfühlendere und angemessenere Alternativen.
Was Patienten nach der Behandlung am stärksten in Erinnerung bleibt, ist die Haltung des Arztes bei der Diagnosemitteilung.
Warum sind Worte wichtig?
Für uns gehört Krebs zum Berufsalltag. Für den Patienten kann diese Nachricht dagegen die erste und wichtigste Erfahrung dieser Art in seinem Leben sein.
Bei der Mitteilung einer schwierigen Diagnose kommt es sehr auf die Wortwahl an. Die im Oktober 2024 in Mayo Clinic Proceedings veröffentlichte Arbeit „Never Words: What Not to Say to Patients With Serious Illness“ beschreibt, dass bestimmte Worte Patienten emotional verletzen und eine mitfühlende Kommunikation behindern.
5 Aussagen, die Ärzte im Patientengespräch vermeiden sollten

1. „Alles wird gut“
Mit Patienten über schwierige Themen zu sprechen, ist nie einfach. Das gilt insbesondere, wenn die Notwendigkeit einschneidender Behandlungen wie Dialyse oder Nierentransplantation oder eine Krebsdiagnose besprochen werden muss. „Alles wird gut“ beruhigt den Patienten beispielsweise nicht, sondern schafft Unsicherheit. Statt pauschaler Aussagen wie „Es wird gut“ erwarten Patienten ein klares und realistisches Vorgehen.
Angemessene Formulierungen geben Orientierung und Sicherheit, etwa: „Wir müssen mit der Dialyse beginnen, aber wir werden Sie bei jedem Schritt begleiten“ oder „Es besteht ein Krebsverdacht; die Biopsie wird uns Gewissheit über die Diagnose geben.“
2. „Es ist Zeit, Ihr Leben zu ordnen / Machen Sie Ihre Traumreise“
Es ist falsch, einem Patienten eine vollständige Änderung seines Lebensstils oder eine völlige Neuordnung seines Lebens nahezulegen. „Besser ist es, dabei zu helfen, die Behandlung am Leben des Patienten auszurichten, statt das Leben des Patienten an der Behandlung.“
3. „Ihre Untersuchung zeigt eindeutig Krebs“
Bei der Mitteilung wichtiger Befunde wie eines Krebsverdachts sind anstelle definitiver Aussagen Formulierungen vorzuziehen wie: „Dieser Befund sieht nach Krebs aus. Wir können jedoch erst nach Vorliegen der Biopsieergebnisse eine sichere Aussage treffen.“ Dies ist ehrlich und vermindert zugleich die unmittelbare Schockwirkung auf den Patienten.
4. „Sie haben noch X Monate zu leben“
Allgemeine Angaben zur Lebenserwartung bei bestimmten Erkrankungen können hilfreich sein. Eine genaue Zeitspanne zu nennen, ist jedoch meist falsch und schädlich. Es verstärkt die Angst des Patienten und erweist sich häufig als unzutreffend.
5. „Hätten Sie sich doch anders verhalten“
Rückblickende Bemerkungen, der Patient hätte nicht rauchen oder früher zum Arzt kommen sollen, lösen Schuldgefühle aus. Vergessen wir nicht, dass wir die Vergangenheit nicht ändern können. Wollen wir heutiges Verhalten verändern, sollten wir die Gründe dafür klar erläutern.
Tipps für einen einfühlsamen Umgang mit Patienten
Erst zuhören, dann sprechen
Die Gefühle und Gedanken der Patienten zu verstehen, bildet die Grundlage guter Kommunikation. Es ist wichtig zuzuhören, was sie verstanden haben und was sie möchten. Wenn Sie auf ihre Gefühle eingehen, können Sie einen passenden Behandlungsplan entwickeln.
Körpersprache ist wichtig
Sich im Gespräch neben den Patienten zu setzen, hilft ihm, seine Situation zu verstehen. Manche Ärzte lassen Patienten höher sitzen und setzen sich selbst etwas unter deren Augenhöhe, um das Gefühl von Kontrolle zu stärken. Zu vermeiden, dass Patienten den Verlust ihrer Kontrolle empfinden, ist eine besondere Form der Rücksichtnahme.
Was zeigen Untersuchungen?
Laut dem Medscape-Bericht von 2024 :
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Nur 8% der Ärzte halten es für angemessen, bestimmte Aspekte des Patientenzustands zu verschweigen.
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Etwa ein Drittel hält Eignungstests für Ärzte ab einem bestimmten Alter für notwendig.
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57% betrachten den Erhalt ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit als ethische Pflicht.
Fazit: Kommunikation, die Ihren Patienten in Erinnerung bleibt
Vergessen Sie nicht: Was Patienten nach der Behandlung am stärksten in Erinnerung bleibt, ist die Haltung des Arztes bei der Diagnosemitteilung. Empathie, Ehrlichkeit und Realismus ermöglichen eine starke Beziehung zu Ihren Patienten. Mit geeigneten Kommunikationstechniken können Sie ihnen helfen, die Behandlung seelisch gestärkter und zuversichtlicher zu durchlaufen.
Denken Sie daran: Nicht nur Ihre Worte sind wichtig, sondern auch die Art, wie Sie sie aussprechen.
Quellen
Lee Adawi Awdish, Rana et al.
Mayo Clinic Proceedings, Band 99, Heft 10, 1553 - 1557
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