Warum verändert sich bei Krebspatienten die Haarfarbe?

In diesem Artikel
Was ist eine Veränderung der Haarfarbe?
Bei Patienten unter Krebsbehandlung kann sich die Haarfarbe verändern. Dies entsteht, wenn die Behandlung die Haarwurzeln schädigt oder zerstört.
Betroffen sein können neben dem Kopfhaar auch Wimpern und Augenbrauen. Je nach Behandlung kann das Haar dunkler (Hyperpigmentierung) oder heller (Hypopigmentierung) werden.
Ursachen für Haarfarbveränderungen bei Krebspatienten
Haarfarbveränderungen bei Krebspatienten entstehen meist durch Krebsbehandlungen wie Chemotherapie, Strahlentherapie und zielgerichtete Therapien. Diese wirken auf die Haarfollikel und stören die Pigmentproduktion. Die Mechanismen sind nachfolgend zusammengefasst:
Schädigung der Melanozyten
- Melanozyten sind die Zellen, die die Haarfarbe bestimmen.
- Chemo- und Strahlentherapie können ihre Funktion beeinträchtigen oder sie zerstören.
- Folge: Die Melaninproduktion nimmt ab oder wird unregelmäßig. Das Haar kann heller (Hypopigmentierung) oder selten dunkler (Hyperpigmentierung) werden.
Wirkung von Arzneimitteln auf die Pigmentierung
- Manche Krebsmedikamente beeinflussen die Bildung von Haarpigment direkt:
- Chemotherapie (z. B. Cisplatin, Paclitaxel): Aufhellung oder vollständiges Weißwerden des Haares
- Tyrosinkinasehemmer (z. B. Imatinib): Verdunkelung der Haarfarbe möglich
- Immuntherapien (z. B. Nivolumab): autoimmune Pigmentveränderungen
Oxidativer Stress und DNA-Schädigung
- Chemotherapeutika verursachen die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) in den Haarwurzeln.
- Dies schädigt die DNA der Melanozyten im Haarfollikel.
- Folge: Die Pigmentproduktion wird gestört, die Haarfarbe verändert sich.
Genetische Veranlagung und Melanintyp
- Das individuelle Verhältnis von Eumelanin (dunklem Pigment) und Phäomelanin (hellem Pigment) kann die Veränderung beeinflussen.
- Individuelle Behandlungsreaktionen können sich aufgrund genetischer Faktoren unterscheiden.
Betroffene Bereiche
Neben dem Kopfhaar können auch Augenbrauen, Wimpern und Körperhaare ihre Farbe verändern.
Diese Veränderungen können vorübergehend oder dauerhaft sein.
Wie sehen krebstherapiebedingte Haarfarbveränderungen aus?
Haarfarbveränderungen durch eine Krebsbehandlung entwickeln sich meist langsam und allmählich, da Haare von Natur aus langsam wachsen. Häufig werden sie erst nach einigen Monaten sichtbar.
Erscheinungsbild:
Die Haarfarbe kann ungleichmäßig werden: Die Spitzen behalten beispielsweise ihre frühere Farbe, während nachwachsendes Haar heller oder dunkler ist.
Mit der Zeit können die Haare:
- Heller (hypopigmentiert) werden, etwa in blonden, grauen oder weißen Tönen.
- Dunkler (hyperpigmentiert) werden, etwa braun oder fast schwarz.
- Ein Salz-und-Pfeffer-Muster mit pigmentierten und pigmentlosen Haaren kommt häufig vor.
- Ähnliche Farbveränderungen sind auch an Wimpern und Augenbrauen möglich.
Schwankungen je nach Chemotherapiezyklus:
- Intermittierende Chemotherapie (in Zyklen): Die Haarfarbe kann schwanken. Zeitweise kann die frühere Farbe zurückkehren und sich anschließend erneut verändern.
- Kontinuierliche Chemotherapie: Die Farbveränderung kann deutlicher und dauerhafter sein.
Bei manchen Patienten sind diese Veränderungen vorübergehend, bei anderen bleiben sie bestehen. Begleitend kann sich auch die Haarstruktur verändern, etwa durch dünneres oder lockigeres Haar.
Bei wem treten krebstherapiebedingte Haarfarbveränderungen auf?
Haarfarbveränderungen können bei einigen Patienten unter Chemotherapie, zielgerichteter Therapie, Immuntherapie, Strahlentherapie oder Hormontherapie auftreten, jedoch nicht bei allen. Ob sie entstehen, hängt von Wirkstoffart, Dosis und individueller Empfindlichkeit ab.
Gefährdete Gruppen:
- Patienten unter Chemotherapie
- Patienten unter zielgerichteter Therapie
- Patienten unter Immuntherapie
- Patienten unter Strahlentherapie
- Patienten unter hormoneller (endokriner) Therapie
Beispiele für Behandlungen mit möglicher Haarfarbveränderung:
Zielgerichtete Therapien
- Cabozantinib
- Pazopanib
- Sorafenib
- Sunitinib
- Imatinib
- Cetuximab
- Erlotinib
- Gefitinib
Immuntherapien
- Pembrolizumab
- Nivolumab
- Ipilimumab
Alkylierende Wirkstoffe und andere Zytostatika
- Busulfan
- Cyclophosphamid
- Etoposid
- Doxorubicin
- Daunorubicin
- Irinotecan
- Topotecan
Mikrotubulihemmer
- Paclitaxel
- Docetaxel
- Vincristin
- Vinblastin
Strahlentherapie
Bei lokaler Anwendung kann sie Pigmentverlust oder Pigmentveränderungen am Kopfhaar verursachen.
Hormonelle (endokrine) Therapien
- Leuprolid
- Tamoxifen
- Raloxifen
- Anastrozol
- Exemestan
- Letrozol
- Octreotid
Wie lange dauern chemotherapiebedingte Haarfarbveränderungen?
Die Dauer hängt von der Chemotherapieart, der kontinuierlichen oder zyklischen Anwendung und dem individuellen Ansprechen ab.
Kontinuierliche Chemotherapie (z. B. täglich oral eingenommene Arzneimittel)
- Dauerhaft angewendete Chemotherapeutika können bleibende oder lang anhaltende Haarfarbveränderungen verursachen.
- Die Farbveränderung kann während der laufenden Behandlung unverändert bestehen bleiben.
Zyklische Chemotherapie
- Bei Behandlung in Abständen kann sich die Haarfarbe vorübergehend verändern.
- Nach Therapieende kann die natürliche Haarfarbe allmählich zurückkehren.
- Dieser Vorgang kann gewöhnlich einige Monate bis zu einem Jahr dauern.
Zeit bis zur Rückkehr der früheren Farbe
- Haare wachsen normalerweise etwa 1 cm pro Monat.
- Daher können die vollständige Erneuerung der Haare und die Rückkehr zur früheren Farbe Monate oder bis zu 1 Jahr dauern.
- Bei manchen Menschen kehrt die frühere Haarfarbe nicht zurück; die Veränderung kann dauerhaft sein.
Wie lassen sich Haarfarbveränderungen verhindern?
Haarfarbveränderungen während einer Krebsbehandlung lassen sich schwer vollständig verhindern, da die Therapien direkt auf Haarwurzeln und pigmentbildende Melanozyten wirken.
Eine vorbeugende Methode gibt es nicht; jedoch können:
- schonender Umgang mit Haaren und Kopfhaut,
- Vermeidung aggressiver Chemikalien wie scharfer Shampoos und Bleichmittel,
- ausgewogene Ernährung und Unterstützung der allgemeinen Gesundheit die Haargesundheit indirekt positiv beeinflussen.
Meist kehrt die frühere Haarfarbe nach Therapieende mit der Zeit zurück; dies kann Monate oder Jahre dauern.
Wie lassen sich Haarfarbveränderungen behandeln oder kaschieren?
Haarfarbe verwenden:
- Temporäre oder dauerhafte Haarfärbemittel können Farbveränderungen kaschieren.
- Bevorzugt werden sollten ammoniakfreie, für empfindliche Haut geeignete Produkte.
- Da die Kopfhaut nach Chemotherapie empfindlich sein kann, wird eine dermatologische Beratung empfohlen.
Haarersatz / Perücken:
- Bieten bei plötzlichen deutlichen Farbunterschieden eine vorübergehende kosmetische Lösung.
- Natürlich wirkende Perücken können auch psychisch entlastend sein.
Beratung durch Trichologen (Haar- und Hautspezialisten):
- Sie können Unterstützung bei individuellen Pflegeempfehlungen,
- der Unterstützung der Haarpigmentierung
- und der Auswahl zur Behandlung passender Haarpflegeprodukte erhalten.
Fazit
Haarfarbveränderungen während der Krebsbehandlung lassen sich meist nicht verhindern, können aber durch vorübergehende kosmetische Lösungen bewältigt werden. Geduld und Zeit für den natürlichen Haarzyklus sind wichtig. Patienten können gemeinsam mit Dermatologen oder Trichologen individuelle Lösungen entwickeln.
Quellen
2. Routhouska S, Gilliam AC, Mirmirani P. Hair depigmentation during chemotherapy with a class III/V receptor tyrosine kinase inhibitor. Arch Dermatol. 2006;142:1477-1479.
3. Lacouture M, Sibaud V. Toxic side effects of targeted therapies and immunotherapies affecting the skin, oral mucosa, hair, and nails. Am J Clin Dermatol. 2019;19(Suppl 1):31-39.
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