Huangdi Neijing 300 v. Chr. – Von übernatürlichen Kräften zu natürlichen Ursachen

Das Huangdi Neijing (Innerer Kanon des Gelben Kaisers) ist Chinas ältester und berühmtester medizinischer Klassiker und wurde etwa 300 v. Chr. – 200 v. Chr. von verschiedenen unbekannten Autoren zusammengestellt. Das Werk besteht aus zwei Haupttexten, Su Wen (Grundlegende Fragen) und Ling Shu (Spiritueller Drehpunkt), die jeweils 81 Kapitel umfassen.
Nach dem Wissenschaftler Paul Unschuld spielt das Huangdi Neijing „in der chinesischen Medizingeschichte eine Rolle, die mit den hippokratischen Schriften im alten Europa vergleichbar ist. Fortschritte und bedeutende Paradigmenwechsel reduzierten Hippokrates auf den ehrenvollen Begründer einer überholten Tradition. Dagegen betrachten viele Praktizierende der chinesischen Medizin das Su Wen noch immer als wertvolle Quelle theoretischer Anregung und praktischen Wissens im modernen klinischen Umfeld.“
Der Text enthält Fragen, die der sagenhafte Gelbe Kaiser stellt und die anschließend beantwortet werden. Der erste Text, Su Wen, erörtert medizinische Theorien und Diagnosemethoden. Der zweite Text, Ling Shu, behandelt die Akupunkturtherapie.
Anders als ältere Werke, die dämonische Einflüsse auf die Gesundheit betonen, behandelt das Neijing natürlichere Ursachen wie Ernährung, Alter, Lebensstil und Gefühle. Neben anderen Kräften und Begriffen wie Yin und Yang sowie Qi/Ki (einem Lebensprozess oder „Energiefluss“) behandelt das Neijing auch viele Aspekte der normalen und abnormen Funktionsweise des menschlichen Körpers zusammen mit Diagnosen und Behandlungen.
Nach dem Neijing besitzen Menschen fünf „innere Organe“ (Herz, Milz, Lunge, Leber und Nieren) und sechs „innere Bereiche“ (Gallenblase, Magen, Dünndarm, Dickdarm, Harnblase und den Dreifachen Erwärmer, der Wärme, Feuchtigkeit und Temperatur des Körpers reguliert). Obwohl der Dreifache Erwärmer offenbar keine feste anatomische Form hat, glauben manche Akupunkturfachleute, dass er an der Zirkulation verschiedener Flüssigkeiten beteiligt ist. Manche Organe sind funktionelle Verbindungen ohne sichtbare Kanäle, in die jedoch bei der Akupunktur Nadeln eingeführt werden können.
In manchen Abschnitten des Neijing dient eine bürokratische Arbeitsteilung als Vergleich, bei der Körperteilen bestimmte Aufgaben zugeteilt werden. Bisweilen treten die Organe als Rivalen um die Vorherrschaft auf. Wenn die Organe über den Geist siegen, kann dies die Gesundheit beeinträchtigen und sogar zum Tod führen.
Beschreibung der Artikelabbildung: Akupunktur (das Einführen und Ausrichten von Nadeln an verschiedenen Punkten des Körpers) wird im Huangdi Neijing besprochen. Hier ist eine Akupunkturtafel aus dem Shi si jing fa hui (Darlegung der Vierzehn Meridiane) des chinesischen Arztes Hua Shou (1304–1386) zu sehen.
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