Was sind Neulastim, Filpeg und Ziextendo (Pegfilgrastim)? Anwendung und Nebenwirkungen

In diesem Artikel
Pegfilgrastimist die PEGylierte Form des Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktors (G-CSF) mit langer Wirkdauer. Bei Patienten mit nichtmyeloischen Malignomen unter myelosuppressiver Chemotherapie soll es febrile Neutropenie (FN) und den damit verbundenen Bedarf an Krankenhausaufnahme/IV-Antibiotika verringern. Durch Aktivierung des G-CSF-Rezeptors regt es die Vermehrung und Differenzierung granulozytärer Vorläufer an, beschleunigt die Freisetzung reifer Neutrophiler und unterstützt ihre Funktion. Die Einzeldosis von 6 mg s.c. wird in jedem Zyklus ≥24 Stunden nach der Chemotherapie verabreicht. Es wird nicht am selben Tag wie die Chemotherapie und auch nicht innerhalb der 14 Tage vor dem nächsten Zyklus gegeben.
Inhalt
- Was ist Pegfilgrastim?
- Indikation
- Wirkmechanismus
- Dosierung, Zeitpunkt und Anwendung
- Patientenauswahl (Primär-/Sekundärprophylaxe)
- Gegenanzeigen & Warnhinweise
- Nebenwirkungen
- Dosisanpassung & Überwachungsalgorithmen
- Wechselwirkungen
- Besondere Situationen
- Lagerung & Logistik
- Anwendung zu Hause: Schritt für Schritt Patientenleitfaden
- SGK-Erstattung (Türkei)
- Häufige Fragen
- Literaturverzeichnis
1) Was sind Neulastim/Filpeg/Zıextendo?
Pegfilgrastim ist der Wirkstoff eines lang wirksamen G-CSF -Präparats. Es verringert Tiefe und Dauer der chemotherapiebedingten Neutropenie und senkt so das FN-Risiko. Die Fertigspritze ermöglicht eine einfache Einzeldosis pro Zyklus.
2) Indikation
- Onkologische Indikation: Bei Erwachsenen und Kindern mit nichtmyeloischen Malignomen unter myelosuppressiver Chemotherapie dient es zur Senkung der Infektionshäufigkeit (dargestellt durch FN) als Prophylaxe.
- FDA/EMA: Erste Zulassung des Pegfilgrastim-Referenzpräparats 2002 (Neulasta®). Für Biosimilars und nationale Marken gelten dieselben Klassenwarnhinweise.
- Stellenwert in Leitlinien (Überblick): Bei Schemata mit einem FN-Risiko von ≥20% wird eine Primärprophylaxeeingesetzt. Bei 10–20% kann sie bei weiteren Risikofaktoren wie höherem Alter, Begleiterkrankungen, früherer FN, intensiver Kombination oder schlechtem Allgemeinzustand erwogen werden. Nach FN/Dosisverzögerung im vorherigen Zyklus erfolgt eine Sekundärprophylaxe.
3) Wirkmechanismus
Pegfilgrastim bindet an den G-CSF-Rezeptor und steigert Vermehrung und Differenzierung granulozytärer Vorläufer. Es beschleunigt die Freisetzung reifer Neutrophiler aus dem Knochenmark. Die PEG-Kette senkt die renale Clearance und verlängert die Halbwertszeit; über die neutrophilenvermittelte Clearance erfolgt eine Selbstregulation .
4) Dosierung, Zeitpunkt und Anwendung
| Gruppe | Dosis | Zeitpunkt | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (≥45 kg) | 6 mg s.c. (gesamte Fertigspritze) | In jedem Chemotherapiezyklus ≥24 Stunden danach | Mit Chemotherapie nicht am selben Tagund nicht innerhalb der 14 Tage vor dem nächsten Zyklus geben |
| Kinder (<45 kg) | Gewichtsbezogen (gemäß Tabelle der Produktinformation) | In jedem Zyklus | Volumenanpassung und Gerätewahl müssen durch ein geschultes Team erfolgen |
- Regel zum selben Tag: Wegen möglicher pharmakodynamischer Überschneidung mit Zytostatika nicht am selben Tag geben.
- Injektionsstellen: Bauch (≥5 cm vom Nabel entfernt), vorderer/äußerer Oberschenkel, hinterer/äußerer Oberarm bei Hilfe durch eine Betreuungsperson.
- Schmerztherapie: Bei Knochenschmerzen können Paracetamol/NSAR gewählt werden, sofern keine Gegenanzeigen bestehen.
5) Patientenauswahl (Primär-/Sekundärprophylaxe)
- Primär:
Pegfilgrastim kann bei Chemotherapieprotokollen mit einem Risiko für febrile Neutropenie ≥20% zur Primärprophylaxe oder nach febriler beziehungsweise schwerer Neutropenie im vorherigen Zyklus zur Sekundärprophylaxe eingesetzt werden. Der zugelassene Indikationsumfang kann je nach Marke unterschiedlich sein.
- Sekundär: Nach FN, anhaltender Neutropenie/Grad 4 oder Zyklusverzögerung im vorherigen Zyklus.
6) Gegenanzeigen & wichtige Warnhinweise
| Thema | Einzelheiten |
|---|---|
| Gegenanzeige | Bekannte Überempfindlichkeit gegen Pegfilgrastim/Filgrastim oder Hilfsstoffe. Nach schwerer Reaktion nicht erneut anwenden. |
| Milzruptur | Schmerz im linken Oberbauch/in der Schulter, Hypotonie; sofortige Beurteilung, Bildgebung und geeignete Behandlung. |
| Akutes Atemnotsyndrom (ARDS) | Atemnot, Hypoxämie, Infiltrate; Absetzen des Medikaments und unterstützende Behandlung erwägen. |
| Kapillarlecksyndrom | Akute Ödeme, plötzliche Gewichtszunahme, Hypotonie, Hämokonzentration; intensivmedizinisches Vorgehen kann nötig sein. |
| Glomerulonephritis | Hämaturie/Proteinurie, Kreatininanstieg; nephrologische Mitbeurteilung, größere Dosisabstände oder Absetzen. |
| Aortitis | Fieber, Rücken-/Bauchschmerzen, Entzündungsmarker; Bestätigung durch Bildgebung und geeignete Behandlung. |
| Sichelzellkrankheit (SCD) | Krisenrisiko; sorgfältige Indikationsstellung, Aufklärung und engmaschige Überwachung. |
| Leukozytose | Meist klinisch gut verträglich; bei auffälligen Befunden Blutbildkontrollen. |
7) Nebenwirkungen
| Kategorie | Beispielbefunde | Vorgehen |
|---|---|---|
| Sehr häufig/Häufig | Knochen-/Gliedmaßen-/Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle | Stufenweise Schmerztherapie (Paracetamol/NSAR), örtliche Pflege; bei starken Schmerzen Schema/Analgesie überprüfen |
| Immunsystem | Allergische Reaktionen, Ausschlag/Urtikaria, Anaphylaxie (selten) | Bei leichter Reaktion Antihistaminikum; bei schwerer Reaktion Notfallmaßnahmen, Adrenalin und dauerhaftes Absetzen |
| Blutbild | Leukozytose, Thrombozytopenie (selten) | Blutbildkontrolle im klinischen Kontext; bei Symptomen Abklärung |
| Atmung | ARDS (selten, aber schwerwiegend) | Sofortige Beurteilung, Sauerstoffversorgung, Bildgebung; Absetzen erwägen |
| Nieren | Glomerulonephritis (Hämaturie/Proteinurie), Kreatininanstieg | Nephrologische Mitbeurteilung; größere Dosisabstände oder Absetzen |
| Gefäße | Kapillarleck, Aortitis | Intensive Unterstützung, Entzündungskontrolle; Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen |
| Milz | Vergrößerung/Ruptur | Bei linkem Oberbauchschmerz Bildgebung; bei Ruptur sofortige chirurgische Beurteilung |
Alarmsymptome: Fieber ab 38.0°C, plötzliche Atemnot, ausgedehnte Ödeme/Hypotonie, Schmerzen im linken Oberbauch , ausgedehnter Ausschlag/Urtikaria und pfeifende Atmung → sofortige medizinische Hilfe.
8) Dosisanpassung & Überwachung
- Standardprophylaxe in der Onkologie: Bei Erwachsenen erfolgt keine routinemäßige Dosisreduktion; in jedem Zyklus eine Einzeldosis von 6 mg.
- Schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis: Bei Anaphylaxie, ARDS, Kapillarleck, Milzruptur, deutlicher Nierenschädigung usw. das Medikament absetzen und gemeinsam mit den zuständigen Fachrichtungen behandeln.
- Empfohlene Überwachung: Je nach klinischem Kontext Blutbild (insbesondere in den ersten Zyklen), Urinuntersuchung/Nierenfunktion; bei Atemwegssymptomen Bildgebung.
- Nieren-/Leberinsuffizienz/höheres Alter: Keine besondere pharmakokinetisch begründete Dosisanpassung nötig; entscheidend ist die klinische Überwachung.
9) Wechselwirkungen
- Zeitlicher Abstand zur Chemotherapie: Nicht am selben Tag anwenden. Erst mindestens 24 Stunden danach geben.
- Einflüsse auf das Blutbild: Lithium und andere leukozytosesteigernde Medikamente könnten theoretisch den Effekt verstärken; klinische Kontrollen werden empfohlen.
- Impfungen: Lebendimpfungen werden während einer Chemotherapie meist verschoben; die Planung erfolgt individuell.
- Weitere pharmakokinetische Wechselwirkungen: Klinisch bedeutsame pharmakokinetische Wechselwirkungen werden nicht erwartet.
10) Besondere Situationen
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Schwangerschaft/Stillzeit | Begrenzte Humandaten; individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und fachärztliche Beratung. |
| Kinder (<45 kg) | Gewichtsbezogene Dosierung erforderlich; mit der Erwachsenen-Fertigspritze dürfen keine Teildosen gegeben werden. |
| Sichelzellkrankheit | Krisenrisiko; nur bei klarer Indikation und engmaschiger Kontrolle anwenden. |
| Nuklearmedizinische Bildgebung | Verstärkte Knochenmarkaktivität kann falsch positive Befunde verursachen; im Bericht vermerken. |
11) Lagerung & Logistik
- 2–8 °C im Kühlschrank, geschützt vor Licht und Erschütterungen in der Originalverpackung lagern.
-
ZIEXTENZO darf bei Raumtemperatur bis maximal 35°C für höchstens 120 Stunden aufbewahrt werden. Nach mehr als 120 Stunden bei Raumtemperatur muss ZIEXTENZO® entsorgt werden. FILPEG darf bei Raumtemperatur bis maximal 25°C ± 2°C einmalig höchstens 72 Stunden liegen. Nach mehr als 72 Stunden bei Raumtemperatur muss FILPEG entsorgt werden.
-
Vor der Anwendung etwa ~30 Minuten bei Raumtemperatur liegen lassen; nicht schütteln, nicht erwärmen.
- Bei Raumtemperatur insgesamt 48 Stunden nicht überschreiten. Einfrieren vermeiden; nach mehrmaligem Einfrieren nicht verwenden.
- Bei Transport und Lagerung zu Hause/in der Klinik Kühlkette sowie Chargen-/Seriennummer dokumentieren.
12) Anwendung zu Hause
- Zeitpunkt bestätigen: Nach der Chemotherapie ≥24 Stunden später; vor dem nächsten Zyklus nicht innerhalb der vorausgehenden 14 Tage anwenden.
- Vorbereiten: Fertigspritze, Alkoholtupfer, Watte/Kompresse, Pflaster, stichfester Abwurfbehälter.
- Temperaturangleichung: Aus dem Kühlschrank nehmen und etwa ~30 Minuten bei Raumtemperatur liegen lassen; nicht schütteln, nicht erwärmen.
- Prüfen: Die Lösung muss klar und partikelfrei sein; Datum/Haltbarkeit und Unversehrtheit der Spritze kontrollieren.
- Hygiene: Hände waschen und trocknen; Hautstelle mit Alkohol reinigen und trocknen lassen.
- Injektionsstelle wählen: Bauch (≥5 cm vom Nabel entfernt) oder Oberschenkel; die Stelle jedes Mal wechseln .
- Technik: Haut vorsichtig anheben; im Winkel von 90° (bei sehr schlanken Personen 45°) einstechen; den Kolben langsam und gleichmäßig drücken und die gesamte Dosis verabreichen (10–30 Sekunden).
- Herausziehen: Im selben Winkel herausziehen; mit Watte drücken, nicht reiben. Bei automatischem Nadelschutz auf vollständige Aktivierung achten.
- Entsorgung: Die Spritze in einen stichfesten Abwurfbehälter geben; nicht im Hausmüll entsorgen.
- Dokumentation: Datum/Uhrzeit, Injektionsstelle und Chargen-/Serien -Nummer notieren.
- Alarmsymptome: 38.0°C+, Atemnot, ausgedehnte Ödeme/Hypotonie, Schmerzen im linken Oberbauch , ausgedehnter Ausschlag/Urtikaria → Notfallhilfe.
- Bei vergessener Dosis: Nicht eigenständig nachholen; einen neuen Zeitpunkt mit dem Behandlungsteam planen.
Dieser Leitfaden gilt, wenn Ihr Arzt die Anwendung zu Hause für geeignet hält und Sie persönlich geschult wurden. Die Anweisungen der Produktinformation haben Vorrang.
13) SGK-Erstattung
- Umfang: Bei Patienten mit einer malignen Erkrankung, ausgenommen chronische myeloische Leukämie und myelodysplastisches Syndrom, unter zytotoxischer Chemotherapie ist die Anwendung nach Protokollen mit einem FN-Risiko ≥20% zur Primärprophylaxe oder nach Zyklen mit nachgewiesener febriler oder schwerer Neutropenie (absolute Neutrophilenzahl <500 μl) zur Sekundärprophylaxe geeignet. Filgrastim/Lenograstim/Pegfilgrastim/Lipegfilgrastim werden bei Krebsdiagnose erstattet. (Ziextendo: Bei malignen Erkrankungen, ausgenommen chronische myeloische Leukämie und myelodysplastisches Syndrom, unter zytotoxischer Chemotherapie ist die Anwendung nach Zyklen mit nachgewiesener febriler oder schwerer Neutropenie mit absoluter Neutrophilenzahl <500μl geeignet.)
- Ärztlicher Bericht: Ein höchstens 6 Monate gültiger Bericht eines ärztlichen Gremiums; dem Gremium muss ein Facharzt für Hämatologie oder Medizinische Onkologie angehören.
- Verordnung: Höchstens die Dosis für einen Monat wird verordnet; klinische Indikation und Zyklusabstände müssen übereinstimmen.
- In der Türkei unter den Namen Neulastim, Filpeg und Ziextendo erhältlich.
- Preis: Neulastim: 16.670.61TL, Ziextendo: 13.562.54 TL und Filpeg:12.794.86TL.
14) Häufige Fragen
Für wen wird es bevorzugt? Bei allen Schemata mit FN-Risiko ≥20%; bei 10–20% bei zusätzlichen Risiken. Nach FN/Dosisverzögerung im vorherigen Zyklus Sekundärprophylaxe.
Kann es am selben Tag wie die Chemotherapie gegeben werden? Nein. Frühestens 24 Stunden danach. Die nächste Dosis kann frühestens nach 14 Tagen gegeben werden.
Was tun bei starken Knochenschmerzen? Paracetamol/NSAR, sofern geeignet, und örtliche Maßnahmen; bei anhaltenden Schmerzen das Team informieren.
15) Literaturverzeichnis
- Neulasta® (pegfilgrastim) Prescribing Information — Dosierung, Zeitpunkt, Warnhinweise.
- EMA-SmPC — Pegfilgrastim und Biosimilars: Indikation, Lagerung, Sicherheit.
- NCCN Guidelines®: Hematopoietic Growth Factors — Kriterien der Primär-/Sekundärprophylaxe.
- ASCO-CSF-Leitlinie — patienten- und schemabezogene Entscheidungsgrundsätze zur FN-Prophylaxe.
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