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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Warum macht Kälte Menschen unter Oxaliplatin zu schaffen?

Warum macht Kälte Menschen unter Oxaliplatin zu schaffen?
In diesem Artikel

Oxaliplatin ist ein platinhaltiges Chemotherapeutikum, das Krebszellen abtötet, indem es an ihre DNA bindet. Es wirkt jedoch auch toxisch auf das Nervensystem. Kältebedingte Dysästhesien gehören zu seinen charakteristischsten Nebenwirkungen und entstehen insbesondere durch die Wirkung des Arzneimittels auf sensible Nervenfasern.

Was sind kältebedingte Dysästhesien unter Oxaliplatin?

Kältebedingte Dysästhesien sind eine Nebenwirkung des Chemotherapeutikums Oxaliplatin, die insbesondere das Nervensystem betrifft. Sie gehören zu den häufigsten Formen der akuten peripheren Neuropathie. Betroffene beschreiben sie meist als ungewöhnliche Empfindungen beim Kontakt mit Kälte.

Dazu können gehören:

  • Kribbeln, Brennen oder Stechen beim Berühren kalter Gegenstände,
  • Krämpfe im Rachen oder Schluckbeschwerden, insbesondere bei kalten Getränken,
  • Empfindungen wie Stromschläge, etwa an Händen, Füßen oder im Gesicht.

Biologischer Mechanismus

  • Übererregbarkeit sensibler Nerven (Hyperexzitabilität): Oxaliplatin erhöht die elektrische Aktivität in sensiblen Nervenfasern vom Typ Aδ und C. Dadurch kommt es zu einer übermäßigen Reaktion auf normalerweise harmlose Kältereize. Insbesondere die Empfindlichkeit der kälteempfindlichen Ionenkanäle TRPM8 und TRPA1 nimmt zu.
  • Störung der Ionenkanäle in Nervenmembranen (Axonen): Oxaliplatin beeinflusst die spannungsabhängigen Natrium- (Na⁺) und Kaliumkanäle (K⁺) in der Nervenzellmembran. Ein Ungleichgewicht ihrer Aktivität führt zu spontanen oder übersteigerten elektrischen Signalen in den Nerven. Daher kann selbst ein einfacher Reiz wie Kälte als Brennen, Stechen oder Stromschlag empfunden werden.
  • Myelinschädigung peripherer Nerven: Bei längerfristiger Anwendung kann Oxaliplatin die Myelinscheide schädigen. Der Myelinverlust beeinträchtigt die Nervenleitung und führt zu einer übermäßigen Kälteempfindlichkeit.
  • Durch Kälte verstärkte Störung der Nervenleitung: Niedrige Temperaturen können in durch Oxaliplatin geschädigten Nerven eine Leitungsblockade verursachen. Bereits empfindlich gewordene Nervenendigungen senden bei Kälte also noch unregelmäßigere Signale, wodurch unangenehme Empfindungen entstehen.

Wie lange dauert das an? Bleiben die Beschwerden bestehen?

Die Beschwerden treten meist in den ersten Stunden oder innerhalb der ersten 2 Tage nach der Arzneimittelgabe auf. Sie sind in der Regel vorübergehend und klingen innerhalb weniger Tage von selbst ab. Sehr selten können sie bei einzelnen Betroffenen dauerhaft bestehen bleiben. 


Gibt es Geräte oder Hilfsmittel zum Schutz?

Ja, einige Hilfsmittel und unterstützende Maßnahmen können zum Schutz beitragen:

  • Thermohandschuhe / Wärmepads für Handschuhe: Handschuhe mit elektrischen oder chemischen Wärmequellen können die Empfindlichkeit der Fingerspitzen verringern. Ihre Verwendung wird insbesondere beim Aufenthalt im Freien während der Wintermonate empfohlen.
  • Beheizte Socken oder Wärmepads für die Füße: Beheizte Socken oder Thermosocken können die Auswirkungen eines kalten Untergrunds vermindern.
  • Geräte zum Kälteschutz (Umkehrung der Kryotherapie): In manchen Kliniken werden anstelle einer Kryotherapie Anwendungen erprobt, bei denen die Extremitäten warm gehalten werden. Bei Menschen unter Oxaliplatin können wärmeisolierende Handschuhe oder Socken anstelle der üblichen Kühlung kältebedingte Dysästhesien verringern.
  • Hilfsmittel zur Vermeidung von Kältekontakt: Ummantelte oder isolierte Griffe können den Kontakt mit Metalloberflächen verhindern, beispielsweise spezielle Schutzhüllen für Einkaufswagengriffe. Thermoflaschen vermeiden außerdem den direkten Kontakt mit kalten Getränken.

Diese Hilfsmittel können Beschwerden vorbeugen, garantieren jedoch keinen vollständigen Schutz. Zusätzlich sollten Verhaltensmaßnahmen wie der Verzehr lauwarmer Speisen und die Vermeidung kalter Umgebungen umgesetzt werden.


Empfehlungen zum Umgang mit kältebedingten Dysästhesien

Schützen Sie sich vor Kälte: Meiden Sie kalte Luft, kalte Getränke und kalte Gegenstände. Tragen Sie schützende Kleidung wie Handschuhe, Socken und einen Schal, besonders wenn Sie im Winter nach draußen gehen. Nehmen Sie Gegenstände nicht direkt aus dem Kühlschrank oder Gefrierfach.

Nehmen Sie lauwarme Speisen und Getränke zu sich: Verzichten Sie für einige Tage nach der Behandlung auf kaltes Wasser, Speiseeis und eisgekühlte Getränke. Diese können ein Stechen im Mund oder ein Krampfgefühl im Rachen auslösen. Bevorzugen Sie daher lauwarme Getränke.

Vorsicht bei elektrischen Haushaltsgeräten: Vermeiden Sie es, kalte Metalloberflächen oder elektrische Geräte mit bloßen Händen anzufassen, beispielsweise die Kühlschranktür oder Einkaufswagen.

Schützen Sie Hände und Füße: Waschen Sie Ihre Hände mit lauwarmem Wasser und vermeiden Sie kaltes Wasser. Bei Bedarf können Sie zu Hause Wärmepads für Hände und Füße verwenden.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Wenn kältebedingte Dysästhesien Ihre Lebensqualität beeinträchtigen, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Dosis anpassen oder unterstützende Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden planen. Für manche Betroffene können Vitamin-B-Präparate oder Arzneimittel zur Verringerung der Neuropathie geeignet sein.

DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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