Röntgenstrahlen 1895 – Über den menschlichen Körper hinausblicken

Wihelm Röntgen legte zum Erproben der Röntgenstrahlen die Hand seiner Frau Anna Bertha zwischen radioaktives Material und eine fluoreszierende Platte. Als Anna die von ihrem Mann aufgenommene Röntgenaufnahme ihrer Hand sah, schrie sie entsetzt auf und hielt die Strahlen für einen unheilvollen Vorboten des Todes. Doch innerhalb eines Monats waren Wilhelm Röntgens Strahlen weltweit ein Gesprächsthema.
Skeptiker bezeichneten sie als Todesstrahlen, die die Menschheit vernichten würden. Begeisterte Visionäre sahen dagegen Wunderstrahlen, die Blinden das Sehen ermöglichen könnten. Für Ärzte erwiesen sich die Röntgenstrahlen schließlich als Wendepunkt in der Patientenbehandlung.
Am 8. November 1895 bemerkte der deutsche Physiker Röntgen bei Experimenten mit einer Kathodenstrahlröhre ein Leuchten auf einer Platte, unabhängig davon, ob die Röhre mit dickem Karton abgedeckt war. Er erkannte, dass die Röhre unsichtbare Strahlen aussandte, und erprobte rasch verschiedene Materialien wie Holz, Glas und Gummi. Dabei sah er ein schattenartiges Bild seiner Knochen, als er die Hand in den Weg der unsichtbaren Strahlen hielt. Später zeigte sich, dass Röntgenstrahlen wie Licht elektromagnetische Wellen sind, jedoch mit höherer Energie und kürzerer Wellenlänge.
1914 wurden im Ersten Weltkrieg Röntgenstationen auf den Schlachtfeldern eingesetzt, um die Diagnose bei verwundeten Soldaten zu unterstützen.
Heute dienen Röntgenstrahlen nicht nur zur Darstellung des Skeletts, sondern auch weiteren Zwecken:
- Zur Darstellung von Arterien und Venen durch Angiografie, bei der Kontrastmittel in die Blutgefäße gespritzt wird
- Zur Bekämpfung bestimmter Krebsarten durch Strahlentherapie
- Zur Erkennung von Lungen- und Brusterkrankungen
- Zum Nachweis von Darmverschlüssen
Bei der Computertomografie (CT) kombiniert ein Computer zahlreiche Röntgenbilder zu Schnittbildern und dreidimensionalen Darstellungen.
1926 wies der amerikanische Biologe Hermann Muller eindeutig und quantitativ nach, dass Röntgenstrahlen Mutationen in Zellen auslösen können. Damit machte er auf die möglichen Gefahren übermäßiger Strahlenexposition aufmerksam.
Erläuterung des Artikelbildes: Wilhelm Conrad Röntgen, seine Frau Anna Bertha Röntgen und die erste Röntgenaufnahme der Geschichte: Anna Berthas Hand mit ihrem Ring.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923), Hermann Joseph Muller (1890–1967)
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