Der letzte Chirurg Alexandrias: Paul von Aigina und die Macht des Feuers

In diesem Artikel
26. Tag (Geschichte des Krebses in 365 Tagen)
Die Seiten der Geschichte werden umgeblättert ... Wir schreiben das Jahr 640 n. Chr. Alexandria, die Wissenschaftshauptstadt der antiken Welt, steht kurz vor der Eroberung durch islamische Heere. Während in der Stadt Chaos herrschte, saß ein Chirurg weiter an seinem Tisch und machte sich Notizen: Paul von Aigina (625-690 n. Chr.).
Er verkörperte das Ende einer Epoche und den Beginn einer neuen: der letzte große Vertreter der griechischen Medizin und der erste große Lehrmeister der islamischen Medizin. Sein Werk Epitome Medicae (Medizinischer Abriss) sollte Chirurgen über Jahrhunderte als Standardwerk dienen und die ersten systematischen Regeln aufstellen, die der "Krebschirurgie" ihre heutige Gestalt gaben.
1. Die Anatomie der Krabbe: Das Geheimnis des Karkinos wird gelüftet
Seit Jahrhunderten bezeichneten Ärzte Krebs als "Krabbe", doch Paul erklärte am besten, weshalb. Er machte aus der Metapher mehr als einen bloßen Vergleich: eine anatomische Lehrstunde.
2. Das Dilemma des Chirurgen: Schneiden oder nicht schneiden?
Paul war ein geschickter Chirurg, zugleich aber auch ein Arzt, der "seine Grenzen kannte". Er setzte nicht bei jedem Tumor das Messer an. Das von ihm entwickelte Entscheidungsschema war ein Vorläufer der heutigen Kriterien für die "Operabilität", also die Möglichkeit einer Operation.
Hat der Tumor die Haut durchbrochen und eine offene Wunde verursacht: NICHT EINGREIFEN. Eine Operation beschleunigt den Tod.
Ist der Tumor an der Brustwand fixiert, reichen seine Wurzeln tief. KEIN RISIKO EINGEHEN.
Ist der Tumor begrenzt und beweglich und hat sich noch nicht ausgebreitet, BESTEHT EINE CHANCE. Eine Mastektomie durchführen.
3. Mit Feuer versiegeln: Die Kunst der Kauterisation
Die größte Neuerung in Pauls Chirurgie bestand darin, das Messer, den kalten Stahl, mit dem Feuer, dem heißen Eisen, zu verbinden. Damals war es nahezu unmöglich, Blutungen zu stillen. Paul löste dieses Problem mit einer radikalen Methode.
1. Hämostase (Blutstillung):
Jedes durchtrennte Gefäßende wird mit glühendem Eisen verödet und versiegelt. Das verhindert, dass der Patient durch Blutverlust einen Schock erleidet.
2. Die Wurzeln ausmerzen (Onkologische Säuberung):
Paul glaubte, dass selbst nach der Entfernung des Tumors unsichtbare "bösartige Überreste", die melancholischen Wurzeln, zurückblieben. Deshalb verödete er das gesamte Tumorbett. Dies ähnelte einer primitiven Form der modernen Strahlentherapie: Was das Messer nicht erreicht, mit Feuer reinigen.
Verwendete Quellen
- Karamanou M, et al. "Oncology in the Byzantine Era." JBUON.
- Gurunluoglu R, et al. "Paul of Aegina: Landmarks in Surgical Progress." World Journal of Surgery.
- Hajdu SI. "A Note from History: Landmarks in History of Cancer." Cancer.
- "Paul of Aegina." Wikipedia.
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Die Fackel des Wissens wird weitergereicht ...
Paul von Aigina gehört zu den wichtigsten "Vermittlern" der Medizingeschichte. Er bildete die Brücke, über die das Wissen der Bibliothek von Alexandria in das goldene Zeitalter der islamischen Welt gelangte. Seine Operationstechniken wurden später vom bedeutendsten Chirurgen der islamischen Welt, Abu'l-Qasim al-Zahrawi (Albucasis) weiterentwickelt, gelangten von dort zurück nach Europa und legten den Grundstein für die moderne Chirurgie.
Paul lehrt uns: Wissenschaft ist das gemeinsame Erbe der Menschheit und gehört keiner Nation oder Religion allein. Wenn eine Zivilisation erlischt, übernimmt eine andere die Fackel, und das Feuer geht niemals aus.