Silikon-Brustimplantate und Herzgesundheit: eine stille Bedrohung?

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Welchen Preis hat Schönheit?
Seit den 1960er-Jahren werden Silikon-Brustimplantate für ästhetische und rekonstruktive Zwecke eingesetzt und haben das Leben von Millionen Frauen weltweit geprägt. In den letzten Jahren mehren sich jedoch wissenschaftliche Hinweise darauf, dass diese Implantate über ästhetische Aspekte hinaus erhebliche Gesundheitsrisiken bergen könnten. Insbesondere könnten sie die Diagnostik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinträchtigen.
Warum sind Frauen bei der Herzdiagnostik stärker benachteiligt?
Die koronare Herzkrankheit (KHK) verläuft bei Frauen ungünstiger als bei Männern. Klassische Beschwerden wie typische Brustschmerzen treten bei Frauen seltener auf, und diagnostische Tests sind bei ihnen weniger empfindlich. Deshalb werden zur Erkennung der Erkrankung bei Frauen aufwendigere und empfindlichere bildgebende Verfahren eingesetzt.
Bei Frauen mit Brustimplantaten, die als Silikonimplantate bezeichnet werden, nimmt die Zuverlässigkeit dieser Tests jedoch erheblich ab. Dies kann sowohl falsch positive Befunde als auch unnötige invasive Eingriffe verursachen.
Wie beeinträchtigen Brustimplantate die Bildgebung des Herzens?
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Bei Verfahren zur Darstellung der Herzmuskeldurchblutung wie SPECT (Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie) und PET können mit Silikon oder Kochsalzlösung gefüllte Brustimplantate den Durchtritt von Röntgenstrahlen behindern und dadurch Abschwächungsartefakte in den Bildern verursachen.
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Bei der Stress-Echokardiographie erschweren Silikonimplantate die Ausbreitung der Ultraschallwellen zum Herzen und verursachen akustische Schallschatten.
Dies erhöht die Rate falsch positiver Befunde, insbesondere bei Frauen, deren Bedarf an Herzdiagnostik mit dem Alter zunimmt.
Wichtigste Ergebnisse der neu veröffentlichten Untersuchung
Eine im April 2025 im The American Journal of Medicine veröffentlichte retrospektive Analyse eines großen Datensatzes zeigte bei Frauen mit Brustimplantaten Unterschiede hinsichtlich auffälliger Herzfunktionstests, der Häufigkeit von Angiographien und perkutanen Koronarinterventionen (PCI):
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Frauen mit Brustimplantaten waren zwar 10 Jahre jünger , zeigten aber häufiger auffällige Herzfunktionstests (55,06 gegenüber 65,06 Jahren; P < 0,001).
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Auffällige Herztestergebnisse waren auch nach Berücksichtigung von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Diabetes, Hypertonie, Hyperlipidämie, Herzinfarkt, chronischer Nierenerkrankung, Brustkrebs und Rauchen signifikant häufiger (OR: 1,78; 95% KI: 1,22-2,68; P = 0,02).
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Koronarangiographien waren in dieser Gruppe häufiger (OR: 1,3; P < 0,001), invasive Behandlungen wie PCI, also das Einsetzen eines Stents in ein Herzkranzgefäß, dagegen seltener (35,7% gegenüber 46,2%; adjustierte OR: 0,79; P = 0,01).
Was bedeutet dies?
Bei Frauen mit Brustimplantaten führen:
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mehr auffällige Herztestergebnisse,
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mehr unnötige Angiographien ohne tatsächlichen Gefäßverschluss,
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aber letztlich weniger PCI
zu folgender Schlussfolgerung: Brustimplantate verringern die diagnostische Genauigkeit nicht invasiver Herztests und verursachen unnötige Kosten und Risiken im Gesundheitssystem.
Lösungsvorschläge: welcher Test für welche Patientin?
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Anstelle von SPECT kann PET-MPI bevorzugt werden, da die Abschwächungskorrektur bei der PET-Bildgebung zuverlässiger ist.
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Fortschrittliche CT-Angiographieverfahren (CTA) können insbesondere bei jungen Patientinnen mit normaler Nierenfunktion eine Alternative sein.
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Mit Abschwächungskorrektur (Attenuationskorrektur) ausgestattete moderne SPECT-Geräte können eingesetzt werden.
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In manchen Fällen können Verfahren ohne Bildgebung, etwa ein Belastungs-EKG auf dem Laufband, bevorzugt werden, um falsch positive Befunde zu verringern.
Patientinnen müssen informiert werden!
Frauen, die Brustimplantate erwägen, müssen klar darüber aufgeklärt werden, dass diese neben körperlichen auch diagnostische Auswirkungen haben können. Unnötige Koronarangiographien zu vermeiden, ist sowohl für die Patientensicherheit als auch für die Effizienz des Gesundheitssystems wichtig.
Fazit: Das Herz sollte nicht den Preis für Schönheit zahlen
Diese Studie zeigt erstmals anhand eines großen Patientendatensatzes, dass Brustimplantate eine erhebliche Hürde bei der Diagnose von Herzerkrankungen darstellen können. Ästhetisch motivierte Eingriffe können spätere wichtige medizinische Abläufe erschweren. Eine ganzheitliche Betrachtung der Frauengesundheit erfordert daher, ästhetische und funktionelle Risiken gemeinsam zu bewerten.
Quellen
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