Kann Immuntherapie bei Magenkrebs die Operation ersetzen?

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Eine neue Untersuchung aus Frankreich zeigt, dass Immuntherapie einigen Patienten mit Magenkrebs helfen könnte, eine Operation zu vermeiden.
Die klinische Phase-II-Studie GERCOR NEONIPIGA hatte keine Vergleichsgruppe und umfasste nur 32 Patienten. Dennoch zeigten nach 6 Zyklen kombinierter Immuntherapie mit Nivolumab (Opdivo) und Ipilimumab (Yervoy) 17 der 29 operierten Patienten (59%) keine Anzeichen eines Tumors, also eine Rate vollständigen pathologischen Ansprechens von bis zu sechzig Prozent!
Tatsächlich lehnten zwei Patienten eine Operation ab, nachdem präoperative endoskopische Magenbiopsien keine Tumorzellen gezeigt hatten. Bei einem dritten Patienten mit zuvor aufgetretener Metastasierung wurde die Operation abgesagt.
Nach einer medianen Nachbeobachtung von 12 Monaten hatten 30 Patienten (94%) weder ein Rezidiv (Wiederauftreten) noch eine Progression (Fortschreiten des Krebses). Bei den übrigen zwei Patienten waren vor der Operation Metastasen aufgetreten, und ein Patient starb 3 Tage nach der Operation an einer Herz-Kreislauf-Komplikation.
Sollten sich diese Befunde durch weitere Untersuchungen bestätigen, könnte dies eine große Chance für Magenkrebspatienten darstellen, die auf eine kombinierte Immuntherapie ansprechen. Der leitende Forscher und Professor für medizinische Onkologie an der Sorbonne Université in Paris, Dr. Thierry Adnre, präsentierte seine Ergebnisse auf dem Symposium für gastrointestinale Krebserkrankungen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2022. Dabei sagte er: "Eine Operation zu vermeiden, ist für diese Patienten ein Traum".
Diese klinische Studie wirft die Frage auf: "Kann bei einigen Patienten mit lokalisiertem Magenkrebs im Frühstadium die Operation aufgeschoben oder vermieden werden?" Angesichts der Ergebnisse "erscheint eine Behandlung ohne Operation nicht für alle Patienten mit Magenkrebs im Frühstadium, aber wahrscheinlich für die Hälfte, vielleicht sogar für mehr möglich." Wie bei den beiden Teilnehmern, die auf eine Operation verzichteten, könnten präoperative endoskopische Biopsien verwendet werden, um Patienten mit vollständigem Ansprechen zu erkennen und sie anschließend aktiv zu überwachen, erklärte er.
Die Studie umfasste 16 Patienten mit Magenkrebs und 16 mit einem ösophagogastralen Adenokarzinom (am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen). Alle ihre Tumoren wiesen Probleme des DNA-Reparaturmechanismus namens MSI-H oder dMMR auf. Dies ist ein biologischer Marker, den wir zur Vorhersage des Ansprechens auf Immuntherapie nutzen (bei etwa 20% der Magenkrebserkrankungen liegt dieser genetische Zustand vor).
Zu Beginn hatten die Patienten:
- 22 Fälle von Magenkrebs im Stadium T3 (der Tumor erreicht die den Magen umgebende Serosa, nicht jedoch das als Peritoneum bezeichnete Bauchfell),
- 4 Fälle im Stadium T2 (der Tumor erreicht die Muskelschicht des Magens), und
- Bei 6 Patienten ließ sich das Stadium endoskopisch nicht beurteilen.
Ob Krebs in die Lymphknoten um den Magen gestreut hatte, war unbekannt; zu Beginn hatten die Patienten jedoch keine Metastasen.
Die Patienten erhielten über 12 Wochen 6 Zyklen mit 240 mg Nivolumab und 2 Zyklen Ipilimumab mit einer Dosis von 1 mg/kg. Im Median 5 Wochen nach der letzten Nivolumab-Injektion erfolgte eine R0-Resektion (umfangreiche Magenkrebsoperation).
Ergebnisse
- Die Operationsproben von 17 Patienten (entsprechend 59% aller Patienten) zeigten ein vollständiges pathologisches Ansprechen auf die neoadjuvante (präoperative, tumorverkleinernde) Immuntherapie [Becker-Tumorregressionsgrad (TRD) 1a= ypT0N0]
- Bei 4 Patienten verblieben weniger als 10% Tumorzellen im Tumorbett (TRD 1b)
Auf Grundlage des Tumoransprechens erhielten 25 Patienten nach der Operation 9 zusätzliche Nivolumab-Gaben in monatlichen Dosen von 480 mg.
Dr. Andre erklärte, dass die Patienten wegen der Belastung und Nebenwirkungen eine Operation vermeiden möchten. Außerdem traten bei 54% der Patienten verschiedene Komplikationen auf, darunter Anastomosenleckagen, Pankreatitis, Lungenentzündung und andere Probleme.
Diese duale Immuntherapie führte zu ähnlichen Nebenwirkungen wie zuvor berichtet; bei 25% der Patienten traten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 auf.
Die Studie wurde an 10 Zentren in Frankreich durchgeführt. Etwa drei Viertel der Patienten waren Männer, das mediane Alter betrug 65 Jahre.
Quellen
2. Can Immunotherapy Replace Surgery for Stomach Cancer? - Medscape - 27. Januar 2022.
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