Elektrokonvulsionstherapie 1938 – Elektrische Stimulation des Gehirns

Der Rechtsanwalt Curtis Hartmann schreibt über seine Erfahrungen mit elektrisch ausgelösten Hirnkrampfanfällen bei der Elektrokonvulsionstherapie (ECT) Folgendes:
„Nach etwa 20 Minuten wachte ich auf, und ein großer Teil der höllischen Depression war verschwunden. Depression ist für mich eine Krankheit, die mich buchstäblich meiner selbst beraubt: eine Krankheit, die mich dazu zwingt, mich aufzuhängen und anschließend meinen Leichnam zu betrachten. Glücklicherweise hielt ECT mein Ungeheuer fern.“
1938 begannen die italienischen Medizinforscher Ugo Cerletti und Lucio Bini über ECT-Versuche am Menschen nachzudenken, nachdem Cerletti in einem Schlachthof in Rom die „elektrische Hinrichtung“ von Schweinen beobachtet hatte. In der Anfangszeit der ECT erhielten die Patienten anders als heute weder eine Narkose noch Muskelrelaxanzien. Deshalb waren die Krampfanfälle manchmal so stark, dass sie sich dabei die eigenen Knochen brachen.
Heute wird ECT zur schmerzfreien Behandlung schwerer Depressionen und anderer Erkrankungen eingesetzt, die nicht auf Medikamente ansprechen. Die Behandlung wird meist mehrfach angewendet. ECT gilt im Allgemeinen als eine vorübergehende „Heilung“. Häufig folgen regelmäßige ECT-Anwendungen in Kombination mit Medikamenten. Eine häufige Nebenwirkung sind Erinnerungslücken für Ereignisse unmittelbar vor oder nach der ECT. Diese Auswirkungen werden durch die heute verwendeten kurzen Stromimpulse anstelle der früheren sinusförmigen Ströme vermindert.
Bei Mäusen wurde beobachtet, dass ECT den Spiegel von Wachstumsfaktoren erhöht, die die Bildung neuer Synapsen fördern.
Obwohl ECT Leben gerettet hat, wurden bei Anwendungen durch unerfahrenes Personal erhebliche Nebenwirkungen berichtet. Die Krankenschwester Barbara Cody schreibt über ihre ECT-Behandlungen in den 1980er-Jahren:
„15-20 Jahre meines Lebens wurden ausgelöscht; nur kleine Bruchstücke kehrten zurück. Außerdem versuche ich, mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen zu leben, die als Nebenwirkung entstanden sind. Die Elektroschock-‚Therapie‘ nahm mir meine Vergangenheit, meine Hochschulbildung, meine musikalischen Fähigkeiten und sogar das Bewusstsein, dass meine Kinder tatsächlich meine Kinder sind. ECT ist eine Vergewaltigung der Seele.“
Beschreibung der Artikelabbildung: Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway auf einer Safari in Afrika im Jahr 1953. Nach Angaben seines Biografen Jeffrey Meyers erhielt Hemingway im Dezember 1960 mindestens 15 Behandlungen mit Elektrokonvulsionstherapie (ECT) und wurde „am Boden zerstört“ entlassen. 1961 nahm sich Hemingway mit einem Jagdgewehr das Leben.
Historische Persönlichkeiten im Artikel: Ugo Cerletti (1877–1963), Lucio Bini (1908–1964)
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Quellen
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