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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Reicht eine einzige HPV-Impfdosis? Was die im NEJM veröffentlichte ESCUDDO-Studie zeigt

Reicht eine einzige HPV-Impfdosis? Was die im NEJM veröffentlichte ESCUDDO-Studie zeigt
In diesem Artikel

Die wichtigste Ursache für Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit dem humanen Papillomvirus (HPV). HPV-Impfstoffe gehören zu den wirksamsten Mitteln, um diesen Krebs und damit verbundene Läsionen zu verhindern. Ein großes praktisches Problem bleibt jedoch: Mehrfachimpfungen lassen sich besonders in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen schwer umsetzen.

Eine am 3. Dezember 2025 in NEJMveröffentlichte große klinische Untersuchung, dieESCUDDO -Phase-3-Studie,liefert dazu eine entscheidende Antwort: Eine HPV-Impfdosis ist zwei Dosen nicht unterlegen und schützt über den Beobachtungszeitraum ebenso wirksam. Dieses Ergebnis könnte die weltweite Verringerung HPV-bedingter Krebserkrankungen grundlegend voranbringen.

Worum geht es in diesem Beitrag?
Wir erläutern, wie eine einzelne HPV-Impfdosis gegenüber zwei Dosen beim Schutz nicht zurückbleibt, und erklären die entsprechenden Ergebnisse der ESCUDDO-Studie anhand konkreter Zahlen sowie ihrer Bedeutung für die praktische Anwendung.

Warum ist das wichtig?
Weil eine Verringerung der DosiszahlMillionen Mädchen und Jugendlichen den Impfzugang erleichtern kann. Niedrigere Kosten und geringere logistische Hürden könnten in der Prävention HPV-bedingter Krebsarten ein neues Kapitel aufschlagen.

Infografik zur einmaligen HPV-Impfung: Reicht eine Dosis? Ergebnisse der im NEJM veröffentlichten ESCUDDO-Studie, NEJM

Warum wird bei der HPV-Impfung über weniger Dosen diskutiert?

HPV-Impfstoffe werden seit vielen Jahren nach Schemata mit 2 oder 3 Dosen verabreicht und bieten sehr starken Schutz. Besonders in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen führen jedoch:

  • Ausbleibende Folgetermine,
  • Transport- und Organisationsprobleme,
  • Kosten der Impfprogramme

dazu, dass die Mehrfachimpfung seltener als gewünscht abgeschlossen wird. Beobachtungsstudien und kleinere Studien der letzten Jahre deuteten darauf hin, dass auch eine einzelne Dosis stark schützen könnte. Die Weltgesundheitsorganisation begann deshalb 2022, für bestimmte Altersgruppen Schemata mit 1 oder 2 Dosen zu akzeptieren. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Als Goldstandard fehlte jedoch die klare Antwort einer großen randomisierten klinischen Studie. ESCUDDO prüft genau diese Frage: Ist eine Dosis zwei Dosen unterlegen oder nicht? Das wird unmittelbar untersucht.

ESCUDDO: Wer erhielt welchen Impfstoff in wie vielen Dosen?

Diese sehr große randomisierte klinische Studie umfasste 20.330 Mädchen im Alter von 12–16 Jahren als Teilnehmerinnen.

  • Sie wurden im Verhältnis 1:1:1:1 auf vier Arme verteilt:
    • Bivalenter HPV-Impfstoff – eine Dosis
    • Bivalenter HPV-Impfstoff – zwei Dosen
    • Nonavalenter HPV-Impfstoff – eine Dosis
    • Nonavalenter HPV-Impfstoff – zwei Dosen
  • Zum Vergleich wurden außerdem 3005 ungeimpfte junge Frauen in eine gesonderte Beobachtungsgruppe aufgenommen.

Im Mittelpunkt standen Infektionen mit den beiden wichtigsten Gebärmutterhalskrebs verursachenden Typen HPV16 und HPV18 als untersuchte Infektionen:

Primärer Endpunkt:
Zwischen Monat 12 und Monat 60 auftretende, mindestens 6 Monate anhaltende Infektion mit HPV16 oder HPV18.

Um zu prüfen, ob eine Dosis gegenüber zwei Dosen nicht unterlegen (noninferior) ist, legten die Forschenden eine Grenze für den Unterschied der Infektionsraten fest: Der Unterschied durfte nicht ungünstiger als 1.25 Infektionen pro 100 Personen sein.

Ist eine Dosis schlechter als zwei? Nein.

Die Nichtunterlegenheitsanalyse zeigt eindeutig, dass eine Dosis gegenüber zwei Dosen nicht unterlegen ist, wie die folgenden Daten verdeutlichen:

  • Bivalenter Impfstoff: Unterschied zwischen einer und zwei Dosen −0.13 Infektionen / 100 Personen (im Einzeldosisarm gab es also sogar etwas weniger Infektionen)
    95 % KI: −0.45 bis 0.15. Das gesamte Intervall liegt weit unter der Grenze von 1.25.
  • Nonavalenter Impfstoff: Unterschied zwischen einer und zwei Dosen +0.21 Infektionen / 100 Personen
    95 % KI: −0.09 bis 0.51, ebenfalls deutlich günstiger als die Grenze von 1.25. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Statistisch können die Forschenden damit festhalten: Bei beiden Impfstoffen ist eine Dosis gegenüber zwei Dosen mit P < 0.001 nicht unterlegen. Es gibt also keine Daten dafür, dass eine Dosis deutlich schlechter schützt. Die Schutzwirkung ist praktisch gleich.

Impfwirksamkeit: mindestens 97 %

Die geimpften Gruppen wurden auch mit gleichzeitigen ungeimpften Teilnehmerinnen verglichen. Das Ergebnis:

  • In jedem der vier Impfarme betrug die Impfwirksamkeit mindestens 97 %.
  • Gegenüber der ungeimpften Gruppe besteht bei HPV16/18-Infektionen damit eine Risikoreduktion von mehr als 97 % als Schutzwirkung.

Das zeigt über die Ähnlichkeit beider Dosisschemata hinaus klar, dass eine Einzeldosis bereits für sich sehr stark schützt, wie die Ergebnisse belegen.

Sicherheit: weniger Dosen ohne zusätzliche Nebenwirkungen

Während der Studie wurden keine schwerwiegenden Sicherheitsprobleme gemeldet. Besonders hinsichtlich schwerer Nebenwirkungen ab Grad ≥3 ergab sich:

  • Die Raten schwerer Nebenwirkungen waren in den Ein- und Zweidosisarmen vergleichbar.
  • Auch zwischen bivalentem und nonavalentem Impfstoff bestand kein wesentlicher Sicherheitsunterschied.

Somit erfordert die Einzeldosisstrategie keine zusätzlichen Sicherheitsabstriche. Das ist für öffentliche Impfprogramme ein großer Vorteil: weniger Dosen + vergleichbarer Schutz + vergleichbares Nebenwirkungsprofil.

Eine HPV-Impfdosis: Was verändert sich im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs?

HPV-Impfungen schützen einzelne Menschen und können bei breiter Anwendung durch Gemeinschaftsschutz die Gebärmutterhalskrebshäufigkeit erheblich senken. Eine gleichwertige Wirkung einer einzelnen gegenüber zwei Dosen könnte besonders folgende Bereiche verändern:

  • Impfzugang: Einzeldosisschemata machen Impfprogramme selbst in schwer erreichbaren Gebieten leichter umsetzbar in der Praxis.
  • Kosten: Weniger Dosen können Impfkosten und logistischen Aufwand der Länder deutlich verringern.
  • Teilnahme: Der Druck, für eine zweite Dosis zurückzukommen, entfällt. Schon ein einziger Termin kann hohen Schutz ermöglichen.

Die Weltgesundheitsorganisation verfolgt das Ziel, HPV-bedingten Gebärmutterhalskrebs weltweit zu eliminieren. Die starke Wirkung einer Einzeldosis gilt als Entwicklung, die den Weg zu diesem Ziel um Jahre verkürzen könnte, so die Einordnung. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Ausblick für die Türkei und ihre Nachbarländer

In der Türkei und den umliegenden Ländern geht es bei HPV-Impfungen häufig um Kosten und Umsetzbarkeit von Programmen. Die ESCUDDO-Studie zeigt:

  • Bereits ein Einzeldosisprogramm kann gegen HPV16/18, die Hauptverursacher von Gebärmutterhalskrebs, außerordentlich hohen Schutz bieten.
  • Für Länder, die aus finanziellen und logistischen Gründen Schwierigkeiten mit Impfprogrammen haben, entsteht damit eine einfachere, wirksame Option für die Umsetzung.
  • Solche hochwertigen Belege schaffen eine wichtige wissenschaftliche Grundlage, um nationale Impfprogramme in den kommenden Jahren zu aktualisieren und zu stärken im Sinne der Prävention.

Natürlich richtet sich das Impfschema jedes Landes nach lokaler Epidemiologie, Ressourcen, vorhandenen Programmen und der Bewertung der Gesundheitsbehörden . Aus klinischer Sicht ist die Botschaft jedoch klar: Eine einzelne HPV-Impfdosis ist insbesondere gegen HPV16 und 18 als wirksame und sichere Strategie in Betracht zu ziehen.

Fazit: weniger Dosen, mehr Schutz?

ESCUDDO vermittelt eine klare und überzeugende Botschaft: Eine HPV-Impfdosis ist zwei Dosen hinsichtlich des Schutzes nicht unterlegen. Dies beruht auf hochwertigen klinischen Daten von Zehntausenden Jugendlichen.

In den kommenden Jahren dürften HPV-Impfschemata neu gestaltet werden und mehr Länder Einzeldosisstrategien prüfen. Dieser Wandel könnte auf dem Weg dahin, dass Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-bedingte Krebsarten der Vergangenheit angehören, ein wichtiger Meilenstein sein.

Quelle

Kreimer AR, Porras C, Liu D, et al. Noninferiority of One HPV Vaccine Dose to Two Doses. New England Journal of Medicine. Veröffentlicht am 3. Dezember 2025. DOI: 10.1056/NEJMoa2506765.

DROZDOGAN KI

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