Ein neuer Bluttest erkennt Krebsvorstufen in Form von Dickdarmadenomen

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Ein neuer Bluttest zur Erkennung von kolorektalem Krebs(Dickdarmkrebs) verspricht neue Möglichkeiten der frühen Diagnose.
Für den vom Biotechnologieunternehmen Freenome entwickelten „multinomischen“ Test wurde bereits gezeigt, dass er kolorektalen Krebs im Frühstadium (Stadium I und II) mit 94% Sensitivität beziehungsweise Empfindlichkeit und 94% Spezifität erkennt.
Eine neue Studie zeigt, dass er auch Krebsvorstufen in Form fortgeschrittener kolorektaler Adenome (advanced adenomas = AA) erkennen kann.
Was ist ein kolorektales Adenom?
Kolorektale Adenome sind fortschreitende prämaligne epitheliale Läsionen, also Krebsvorstufen, die eine niedrig- oder hochgradige Dysplasie aufweisen können. Kolorektale Karzinome breiten sich über die Muscularis mucosae hinaus mindestens in die Submukosa aus und entstehen aus Adenomen mit hochgradiger Dysplasie.
Fortgeschrittene Adenome werden durch eines der folgenden Merkmale definiert:
- ≥ 1 cm,
- mehrfach (≥ 3),
- hochgradige Dysplasie oder
- eine beliebige villöse Struktur
Menschen mit fortgeschrittenen Adenomen haben gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt ein 3-5-fach erhöhtes Risiko für kolorektalen Krebs.
Früherkennung fortgeschrittener kolorektaler Adenome durch einen Bluttest
Fortgeschrittene Adenome erkennen zu können, ist außerordentlich wichtig, denn dadurch können wir sie entfernen, bevor sie bösartig werden.
Beim Gastrointestinal Cancers Symposium (GICS) 2021 wurden Daten vorgestellt, nach denen der neue Test fortgeschrittene Adenome mit 41% Sensitivität und 90% Spezifität nachweisen konnte.
Diese Empfindlichkeit des neuen Tests ist besser als oder ähnlich der derzeit verfügbaren Stuhltests (siehe 7 Alternativen zur Koloskopie für die Früherkennung von Kolon- und Rektumkrebs).
Der neue Test war bei der Erkennung fortgeschrittener Adenome nahezu doppelt so empfindlich wie der fäkale immunchemische Test (FIT) (41% gegenüber 24%). Seine Sensitivität war mit der des FIT-DNA-Tests vergleichbar (41% gegenüber 42%).
Das Besondere an dieser Technik ist die Verwendung einer multinomischen Technologie: DNA, RNA, Proteine und andere Biomarker werden gemeinsam betrachtet.
Diese Omik-Technik verwendet fortschrittliche computergestützte Biologie, die eine mehrdimensionale Sicht auf tumor- und immunbedingte Biomarker für die frühe Krebserkennung bietet, und maschinelles Lernen zur Integration von Tests auf freie DNA, Methylierung und Proteine, die im Blut zirkulieren.
Anders als andere für die Krebsfrüherkennung entwickelte Liquid-Biopsy- Tests, von denen einige behaupten, mehrere häufige Krebsarten zu erkennen, konzentriert sich Freenome ausschließlich auf kolorektalen Krebs. Auch andere Unternehmen arbeiten an der Früherkennung; manche bieten jedoch ein allgemeines Produkt zur Untersuchung auf mehrere Krebsarten an. Der neue Ansatz konzentriert sich auf eine bestimmte Krebsart und zielt auf die Früherkennung von kolorektalem Krebs, der weltweit 3. häufigsten Krebsart. Das Unternehmen erklärt, danach auf weitere Arten ausweiten zu wollen.
Bessere Empfindlichkeit bei der Früherkennung
In der auf dem Treffen vorgestellten Studie wurde der neue multiomische Bluttest auf die Erkennung fortgeschrittener Adenome geprüft.
Die Blutproben stammten von Teilnehmern der AI-EMERGE-Studie, einer prospektiv erhobenen multizentrischen Studie mit Patienten mit durchschnittlichem Risiko bei der Früherkennung in 30 Krankenhäusern in den USA und Kanada. Die Untersuchung umfasste insgesamt 542 Proben, darunter 122 histopathologisch bestätigte fortgeschrittene Adenome und 420 durch Koloskopie bestätigte negative Kontrollproben.
Die Sensitivität des neuen Tests für fortgeschrittene Adenome lag höher als die des mSEPT9-Tests, des derzeit einzigen verfügbaren Bluttests zur Früherkennung von kolorektalem Krebs. Die Empfindlichkeit war deutlich höher als beim FIT und mit der des FIT-DNA-Tests vergleichbar. Die Autoren berichteten im Abstract eine mit zunehmender Läsionsgröße steigende Sensitivität sowie gleichbleibende Ergebnisse über Lokalisation und Histologie hinweg, mit Ausnahme serratierter Läsionen.
Durch die Verbindung biologischer Signaturen beziehungsweise Marker aus Tumor- und Nichttumorquellen erkennt der multinomische Ansatz doppelt so viele fortgeschrittene Adenome wie Ansätze, die nur Methylierung oder ein einzelnes Protein betrachten. Damit wurde nun gezeigt, dass fortgeschrittene Adenome im Blut mit einer ähnlichen oder besseren Empfindlichkeit als mit den derzeit verfügbaren Stuhltests erkannt werden können. Dies ist für die wirksame Früherkennung und Prävention von kolorektalem Krebs erforderlich.
Das Unternehmen hat das rechtliche Verfahren zur FDA-Zulassung des Tests eingeleitet. Es möchte 14.000 Teilnehmer aufnehmen und prospektiv Daten erheben.
Quellen
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