Amivantamab (Rybrevant): Welche Hautnebenwirkungen treten auf und wie werden sie behandelt?

Amivantamab (Rybrevant) ist ein bispezifischer Antikörper gegen EGFR und MET und bietet insbesondere bei metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs (KHDAK) mit EGFR-Exon-20-Insertionsmutation (Exon20ins) eine wichtige Behandlungsmöglichkeit. Die Therapie geht mit erwartbaren Hauttoxizitäten einher. In diesem Beitrag haben wir Empfehlungen zur Vorbeugung und Behandlung von Hauttoxizitäten unter Amivantamab zusammengestellt.
Die wichtigsten Hauttoxizitäten
Akneiformer Ausschlag und Paronychie gehören zu den häufigsten Hautnebenwirkungen unter Amivantamab. Außerdem wurden weitere Nebenwirkungen beobachtet, darunter Hypertrichose bei 50% der Männer und Hirsutismus bei 80% der Frauen. In diesem Beitrag wurden die Hautnebenwirkungen von 7 Patienten analysiert.
ABBILDUNG 1: Entwicklung der Hauttoxizitäten bei sieben mit Amivantamab behandelten Patienten vom Therapiebeginn bis zum 31. Dezember 2021.

Jede Zeile der Abbildung zeigt den Schweregrad der Hauttoxizität eines anderen Patienten und die Veränderung dieser Nebenwirkungen im Laufe der Zeit. Jede Farbe steht für eine andere Toxizitätsart: Rot für Paronychie, Grün für akneiformen Ausschlag, Türkis für Hautrisse und Violett für Hirsutismus beziehungsweise Hypertrichose.
Die Achsen sind folgendermaßen festgelegt:
- Die Y-Achse zeigt den Schweregrad der Nebenwirkungen von 0 bis 3.
- Die X-Achse zeigt die Zahl der Behandlungstage, also die Zeit.
Beim ersten Patienten (p1, männlich, 54 Jahre alt, Anfangsdosis 1400mg) trat die stärkste Paronychie beispielsweise nach 308 Tagen auf und wurde als Grad 3 erfasst. Der akneiforme Ausschlag erreichte bei diesem Patienten nach 343 Tagen den Grad 3. Die übrigen Patienten und ihre Nebenwirkungen wurden entsprechend dargestellt.
ABBILDUNG 2: Die folgenden Fotos zeigen die Schweregrade der beiden wichtigsten Hautnebenwirkungen bei Patienten unter Amivantamab:

- Paronychie Grad 1: Leichte Rötung und Schwellung um den Nagel ohne offene Wunde oder Anzeichen einer Infektion.
- Paronychie Grad 2: Stärkere Rötung und Schwellung um den Nagel mit nässenden Stellen oder verkrusteten Wunden.
- Paronychie Grad 3: Auffällig sind starke Rötung, Schwellung und offene, mit Eiter gefüllte Wunden um den Nagel. Dies kann auf das Risiko einer schweren Infektion hinweisen.
- Akneiformer Ausschlag Grad 1: Leichte Hautausschläge und Rötungen.
- Akneiformer Ausschlag Grad 2: Gekennzeichnet durch stärkere Rötung und ausgeprägteren Ausschlag, was auf einen ernsten, behandlungsbedürftigen Zustand hinweist.
- Akneiformer Ausschlag Grad 3: Gezeigt werden Läsionen der Kopfhaut. Dieser schwere Zustand umfasst ausgeprägte, großflächige Hautausschläge und Hautläsionen.
Behandlung der Hautnebenwirkungen von Amivantamab
Der Umgang mit Hautnebenwirkungen unter Amivantamab konzentriert sich auf die Einstufung, Vorbeugung und Behandlung der Toxizitäten. Dabei sollte ein multidisziplinärer Ansatz verfolgt und psychologische Unterstützung als wichtiger Bestandteil berücksichtigt werden.
Zur Behandlung werden unter anderem topische Kortikosteroide, Tetracyclin-Antibiotika und hautbefeuchtende Mittel verwendet. Zur Vorbeugung von akneiformem Ausschlag und Paronychie werden außerdem vorbeugende Maßnahmen mindestens 14 Tage vor Behandlungsbeginn empfohlen.
TABELLE: Empfehlungen unter Amivantamab zum Umgang mit akneiformem Ausschlag, Paronychie und Hautrissen beziehungsweise Fissuren.
| Akneiformer Ausschlag | Paronychie | Hautrisse / Fissuren | |
| Vorbeugung | 2-mal täglich mit geeigneten topischen Mitteln (Salben) befeuchten | Prophylaktische Antibiotikabehandlung mit Tetracyclin 50 mg, 2-mal täglich | Hände und Füße 2-mal täglich mit einer Salbe befeuchten |
| Grad 1 | 2-mal täglich mit geeigneten topischen Mitteln (Salben) befeuchten | Prophylaktische Antibiotikabehandlung mit Tetracyclin 50 mg, 2-mal täglich | Hände und Füße 2-mal täglich mit einer Salbe befeuchten |
| Grad 2 | Befeuchtung in gleicher Dosierung fortsetzen | Antibiotikadosis erhöhen: Tetracyclin 100 mg, 2-mal täglich | Hochwirksame topische Kortikosteroide mit Clobetasolpropionat einmal täglich für 7 Tage |
| Grad 3 | Befeuchtung in gleicher Dosierung fortsetzen | Antibiotikabehandlung mit Tetracyclin 100 mg, 2-mal täglich | Hochwirksame topische Kortikosteroide mit Clobetasolpropionat einmal täglich für 7 Tage |
| Zusätzliche Empfehlungen | Nicht komedogenes Make-up kann zur Linderung von Hauttoxizitäten verwendet werden | Nach längerer Anwendung (>15 Tage) topische Kortikoide in abnehmender Dosierung einsetzen | Vorbeugung: Bequeme, weite Schuhe zur Vermeidung von Reibung sowie Kompressionsstrümpfe mit offener Zehenpartie |
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.