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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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So viel Mikroplastik wie eine Plastiktüte im Gehirn!

So viel Mikroplastik wie eine Plastiktüte im Gehirn!
In diesem Artikel

Wir sind, was wir essen und trinken. Und wir essen und trinken immer mehr Plastik …

Plastik umgibt uns überall: in Wasserflaschen und Einkaufstüten, Zahnpasta- und Shampoo-Verpackungen, Lebensmittelbehältern, Bechern, Tellern, Messern und Besteck. Manchmal denke ich daran, wie überlegen wir auf die römische Oberschicht mit ihrer Vorliebe für Bleibesteck zurückblicken: Sie wusste nicht, dass ihre Gabeln und Löffel sie umbrachten. Dann frage ich mich, ob zukünftige Menschen ähnlich auf uns zurückschauen werden:Unsere armen Vorfahren. Wie konnten sie nicht erkennen, dass es ihnen schadete, biologisch nicht abbaubare Stoffe zu essen?

Plastik überall im Körper – am meisten im Gehirn!

Neueste wissenschaftliche Befunde zeigen, dass die Lage viel ernster ist als angenommen . Eine am 3. Februar 2025 in Nature Medicine veröffentlichte Studie zeigte hohe Konzentrationen von Mikro- und Nanoplastik auch im menschlichen Gehirn.

Diese nanometergroßen Partikel wurden zuvor bereits in Lunge, Plazenta und fetthaltigen Ablagerungen der Halsschlagadern nachgewiesen. Schon diese Befunde waren beunruhigend; die deutlich höheren Konzentrationen im Gehirn sorgten in der Wissenschaft zusätzlich für großes Erstaunen.

Die neue Studie untersuchte Gehirn-, Leber- und Nierengewebe von ungefähr 30 Verstorbenen aus Biobanken in den USA. Die Forschenden erfassten Nanoplastik, das für herkömmliche Mikroskope zu klein ist, mittels Gaschromatografie-Massenspektrometrie.

Deutlich mehr Plastik im Gehirn als in anderen Organen

Die Ergebnisse zeigten eine dramatisch höhere Mikroplastikkonzentration im Gehirn als in Leber und Nieren. Gemessen wurden ungefähr 4000 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe. Allein im frontalen Kortex entspricht dies etwa 2 Gramm Plastik – so viel wie eine durchschnittliche Sandwich-Plastiktüte!

Noch beunruhigender war der deutliche Anstieg der Mikroplastikmenge im Gehirn zwischen 2016 und 2024. Interessanterweise war er unabhängig von Faktoren wie Geschlecht, Alter oder ethnischer Zugehörigkeit.

Mikroplastik im Gehirn nahm in 8 Jahren um 47% zu; die Konzentration ist dort 10-mal höher als in anderen Organen!

Nature-Studie vom Februar 2025: deutlich erhöhte Mikroplastikkonzentrationen im Gehirn zwischen 2016 und 2024

Die obige Grafik zeigt den deutlichen Anstieg der Mikroplastikkonzentrationen in Leber, Nieren und Gehirn von 2016 bis 2024. Besonders im Gehirn waren sie wesentlich höher als in anderen Organen und nahmen mit der Zeit deutlich zu.

Bei Demenz noch kritischere Befunde

Zu den auffälligen Ergebnissen gehörten deutlich höhere Plastikmengen in Gehirnen von Menschen mit Demenz beziehungsweise Alzheimer. Gemessen wurden 20.000 bis 50.000 Mikrogramm Mikroplastik pro Gramm Gewebe. Dies entspricht ungefähr 10 Sandwich-Plastiktüten in dieser Hochrechnung.

Eine wichtige Frage bleibt jedoch offen: Verursacht Mikroplastik Demenz, oder gelangt wegen einer geschwächten Blut-Hirn-Schranke bei Demenz mehr Plastik ins Gehirn? Dies müssen weitere Studien klären.

Wie können wir uns vor Plastik schützen?

Die Untersuchung zeigte außerdem, dass das Mikroplastik überwiegend aus dem häufig verwendeten Polyethylen bestand. Es findet sich insbesondere in Wasserflaschen, Plastiktüten, Lebensmittelbehältern und Textilien.

Studien zeigen, dass intensiver Gebrauch von Plastikwasserflaschen zur Aufnahme von ungefähr 90.000 Mikroplastikpartikeln pro Jahr führt. Bei Leitungswasser sind es dagegen nur etwa 4000. Auch in Plastikbehältern erhitzte Speisen und eingeatmete Kunststofffasern stellen große Risiken dar.

Umfassende Veränderungen sind nötig

Individuelle Maßnahmen wie Glas- oder Metallflaschen und das Umfüllen von Speisen vor dem Erhitzen können das Risiko etwas verringern. Für einen wirksamen Umgang mit Mikroplastik sind jedoch offensichtlich umfassendere nationale und internationale Maßnahmen erforderlich.

Damit künftige Generationen uns nicht „unsere plastikessenden Vorfahren“ nennen, müssen wir als Gesellschaft bewusster mit Plastik umgehen und Maßnahmen zur Verringerung seiner Verwendung beschleunigen.

Quellen

Nihart, A.J., Garcia, M.A., El Hayek, E. et al. Bioaccumulation of microplastics in decedent human brains. Nat Med (2025). https://doi.org/10.1038/s41591-024-03453-1
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