Moderne Hebammenkunde 1925 – Fachleute für die Betreuung von Mutter und Kind

Die Hebamme Nancy Sullivan sagt:
„In früheren Zeiten und in ursprünglichen Gesellschaften hatte die Hebammenkunde sowohl eine technische oder manuelle als auch eine magische oder mystische Seite. Deshalb waren Hebammen Menschen, die manchmal geachtet, manchmal gefürchtet, manchmal als Führungspersonen der Gemeinschaft anerkannt und manchmal zu Tode gefoltert wurden.“
Die Krankenhausseelsorgerin Karen Hanson sagt außerdem:
„Hebammen (die große Mehrheit von ihnen Frauen) gehörten zu den Menschen, die als Hexen verurteilt und mit Misstrauen betrachtet wurden, weil sie Geburt, Krankheit und Tod begleiteten.“
Im späten Mittelalter und während der europäischen Renaissance ging die Inanspruchnahme von Hebammen aufgrund der Angst vor Hexerei und der wachsenden Zahl von Chirurgen drastisch zurück.
Heute ist die Hebammenkunde ein Beruf, in dem Frauen während der Schwangerschaft und Geburt in Einrichtungen des Gesundheitswesens betreut und im Stillen sowie in der Säuglingspflege unterwiesen werden. In den Vereinigten Staaten haben zertifizierte Pflegefachkräfte mit Hebammenausbildung (CNMs) eine besondere Ausbildung sowohl in der Krankenpflege als auch in der Hebammenkunde. Hebammen arbeiten in Krankenhäusern und zu Hause und überweisen Schwangere an Geburtshelfer, wenn zusätzliche Betreuung erforderlich ist.
1925 führte die amerikanische Pflegefachkraft und Hebamme Mary Breckinridge nach ihrer Ausbildung in England die Hebammenkunde in den Vereinigten Staaten ein und gründete das Kentucky-Komitee für Mütter und Babys, das sich kurz darauf rasch zum Frontier Nursing Service entwickelte. In den ersten Jahren der Einrichtung lagen die Sterberaten von Müttern und Babys im Osten Kentuckys deutlich unter denen im übrigen Amerika. 1939 war Breckinridge dann maßgeblich an der Eröffnung der ersten Schule für Pflegefachkräfte mit Hebammenausbildung in den Vereinigten Staaten beteiligt.
Die Seelsorgerin Hanson erläutert dies so: „Der Niedergang der Hebammen und anderer Fachleute des öffentlichen Gesundheitswesens in Amerika war ein Nebenprodukt des Aufstiegs der Medizin und des Aufstiegs der Ärzte zu den offiziell anerkannten Gesundheitsexperten der Gesellschaft. Im 19. Jahrhundert leisteten Hebammen nachbarschaftliche Hilfe, während Ärzte das ‚Heilen‘ zu einer eigenen Einkommensquelle machten.“
1900 kam die Hälfte der in den USA geborenen Babys mithilfe von Hebammen zur Welt, während 1939 nur noch 15% der Geburten von Hebammen betreut wurden.
Beschreibung des Artikelbildes: Die Geburt Esaus und Jakobs aus La cite de Dieu von St Agustin, illustriert von Francois Maitre (1475)
Im Artikel genannte historische Personen: Mary Breckinridge (1881–1965)
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Quellen
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