Darmkrebs bei jungen Menschen hat eine deutlich andere biologische Identität als bei älteren Patienten

In diesem Artikel
Ein alarmierendes Bild
Warum junge Menschen?
In den onkologischen Sprechstunden begegnet uns seit einigen Jahren eine beunruhigende Realität: Weltweit nimmt Darmkrebs bei Menschen unter 50 Jahren zu. Diese Patienten machen mittlerweile 10 % aller Fälle aus und erhalten die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium.
Die entscheidende Frage lautet jedoch: „Ist der Krebs eines 50-jährigen Patienten biologisch derselbe wie der eines 30-jährigen Patienten?“
Eine neue umfassende Studie, vorgestellt beim ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium 2026 (Abstract 19), beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Besonders in der auf Immuntherapie ansprechenden Untergruppe dMMR/MSI-H wurde nachgewiesen, dass Tumoren junger Patienten völlig andere genetische und molekulare Eigenschaften haben als diejenigen älterer Patienten. Dieser Beitrag erläutert ausführlich, weshalb die Behandlung junger Menschen anders geplant werden sollte.
Umfang der Untersuchung: eine große Analyse mit 3800 Patienten
Das Team um Dr. Michela Bartolini von der University of Southern California untersuchte Tumorproben von 3.846 Patienten mit dMMR/MSI-H mithilfe modernster Technik, der NGS-DNA/RNA-Sequenzierung.
- Jüngere Gruppe (früher Beginn): 496 Patienten unter 50 Jahren.
- Ältere Gruppe (später Beginn): 3.350 Patienten über 50 Jahren.
Wer ist gefährdet? Junge Menschen haben ein anderes Profil
Die Studie fand deutliche Unterschiede darin, bei wem und an welcher Stelle die Tumoren junger Patienten auftreten.
Vergleich des Profils jüngerer und älterer Patienten
Unter den jungen Patienten überwogen Männer (65 %), während die Verteilung bei älteren ausgewogener war (40 % Männer).
In der jüngeren Gruppe waren Menschen hispanischer Herkunft häufiger vertreten (13 % gegenüber 7 %), in der älteren Gruppe überwogen weiße Patienten (72 %).
Bei jüngeren Patienten saß der Tumor häufiger im linken Kolon und Rektum (27 % beziehungsweise 15 %), während bei älteren häufiger das rechte Kolon betroffen war.
Genetischer Fingerabdruck: wie zwei verschiedene Erkrankungen
Der vielleicht wichtigste Befund ist der große Unterschied im genetischen Aufbau der Tumoren. Tumoren jüngerer Menschen entstehen über völlig andere genetische Signalwege als diejenigen älterer Patienten.
Bedeutung für die Behandlung: Was verändert sich?
Wie Dr. Bartolini betont, sind die Daten bislang retrospektiv, liefern aber entscheidende Hinweise für die Therapiewahl:
- Ansprechen auf Immuntherapie: Die Tumoren jüngerer Patienten sind stärker immunogen, regen also das Immunsystem stärker an. Dies lässt vermuten, dass sie auf Immuntherapeutika wie Pembrolizumab oder Nivolumab sogar besser ansprechen könnten als die Tumoren älterer Patienten.
- Zweitlinientherapie: Was tun, wenn die Erkrankung nach Immuntherapie fortschreitet? Bei jüngeren Patienten sind die Sensitivitätswerte für zielgerichtete Medikamente wie Cetuximab höher, während bei älteren andere Signalwege wie MAPK aktiv sind. Auch der Plan B sollte sich deshalb nach dem Alter richten.
- Bartolini M, et al. Early-Onset dMMR/MSI-H CRC Exhibits Distinct Clinical and Molecular Features Compared to Late-Onset Disease. ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium. 2026; Abstract 19.
- Sinicrope FA. Increasing incidence of early-onset colorectal cancer. N Engl J Med. 2022;386(16):1547-1558.
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