Trepanation 6500 v. Chr. – Wir beginnen zu schneiden und zu bohren

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Böser Geist oder Epilepsie?
Der Neurowissenschaftler und Medizinhistoriker Stanley Finger schreibt: „Die Behauptung, dem Gehirn könnte schon vor dem Entstehen großer Zivilisationen eine besondere Rolle bei höheren Funktionen zugeschrieben worden sein, beruht auf Funden absichtlich geschnittener oder zusammengedrückter Schädel an mehreren neolithischen [jungsteinzeitlichen] Fundorten.“ Tatsächlich war die Trepanation, das Öffnen eines Lochs im menschlichen Schädel durch Schneiden, Bohren und/oder Schaben, früher recht verbreitet. In vorgeschichtlicher Zeit wurden aus Patienten entfernte Schädelknochenstücke möglicherweise als Amulette getragen, um böse Geister abzuwehren. Die Gründe für diese Praxis sind unklar. Vielleicht versuchten die Menschen damals, starke Kopfschmerzen und Epilepsie zu lindern oder „böse Geister“ aus dem Kopf entweichen zu lassen. Ebenso ist unklar, ob die Betroffenen mit Kokablättern oder Alkohol betäubt wurden. Interessanterweise wies ungefähr ein Drittel von 120 vorgeschichtlichen Schädeln auf einem französischen Gräberfeld aus dem Jahr 6500 v. Chr. Trepanationsöffnungen auf. Viele Beispiele trepanierter Schädel zeigen eine Heilung des umgebenden Knochens. Das deutet darauf hin, dass die Menschen diesen schrecklichen Eingriff häufig überlebten. Im Mittelalter und später ließen sich Menschen trepanieren, um Krampfanfälle zu lindern und Kopfverletzungen wie Schädelbrüche zu heilen.
Trepanationen wurden weltweit praktiziert, unter anderem in Afrika, im präkolumbischen Mesoamerika und in vielen Teilen Europas. Allein in Peru wurden mehr als 10.000 trepanierte Schädel gefunden. In Europa reicht der Durchmesser der Schädelöffnungen von wenigen Zentimetern bis fast zur Hälfte des Schädels.
Ebu'l Kasım El-Zehravi (Albucasis) (936-1013)
Ebu'l Kasım, einer der größten mittelalterlichen Chirurgen des Islam, verwendete bei solchen Eingriffen einen Bohrer. Er schrieb: „Selbst wenn der Operateur der unwissendste und ängstlichste Mensch wäre, schneidet er den Knochen in dem sicheren Wissen, dass der Hirnhaut nichts geschehen wird; ja, selbst wenn er schläfrig ist. Wenn sich die Dura, die äußere Hirnhaut, jedoch schwarz verfärbt, können Sie wissen, dass er dem Tod geweiht ist.“
In den letzten Jahren haben einige ungewöhnliche Menschen sich selbst trepaniert, weil sie glaubten, der Eingriff erleichtere den Weg zur Erleuchtung.
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