Was ist Anastrozol (Arimidex)? Wie wirkt es?

In diesem Artikel
Goldstandard bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs: Anastrozol
Zu den Grundpfeilern der hormonellen Brustkrebstherapie gehört Anastrozol (Arimidex®), ein starker Aromatasehemmer, der insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren die Östrogenproduktion unterdrückt und dadurch das Tumorwachstum hemmt. Seine Wirksamkeit zur Senkung des Rückfallrisikos in der adjuvanten Behandlung ist belegt.
Arzneimittelsteckbrief
- Handelsname: Arimidex® und entsprechende Alternativpräparate
- Wirkstoff: Anastrozol
- Klasse: Nichtsteroidaler Aromatasehemmer der dritten Generation
- Anwendung: Orale Tablette (zum Einnehmen)
- Hersteller: AstraZeneca (Originalhersteller)
- Zulassung: In der Türkei zugelassen.
- Kostenübernahme: Steht auf der SGK-Erstattungsliste.
- Erstattungsbedingungen: Bei postmenopausalen Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs erfolgt auf Grundlage eines fachärztlichen Berichts eine Kostenübernahme.
- Preis: Für 1 mg mit 28 Tabletten etwa 450 - 550 TL. Preise variieren je nach aktuellem Wechselkurs und Preislisten.
Zugelassene Indikationen
- Brustkrebs im Frühstadium: Adjuvante, also vorbeugende Behandlung hormonrezeptorpositiven frühen Brustkrebses bei postmenopausalen Frauen.
- Fortgeschrittener/metastasierter Brustkrebs: Erstlinienbehandlung fortgeschrittenen Brustkrebses bei postmenopausalen Frauen.
- Umstellung nach Tamoxifen: Als Fortsetzung der Behandlung nach vorheriger Tamoxifentherapie.
Klinische Bedeutung und Geschichte
Die Etablierung als Standardversorgung beruht auf einer der umfassendsten onkologischen Studien:
Diese historische Studie belegte, dass Anastrozol Rückfälle wirksamer verhindert als Tamoxifen und bestimmte schwere Nebenwirkungen wie Gebärmutterkrebs darunter seltener auftreten. Damit wurde es bei postmenopausalen Frauen zur ersten Behandlungswahl.
Was ist Anastrozol und wie wirkt es molekular?
Anastrozol ist ein selektiver Aromatasehemmer, der die Östrogenmenge im Körper drastisch senkt. Seine Wirkung unterscheidet sich jedoch entscheidend nach dem Menopausenstatus.
🔬 Molekulares Wirkprinzip
Nach den Wechseljahren wird Östrogen nicht mehr in den Eierstöcken produziert. Stattdessen werden Androgene aus den Nebennieren durch das in Fett- und Muskelgewebe vorhandene Aromataseenzym in Östrogen umgewandelt.
- 1. Enzymblockade: Anastrozol bindet an Aromatase und stoppt deren Funktion. Androgene können dadurch nicht mehr in Östrogen umgewandelt werden.
- 2. Die Brennstoffzufuhr unterbrechen: Hormonsensible Brustkrebszellen verwenden Östrogen als „Brennstoff“ zum Wachsen. Anastrozol senkt den Blutöstrogenspiegel um mehr als %80 und hungert die Krebszellen aus.
- 3. Selektivität: Anastrozol ist hochselektiv. Es beeinflusst nicht die Produktion von Nebennierensteroiden wie Cortisol und Aldosteron, sondern konzentriert sich ausschließlich auf die Östrogensynthese.
Anwendung und Dosierung
Die Anwendung ist sehr einfach, erfordert aber Konsequenz.
- Standarddosis: Einmal täglich eine Tablette mit 1 mg.
- Zeitpunkt: Mit oder ohne Nahrung einnehmbar. Die Einnahme täglich zur selben Zeit wird empfohlen.
- Dauer: In der adjuvanten Therapie meist 5 Jahre, bei bestimmten Hochrisikofällen bis zu 10 Jahre.
Nebenwirkungen und ihr Umgang
Die systemische Östrogenabnahme führt zu menopausenähnlichen Beschwerden:
- Gelenk- und Muskelschmerzen (Arthralgie): Die häufigste Nebenwirkung. Sie wird durch Bewegung und einfache Schmerzmittel nach ärztlicher Empfehlung behandelt.
- Verlust der Knochendichte: Östrogenmangel kann Osteoporose verursachen. Kalzium-/Vitamin-D-Ergänzung und regelmäßige Knochendichtemessungen (DEXA) sind unerlässlich.
- Hitzewallungen: Plötzliches Schwitzen und Hitzegefühl ähnlich den Wechseljahren.
- Vaginale Trockenheit: Kann die sexuelle Gesundheit beeinflussen.
- Schwäche und Stimmungsschwankungen: Leichte depressive Symptome oder Müdigkeit können auftreten.
Besondere Situationen und Hinweise
- Anwendung vor den Wechseljahren: Anastrozol allein ist bei prämenopausalen Frauen unwirksam und kann die Eierstöcke sogar stimulieren. Wird es in dieser Phase eingesetzt, muss es unbedingt mit einem die Eierstockfunktion unterdrückenden Arzneimittel, einem LHRH-Analogon, kombiniert werden.
- Leber/Nieren: Bei schwerer Insuffizienz vorsichtig anwenden.
- Cholesterin: Bei manchen Patienten können die Werte leicht steigen; regelmäßige Kontrollen werden empfohlen.
Literatur
- Arimidex (Anastrozol). FDA-Fachinformation.
- Baum M und Kollegen. ATAC-Studie zu Anastrozol allein oder in Kombination mit Tamoxifen. The Lancet. 2002.
- Cuzick J und Kollegen. Langzeitergebnisse der ATAC-Studie. Lancet Oncol. 2010.
- Gesundheitsministerium der Republik Türkei. Arimidex, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (KÜB).
Quellen
Anastrozole alone or in combination with tamoxifen versus tamoxifen alone for adjuvant treatment of postmenopausal women with early breast cancer: first results of the ATAC randomised trial.
Lancet. 2002.
2. Boccardo F, Rubagotti A, Puntoni M, et al.
Switching to anastrozole versus continued tamoxifen treatment of early breast cancer: preliminary results of the Italian Tamoxifen Anastrozole Trial.
J Clin Oncol. 2005.
3. Nabholtz JM, Buzdar A, Pollak M, et al.
Anastrozole Is Superior to Tamoxifen as First-Line Therapy for Advanced Breast Cancer in Postmenopausal Women: Results of a North American Multicenter Randomized Trial.
J Clin Oncol 2000
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