Roms Skalpell und die Macht der Worte: Die Revolution des Celsus

In diesem Artikel
20. Tag (Geschichte des Krebses in 365 Tagen)
Er war kein Arzt, sondern ein römischer Aristokrat und Enzyklopädist. Doch sein Werk De Medicina (Über die Medizin) wurde zum umfassendsten Leitfaden für Chirurgie und Pathologie der antiken Welt. Er sammelte die verstreuten Beobachtungen der griechischen Medizin, verband sie mit römischer Disziplin und veränderte die Sprache der Onkologie für immer.
Vor Celsus waren Ärzte gegenüber Krebs entweder völlig hilflos oder griffen wahllos ein. Celsus beendete dieses Chaos und stellte die entscheidende Frage, die bis heute gilt: "Welchen Krebs sollen wir anfassen, welchen müssen wir meiden?"
1. Von "Karkinos" zu "Cancer": Wie änderte sich der Name?
Die Griechen nannten die Krankheit Karkinos (Krabbe). Celsus übersetzte diesen Begriff ins Lateinische als Cancer (Krabbe) und etablierte damit den Begriff, den wir bis heute in der medizinischen Fachsprache verwenden. Für Celsus war dies jedoch mehr als eine Übersetzung: eine Metapher, die das Wesen der Krankheit beschrieb.
Das harte Zentrum des Tumors wurde mit dem Körper einer Krabbe verglichen, die ringsum verlaufenden geschwollenen Gefäße mit ihren Beinen.
Eine Krabbe ist hartnäckig und lässt nicht los, was sie gepackt hat. Auch Krebs haftet so fest am Gewebe, die sogenannte Invasion, dass er sich nur schwer entfernen lässt.
2. Das erste System zur Stadieneinteilung von Krebs
Celsus' größter Beitrag zur Onkologie bestand darin, Krebs als fortschreitenden Prozess einzuteilen, statt ihn als einheitliches "Todesurteil" zu betrachten. Diese Einteilung war ein Algorithmus, der festlegte, wann der Chirurg zum Messer greifen und wann er sich zurückziehen sollte.
1. Cacoethes
Das früheste Stadium der Erkrankung. Der Tumor ist noch klein, nicht ulzeriert und relativ klar begrenzt.
"Nur in diesem Stadium kann er mit dem Skalpell vollständig entfernt werden. Es ist das einzige Stadium mit einer Heilungschance."
2. Carcinoma
Der Tumor ist gewachsen und in das Gewebe eingedrungen, doch die Haut ist noch intakt, eine offene Wunde hat sich noch nicht gebildet.
"Ein chirurgischer Eingriff macht den Tumor 'zornig' und führt zu einer schnelleren Ausbreitung."
3. Fungus / Thymium
Das letzte Stadium. Der Tumor hat die Haut durchbrochen, wuchert nach außen und bildet eine blumenkohlartige, blutende und übel riechende Struktur.
"Eine Operation ist tödlich. Verwende nur Salben wie Feigenbrei und Rosenöl, um die Schmerzen zu lindern."
3. Roms praktische Lösungen: Der Begriff des Resektionsrandes
Celsus stellte nicht nur Diagnosen, sondern beschrieb auch die Behandlungstechniken ausführlich. Sein Operationsverfahren für Tumoren im Stadium Cacoethes (Frühstadium) enthält das Grundprinzip der modernen onkologischen Chirurgie:
"Du musst nicht nur den erkrankten Bereich, sondern auch etwas gesundes Gewebe darum herum herausschneiden, damit keine Wurzeln zurückbleiben."
Dies ist die erste bekannte Beschreibung des medizinischen Begriffs "Negativer Resektionsrand". Außerdem beschrieb er das Abbinden von Gefäßen, die Ligatur, zur Blutstillung. Dadurch wurden damals theoretisch größere Operationen möglich.
Verwendete Quellen
- Celsus. De Medicina, Volume III. Loeb Classical Library.
- Hajdu SI. "A Note from History: Landmarks in History of Cancer, Part 1." Cancer.
- Karamanou M, et al. "Ancient Greek and Greco–Roman Methods in Modern Surgical Treatment of Cancer." JBUON.
- Papavmidis N, et al. "The Surgery of Celsus' De Medicina." PMC - NIH.
- Marmelzat WL. "Celsus on Cancer." Archives of Dermatology.
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Eine 2000 Jahre alte Lehre: Früherkennung
Die Grundlagen der modernsten TNM-Systeme zur Stadieneinteilung und der Behandlungsprotokolle, die wir heute gegen Krebs einsetzen, liegen in den verstaubten Pergamenten des Celsus.
Celsus lehrte uns: Bei Krebs läuft ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein Tumor, der in dem von ihm als "Cacoethes" bezeichneten Frühstadium entdeckt wird, gehört auch heute zur Gruppe mit den höchsten Heilungschancen. Im Stadium "Fungus", dem fortgeschrittenen Stadium, wird unsere Aufgabe dagegen heute wie in der Antike schwieriger.
Die Technik hat sich verändert, Roboter sind hinzugekommen, zielgerichtete Medikamente wurden entdeckt ... Doch die Regel, die Celsus vor 2000 Jahren in Rom aufstellte, gilt weiterhin: Im Frühstadium retten das Skalpell oder moderne Behandlungen Leben; eine Verzögerung erhöht den Preis.