Steht der Zusammenhang zwischen Depression und Darmbakterien fest?

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Zwei neue Studien untersuchten, wie sich Menschen mit einer Major Depression (einer schweren depressiven Störung) und gesunde Menschen in der Zusammensetzung ihrer Darmmikrobiota unterscheiden. Erhebliche Unterschiede wurden nachgewiesen. Die Forscher vermuten, dass der Verzehr von probiotischen Lebensmitteln, ausdrücklich keinen Nahrungsergänzungsmitteln, zur Linderung von Stress und Depressionen wichtig sein könnte.
In einer Studie verglichen Forscher Stuhlproben depressiver Menschen mit einer gesunden Kontrollgruppe. Die Ergebnisse zeigen nicht nur erhebliche Unterschiede in den Bakterienprofilen beider Gruppen, sondern auch deren Bedeutung für das Therapieansprechen. Die Daten verdeutlichen die wichtige Rolle der Darmmikrobiota bei der Entstehung und im Verlauf einer Major Depression sowie beim Ansprechen auf Antidepressiva.
Die zweite Studie zeigt den Einfluss der Ernährung auf die psychische Gesundheit. Menschen, die die Darmmikrobiota unterstützende Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fermentiertes verzehrten, also eine psychobiotische Ernährung einhielten, zeigten bei Stress, Angst und Depressionen deutliche Verbesserungen. Danach erklärten die Forscher, ihr nächstes Ziel sei eine neue adjuvante, also schützende Behandlung durch psychobiotische Ernährung bei Menschen mit Major Depression, für die Medikamente allein nicht ausreichen.
Welche Rolle spielt die Darmmikrobiota bei Depression?
Frühere Untersuchungen zeigen Veränderungen der natürlichen Darmmikrobiota bei depressiven Menschen. Antidepressiva haben antimikrobielle Eigenschaften; der Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Mikrobiota und dem Therapieansprechen ist jedoch nicht vollständig verstanden.
Eingeschlossen wurden 34 Patienten mit Depression im Alter von 18 bis 70 Jahren sowie 20 gesunde Kontrollpersonen. Ein wichtiges Kriterium war, dass keine weiteren Erkrankungen die Darmmikrobiota beeinflussten. Die genomische Sequenzierung der Stuhlbakterien zeigte Unterschiede auf Ebene von Familie, Gattung und Art. Manche Bakterienarten waren bei depressiven oder gesunden Menschen häufiger und halfen, die Gruppen gut zu unterscheiden. Einige Arten fanden sich ausschließlich bei therapieresistenten Patienten, andere nur bei Ansprechenden. Dies belegt, dass die Darmmikrobiota ein wichtiger Depressionsmarker ist.
Die Wirkung psychobiotischer Ernährung
Eine weitere Studie untersuchte den Einfluss der Ernährung auf die psychische Gesundheit. Gesunde Menschen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine erhielt eine 4 Wochen dauernde psychobiotische Ernährung, reich an präbiotischen Ballaststoffen aus Obst, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten sowie fermentierten Lebensmitteln. Die Kontrollgruppe erhielt eine Schulung zu gesunder Ernährung. Am Ende wurde Stress mit der Skala für wahrgenommenen Stress und Depression mit der Beck-Depressionsskala erfasst. Ein hoher Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel senkte in der Ernährungsgruppe am Studienende sowohl das Stressniveau als auch die Depressionswerte deutlich. Diese Rückgänge fehlten in der Kontrollgruppe.
Fazit und Zusammenfassung
Obwohl die Ernährungsgewohnheiten die akute Stressreaktion nicht signifikant beeinflussten, konnte eine auf die Mikrobiota gerichtete Ernährung bei gesunden Menschen eine Verbesserung der subjektiven Stress- und Depressionsgefühle ermöglichen. Für ein klareres Verständnis der Wirkungen auf Stress und Angst muss die Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse jedoch genauer untersucht werden.
Die Wissenschaftler betonen die Bedeutung der Ergebnisse, zugleich aber auch den Bedarf an weiteren Studien und stärkeren Belegen dafür, welche Bakterienarten Stimmung, Angst und Stress beeinflussen.
Quellen
Medscape.com September 2020
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