Sexualität nach Brustkrebs: Herausforderungen, Umgang und Unterstützung

In diesem Artikel
Brustkrebs und seine Behandlung schließen Sexualität nicht vollständig aus. Langsames Vorgehen, das Erkunden von Alternativen und offene Kommunikation können helfen, sich wohler zu fühlen.
Die Diagnose und Behandlung von Brustkrebs können die körperliche und psychische Gesundheit beeinflussen. Dies verhindert Geschlechtsverkehr zwar nicht unmittelbar, kann jedoch die persönliche Einstellung zu Sexualität und Intimität verändern. Mögliche Schwierigkeiten zu verstehen und den eigenen Zugang zur Sexualität neu zu gestalten, kann deshalb mehr Sicherheit im Sexualleben vermitteln.
Häufige Herausforderungen für die Sexualität nach Brustkrebs
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 zeigte, dass sexuelle Schwierigkeiten nach Brustkrebs sehr häufig auftreten. Im Folgenden werden häufige Herausforderungen in dieser Phase aufgeführt:

Körperliche Veränderungen
Brustkrebsbehandlungen können den Körper und das eigene Körperbild verändern. Operationsnarben, Veränderungen des Aussehens der Brüste und Haarausfall können beispielsweise das Selbstwertgefühl und das sexuelle Selbstvertrauen beeinträchtigen.
Außerdem können Chemotherapie und Hormonbehandlungen körperliche Beschwerden der Sexualfunktion wie Scheidentrockenheit verursachen.
Manche Menschen entscheiden sich für eine Brustrekonstruktion oder andere operative Verfahren zur Korrektur körperlicher Veränderungen. Solche Eingriffe sind jedoch nicht für alle geeignet und können zeitaufwendig und risikobehaftet sein. Manche körperlichen Veränderungen können dauerhaft bleiben.
Emotionale Auswirkungen
Von der Früherkennung über die Diagnose und Behandlung bis zur Erholung können alle Phasen im Zusammenhang mit Brustkrebs emotional belastend sein. Depressionen und Angststörungen können sich als psychische Probleme entwickeln.
Diese emotionalen Auswirkungen können dazu führen, dass jemand weniger sexuelles Verlangen empfindet oder weniger sexuelle Befriedigung erlebt als zuvor.
Libido (sexuelles Verlangen)
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 ergab, dass nach einer Brustkrebsbehandlung vermindertes sexuelles Verlangen und Erregungsstörungen zu den häufigsten Problemen der sexuellen Gesundheit gehören.
Chemotherapie und Hormonbehandlungen können das sexuelle Verlangen vermindernde körperliche und hormonelle Veränderungen verursachen.
Anhaltende Nebenwirkungen
Manche Nebenwirkungen der Behandlung können lange anhalten und das Sexualleben beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise:
- Müdigkeit
- Vorzeitige Menopause
- Knochen- und Gelenkschmerzen
- Hitzewallungen
- Hautempfindlichkeit und Abschälungen
- Harnwegsinfektionen
- Übelkeit
- Phantomschmerzen der Brust
- Vaginale Atrophie (Verdünnung und Trockenheit des Scheidengewebes)
als mögliche Beschwerden.

Schwierigkeiten beim Zugang zu fachlicher Unterstützung
Probleme mit Sexualität und Intimität sind individuell. Dabei können gynäkologische Fachpersonen, Menopausezentren oder Sexualberatungsstellen fachliche Unterstützung bieten. Manche Menschen haben jedoch aus finanziellen oder geografischen Gründen zu diesen Angeboten nur schwer Zugang.
Umgang mit Sexualität nach Brustkrebs
Jeder Mensch erlebt Sexualität nach der Behandlung anders. Deshalb können auch die geeigneten Lösungswege individuell unterschiedlich sein. Die folgenden Anregungen können beim Wiedereinstieg in das Sexualleben helfen:
Offene Kommunikation in den Vordergrund stellen
Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über Ihre Schwierigkeiten und darüber, was die andere Person tun kann, damit die Erfahrung für Sie angenehmer wird.
Sich Zeit lassen
Sie müssen keinen Geschlechtsverkehr haben, solange Sie sich nicht bereit dazu fühlen. Ein langsames, schrittweises Vorgehen kann emotional und körperlich hilfreich sein.
Alternativen erkunden
Sexualität beschränkt sich nicht auf penetrativen Geschlechtsverkehr. Küssen, Umarmen und Massagen sind Beispiele für körperliche Berührungen, die ebenfalls das Gefühl von Intimität stärken können.
Sexuelle Hilfsmittel verwenden
Vibratoren und andere Hilfsmittel können dazu beitragen, allein oder gemeinsam mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin die sexuelle Erregung zu steigern.
Körperliche Beschwerden ernst nehmen
Bei körperlichen Beschwerden wie Schmerzen oder Trockenheit können geeignete Gleitmittel oder eine andere Position hilfreich sein. Holen Sie bei Bedarf fachliche Unterstützung ein.
Den eigenen Körper annehmen lernen
Körperliche Veränderungen zu akzeptieren, kann Zeit brauchen. Techniken des positiven Denkens oder die Verwendung von Unterwäsche, in der Sie sich wohler fühlen, können hilfreich sein.
Wann sollte man fachlichen Rat suchen?
Wenn Sie körperliche oder emotionale Probleme im Zusammenhang mit Ihrem Sexualleben haben, scheuen Sie sich nicht, medizinischen Rat einzuholen.
- Ärztinnen und Ärzte können gegen körperliche Symptome medizinische Behandlungen empfehlen.
- Psychologinnen, Psychologen oder Therapiefachpersonen können individuelle oder partnerschaftsbezogene Unterstützung anbieten.
- Selbsthilfegruppen können den Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Erfahrungen ermöglichen.
Eine Patientinnengeschichte: Der Veränderungsprozess aus Annes Sicht
„Als ich mich für eine Mastektomie entscheiden musste, belastete mich der Gedanke an einen Gefühlsverlust im Brustbereich sehr. Zum ersten Mal hinterfragte ich so tiefgehend, was meine Brüste für mich bedeuten und wie meine Beziehung zu meinem Körper und meinem Partner aussieht. Dieser Prozess war nicht einfach. Mit der Zeit begann ich, mich körperlich und emotional neu kennenzulernen. Ich lerne, freundlich und geduldig mit mir selbst zu sein.“
Fazit
Brustkrebs hebt Sexualität nicht vollständig auf. Doch der Umgang mit den erlebten körperlichen und emotionalen Veränderungen kann Zeit brauchen. Entscheidend ist, diesen Prozess individuell zu gestalten, eine gute Kommunikation aufrechtzuerhalten und bei Bedarf ohne Scheu professionelle Unterstützung zu suchen.
Quellen
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2. Breast cancer treatment side effects. (2025).
https://www.breastcancer.org/treatment-side-effects
3. Franzoi MA, et al. (2024). Investigating sexual health after breast cancer by longitudinal assessment of patient-reported outcomes.
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https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11531659/
5. Managing sexual side effects as a woman with cancer. (2025).
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6. Regan J-P, et al. (2023). Breast reconstruction.
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7. Saunders CM, et al. (2022). Surviving and thriving after breast cancer treatment.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9546097/
8. Sex, sexuality, and cancer. (2024).
https://www.cancerresearchuk.org/about-cancer/coping/physically/sex
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