Lynch-Syndrom: kurze Geschichte des Vaters der Krebsgenetik

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Das Lynch-Syndrom ist ein verschiedene Krebsarten auslösendes erbliches Syndrom.
Am häufigsten ist es mit kolorektalem Krebs, also Dickdarmkrebs in Kolon und Rektum, verbunden. Es prädisponiert aber auch für Dünndarm-, Magen-, Gallenwegs-, Gebärmutter-, Eierstock-, Harnleiter- und Nierenbeckenkrebs.
Ursache ist in 1 der 4 für DNA-Fehlpaarungsreparatur (MMR) verantwortlichen Gene MLH1, MSH2, MSH6 oder PMS2 eine Keimbahnmutation (erbliche Mutation).
Das Lynch-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt. Anders ausgedrückt entsteht es durch Schäden an anderen als den geschlechtsbestimmenden Chromosomen. Menschen mit dem geschädigten Gen haben ein hohes Krebsrisiko. Nicht alle Träger der Lynch-assoziierten geschädigten Gene entwickeln jedoch Krebs.

Die Abbildung oben zeigt einen beispielhaften Stammbaum einer betroffenen Person. Kinder eines Elternteils mit Lynch-Syndrom haben ein Risiko von 50%, das Syndrom ebenfalls zu besitzen.
Die Leitlinien des US-amerikanischen National Comprehensive Cancer Network (US-NCCN) empfehlen unabhängig vom Diagnosealter bei allen kolorektalen und Endometriumkrebspatienten genetisches Screening auf Lynch-Syndrom. Auch bei Talgdrüsenneoplasien sowie Dünndarm-, Magen-, Pankreas-, Gallenwegs-, Hirn-, Blasen-, urothelialem und adrenokortikalem Krebs soll ein Tumorscreening auf MMR-Mangel erwogen werden.
Die Geschichte des Namens Lynch-Syndrom
Der Name geht auf Dr Henry T. Lynch zurück, der 1928 in Lawrence, Massachusetts, USA, geboren wurde.
Im Zweiten Weltkrieg diente Dr Lynch als Artillerist der US Navy im Südpazifik. Danach schloss er die Highschool ab und boxte professionell unter dem Namen „Hammerin' Hank“.
Er gab das Boxen schließlich für seine Ausbildung auf. Er erwarb einen Bachelor an der University of Oklahoma, einen Master in klinischer Psychologie an der University of Denver und seinen medizinischen Abschluss an der University of Texas in Galveston.
1962 begegnete Dr Lynch während seiner internistischen Facharztausbildung an der Creighton University in Omaha, Nebraska, dem später nach ihm benannten Zustand.
Ein wegen Alkoholentzugs aufgenommener Patient hatte eine familiäre Vorgeschichte von Darm- und Endometriumkrebs. Dr Lynch identifizierte in dieser Familie mindestens 21 Angehörige mit Krebsdiagnose.
Er nannte sie nach Nebraska „Familie N“. Gleichzeitig fand Dr Margery Shaw in Michigan eine ähnliche „Familie M“. 1966 veröffentlichten Dr Lynch und Dr Shaw einen wissenschaftlichen Artikel über beide Familien.
Weitere detaillierte Familienbefunde veröffentlichte Dr Lynch 1967 und 1971. Seine Arbeit baute auf Dr Aldred Scott Warthin auf, der Ende der 1800er- und Anfang der 1900er-Jahre eine Familie mit Krebsvorgeschichte als „Familie G“ beschrieben hatte.
Dr Lynch bezeichnete diese krebsanfällige Familie zunächst als „Krebsfamiliensyndrom“. Später prägte er die bis heute anerkannte Bezeichnung „hereditärer nichtpolypöser kolorektaler Krebs“.
Später wurde die genetische Grundlage geklärt, und Dr C. Richard Boland verwendete den Begriff „Lynch-Syndrom“. Er bezeichnete Familien mit Keimbahnmutationen (erblichen Mutationen) in MMR-Genen.
Dr Lynch verbrachte seine Laufbahn an der Creighton University. Bekannt war er jedoch auch dafür, viel Zeit mit Patienten und Familien zu Hause und bei Informationsveranstaltungen in der Gemeinschaft zu verbringen. Dies brachte ihm die Bezeichnung „Vater der Krebsgenetik“ ein. Dr Lynch starb 2019 im Alter von 91 Jahren.
Quellen
2. Kumar P, Brazel D, Benjamin DJ, Brem E. Eponyms in medical oncology. Cancer Treat Res Commun. 2022
3. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology. Genetic/familial high-risk assessment: Colorectal. Version 1.2021. Veröffentlicht am 11. Mai 2021. Abgerufen am 22. April 2022
4. Marcus A. Obituary: Henry T. Lynch. Lancet. 2019
5. Boland CR, Lynch HT. The history of Lynch syndrome. Fam Cancer. 2013
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