Unnötige Operationen vermeiden: 1 Liter Ananassaft und moderne MRT-Technologie

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Bei Krebs mit Ausbreitung auf das Bauchfell gehört die Frage, welcher Patient von einer Operation profitiert, zu den schwierigsten chirurgischen Entscheidungen. Eine neue Studie zeigte, dass die diffusionsgewichtete MRT nutzlose Operationen um die Hälfte verringert.
Historischer Wandel: vom hoffnungslosen zum behandelbaren Fall
Lange galt die Ausbreitung von Darmkrebs auf das Bauchfell (Peritoneum) in der Onkologie als medizinische Endstation. Die Patienten erhielten eine lindernde systemische Chemotherapie; eine Operation schien keine Option. Peritonealmetastasen bedeuteten eine Verteilung des Tumors in der Bauchhöhle und galten für Chirurgen als unerreichbar.
In den letzten 20-30 Jahren haben jedoch die von Paul Sugarbakermaßgeblich entwickelten chirurgischen Verfahren dieses Paradigma durchbrochen. Die zytoreduktive Chirurgie (CRS) und die gleichzeitig durchgeführte erwärmte Chemotherapie (HIPEC)verlängerten bei ausgewählten Patienten das Überleben deutlich und ermöglichten in manchen Fällen sogar eine vollständige Heilung. Peritonealmetastasen konnten nun als regionale Erkrankung statt als ausgedehnte systemische Krankheit behandelt werden.
Das große Dilemma: Wer sollte operiert werden?
Diese bahnbrechende Behandlung (CRS + HIPEC) gehört zu den belastendsten und komplexesten Eingriffen der onkologischen Chirurgie. Die Operation dauert Stunden; manchmal werden Darmabschnitte, Gallenblase, Milz oder das Bauchfell vollständig entfernt. Deshalb ist die „richtige Patientenauswahl“ von entscheidender Bedeutung.
Bei zu hoher Tumorlast, also einem hohen Peritoneal Cancer Index (PCI), bringt der schwere Eingriff keinen Nutzen und beeinträchtigt stattdessen die Lebensqualität. Die größte Sorge der Chirurgen ist, einen Patienten mit Heilungshoffnung zu operieren und erst nach Öffnung des Bauches festzustellen, dass der Tumor zu weit verbreitet ist, um entfernt zu werden, sodass der Bauch ohne Behandlung wieder verschlossen werden muss. Medizinisch nennt man dies „Futile Surgery“ (aussichtslose beziehungsweise nutzlose Operation). Dieser Begriff beschreibt einen Eingriff ohne therapeutischen Nutzen.
Das Unsichtbare sichtbar machen: Grenzen der Computertomografie
Wie erkennen wir vor der Operation, wer geeignet ist? Die standardmäßig eingesetzte Computertomografie (CT) zeigt Leber- oder Lungenmetastasen hervorragend, erfasst jedoch millimetergroße Tumoren auf dem Bauchfell von der Größe eines Reiskorns oder einer Linse nur unzureichend.
Deshalb müssen Chirurgen häufig zunächst eine diagnostische Laparoskopie durchführen, also mit einer Kamera in den Bauch schauen, um die Tumorausbreitung festzustellen. Das bedeutet einen zusätzlichen Eingriff, eine weitere Narkose und Zeitverlust. Genau hier setzt die DISCO-Studiean. Sie untersuchte, ob sich die tatsächliche Situation allein durch Bildgebung und ohne Operation beurteilen lässt.
1. Das Geheimnis liegt im Wasser: Wie funktioniert die Diffusions-MRT?
Die in der Studie eingesetzte diffusionsgewichtete MRT (DW-MRI) bildet die Bewegung der Wassermoleküle im Gewebe ab. Im normalen Gewebe kann sich Wasser frei bewegen; im Tumorgewebe ist es wegen der dicht gepackten Zellen eingeschränkt. Die MRT erkennt diese Enge und lässt den Tumor hell aufleuchten. Besonders interessant war jedoch die einfache, natürliche Methode zur Verbesserung der Bildqualität.
Die Regel mit 1 Liter Ananassaft
Dr. Max J. Lahaye vom Niederländischen Krebsinstitut erklärt: „Wir bitten unsere Patienten, vor der MRT 1 Liter handelsüblichen Ananassaft zu trinken. Ananassaft enthält viel Mangan. Dieses Metall lässt die Flüssigkeit im Darminhalt in der MRT tiefschwarz erscheinen (negativer Kontrast). Während der Darminhalt abgedunkelt wird, treten die leuchtenden Tumoren so klar hervor wie Sterne am Nachthimmel.“
2. Ergebnisse der DISCO-Studie: halb so viele unnötige Operationen
In dieser randomisierten Studie aus den Niederlanden und China wurden 277 Patienten in zwei Gruppen eingeteilt: Eine erhielt nur die Standarddiagnostik mit CT und/oder diagnostischer Laparoskopie, die andere zusätzlich eine DW-MRI mit Ananassaft.
Standardverfahren
Bei 42.5 % der Patienten zeigte sich erst während der Operation, dass der Tumor zu ausgedehnt und nicht entfernbar (inoperabel) war. Sie erlebten somit einen nutzlosen Eingriff mit bloßem Öffnen und Schließen des Bauches.
DW-MRI-Gruppe
In der mit MRT untersuchten Gruppe sank dieser Anteil auf 26.8 %. In der niederländischen Kohorte war der Rückgang noch deutlicher: von 59 % auf 22 %.
Die Erstautorin Dr. Lizzel van der Snee sagte: „Mit diesem Verfahren reduzieren wir sowohl unnötige große Operationen (Laparotomien) als auch kleinere Eingriffe, die lediglich dem Nachschauen dienen (diagnostische Laparoskopien).“
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