Was ist Vinorelbin (Navelbine)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattung

In diesem Artikel
- FDA-Zulassung: Ja (erste Zulassung: 1994)
- Handelsname: Navelbine (NVB)
- Wirkstoff: Vinorelbine
- Art der Anwendung: Intravenöse (IV) Injektion, oral in Tablettenform (PO)
- Pharmakologische Klasse: Vinca-Alkaloid, gegen Mikrotubuli gerichteter Wirkstoff
- Kategorie: Chemotherapeutikum
- Hersteller: Pierre Fabre İlaç
- Vertrieb in der Türkei: Pierre Fabre İlaç, Gensenta İlaç, Koçak Farma İlaç
- Zugelassene Krebsindikationen: Nichtkleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC), Brustkrebs, Ovarialkrebs (Eierstockkrebs)
Was ist Vinorelbin (Navelbine)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattung
Navelbine mit dem Wirkstoff Vinorelbin ist ein wirksames Chemotherapeutikum, das aus dem rosafarbenen Immergrün abgeleitet wurde und insbesondere bei Lungen- und Brustkrebs eingesetzt wird. Es hemmt die Bildung von Mikrotubuli, stoppt dadurch die Zellteilung und verhindert das Tumorwachstum.
Was sind Vinca-Alkaloide?
Vinca-Alkaloide sind pflanzlich gewonnene Chemotherapeutika, die an den für die Zellteilung erforderlichen Mikrotubuli angreifen. Sie wirken in der M-Phase des Zellzyklus und verhindern die Bildung des mitotischen Spindelapparats. Dadurch können sich Tumorzellen nicht mehr teilen und sterben ab. Vinca-Alkaloide bieten eine wirksame Behandlungsoption bei verschiedenen Tumoren, darunter Lungen- und Brustkrebs sowie hämatologische Krebserkrankungen.
Wie wirkt Vinorelbin?
- Vinorelbin ist ein halbsynthetisches Vinca-Alkaloid, das die Polymerisation von Tubulin hemmt.
- Indem es die Bildung mitotischer Spindelfasern verhindert, hält es den Zellzyklus in der M-Phase an und unterdrückt die Zellteilung.
- Die Hemmung der Zellteilung führt zum Zelltod (Apoptose) in Tumorzellen.
- Es weist eine hohe Spezifität für mitotische Mikrotubuli auf und bindet schwächer an axonale Mikrotubuli. Deshalb ist seine Neurotoxizität geringer als die anderer Vinca-Alkaloide.
- Es hemmt die DNA-, RNA- und Proteinsynthese und stoppt dadurch das Wachstum von Krebszellen.
Geschichte der Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA
- 27. Dezember 1994: FDA-Zulassung zur Behandlung von nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC).
- 3. April 1998: Zulassung zur Behandlung von metastasiertem Brustkrebs.
- 15. Juni 2004: Zulassung als Monotherapie bei fortgeschrittenem NSCLC, wenn eine platinbasierte Behandlung nicht geeignet ist.
- 22. November 2011: Erweiterung der Zulassung der oralen Formulierung in Europa; keine Zulassung durch die FDA.
Zulassung in der Türkei
Für Navelbine sind in der Türkei folgende zugelassene Anwendungsgebiete beziehungsweise therapeutische Indikationen angegeben:
Therapeutische Indikationen:
Die Anwendung ist bei lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem nichtkleinzelligem Lungenkrebs (Stadium IIIB) und metastasierter Erkrankung (Stadium IV) allein oder in Kombination mit Platinpräparaten sowie bei metastasiertem Brustkrebs mit Resistenz gegen Anthrazykline und Taxane indiziert.
Wird Navelbine erstattet?
Das Arzneimittel steht auf der Liste der bei Krebsdiagnosen ohne zusätzliche Indikationsvoraussetzung erstattungsfähigen Medikamente. Es wird bei sämtlichen Krebsdiagnosen von der türkischen Sozialversicherung SGK erstattet.
Preis: Stand April 2025;
- Apothekenverkaufspreis für Navelbine 50 mg/5 ml, Durchstechflasche: 1.576,79₺
- Apothekenverkaufspreis für Navelbine 20 mg, Weichkapsel: 884,16₺
- Apothekenverkaufspreis für Navelbine 30 mg, Weichkapsel: 1.271,79₺
Resistenzmechanismen
- Überproduktion des P170-Glykoproteins (Multidrug-Resistenz, MDR)
- Kreuzresistenz mit anderen Arzneimitteln
- Mutationen der Tubulinproteine
Resorption
Es stehen intravenös (IV) und oral (PO) anzuwendende Formen zur Verfügung.
Verteilung
- Rasche und weitreichende Verteilung in die meisten Körpergewebe.
- Das scheinbare Verteilungsvolumen ist groß (>30 L/kg).
- Hohe Bindung an Plasmaproteine (~80%).
Metabolismus
- Metabolisierung in der Leber durch das mikrosomale Cytochrom-P450-System.
- Es besitzt einen aktiven Metaboliten namens Desacetylvinorelbin.
- Der größte Teil des Arzneimittels wird über die Galle mit dem Stuhl ausgeschieden; 15-20% werden über die Nieren ausgeschieden.
- Die Halbwertszeit beträgt 27-43 Stunden.
Dosierungsbereich
Intravenöse (IV) Anwendung:
Empfohlene Dosis: einmal wöchentlich 30 mg/m² IV als Infusion über 6-10 Minuten
Orale Anwendung (Kapsel):
- Anfangsdosis: einmal wöchentlich 60 mg/m²
Weitere Dosierung: bei fehlender Neutropenie einmal wöchentlich 80 mg/m²
Wechselwirkungen
- Metabolisierung über Leberenzyme: Vinorelbin wird in der Leber durch das Cytochrom-P450-Enzymsystem (CYP3A4) metabolisiert. Arzneimittel, die CYP3A4 hemmen, beispielsweise Ketoconazol, Itraconazol oder Erythromycin, können deshalb die Vinorelbin-Konzentration im Blut erhöhen und das Nebenwirkungsrisiko steigern. Arzneimittel, die CYP3A4 induzieren, etwa Rifampin, Phenytoin oder Carbamazepin, können den Abbau von Vinorelbin beschleunigen und seine Wirksamkeit verringern. Ist eine gleichzeitige Anwendung erforderlich, muss die Dosis angepasst werden.
- Wechselwirkung mit Phenytoin: Vinorelbin kann den Phenytoinspiegel im Blut senken. Ursache kann eine verringerte Aufnahme von Phenytoin im Darm oder eine beschleunigte Ausscheidung sein. Bei gleichzeitiger Anwendung kann die Anfallskontrolle nachlassen; deshalb müssen die Betroffenen sorgfältig überwacht werden.
- Wechselwirkung mit Cisplatin: Bei gleichzeitiger Anwendung von Vinorelbin und Cisplatin kann das Risiko einer Knochenmarksuppression (Myelosuppression) steigen. Insbesondere kann das Risiko einer Neutropenie, also einer verminderten Zahl weißer Blutkörperchen, zunehmen. Bei gemeinsamer Anwendung sind die Blutwerte engmaschig zu kontrollieren und die Dosen anzupassen.
- Wechselwirkung mit Mitomycin-C: Die Kombination mit Mitomycin-C kann das Risiko akuter allergischer Reaktionen erhöhen.
- Die Betroffenen müssen auf Anzeichen von Atemnot (Dyspnoe), Bronchospasmus oder Anaphylaxie überwacht werden. Diese Kombination ist vorsichtig einzusetzen; während der Behandlung ist eine engmaschige Überwachung erforderlich.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Vorsichtsmaßnahmen bei Dosierung und Anwendung: Bei intravenöser (IV) Gabe besteht das Risiko einer Extravasation, also des Austritts aus dem Gefäß. Dies kann schwere Gewebeschäden verursachen. Bei Anwendung der oralen Form dürfen die Kapseln weder zerkaut noch zerbrochen werden.
- Kontrolle der Blutwerte: Wegen des hohen Risikos einer Myelosuppression (Knochenmarksuppression) müssen vor und während der Behandlung regelmäßige Blutuntersuchungen erfolgen. Bei einer Neutropenie, also einem Rückgang weißer Blutkörperchen, muss die Gabe verschoben oder die Dosis reduziert werden.
- Anwendung bei Leberinsuffizienz: Da die Metabolisierung in der Leber erfolgt, ist bei schwerer Leberinsuffizienz Vorsicht geboten; gegebenenfalls muss die Dosis reduziert werden.
- Niereninsuffizienz: Da die Ausscheidung überwiegend über die Galle erfolgt, ist bei Niereninsuffizienz in der Regel keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Niereninsuffizienz ist jedoch eine engmaschige Überwachung notwendig.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Das Arzneimittel gehört zur Schwangerschaftskategorie D (teratogen) und kann den Fetus schädigen. Die Anwendung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Stillende Mütter müssen während der Behandlung abstillen.
- Immunsuppression und Infektionsrisiko: Das Immunsystem kann unterdrückt werden. Deshalb ist eine engmaschige Überwachung auf Infektionszeichen erforderlich. Bei Fieber, Halsschmerzen oder Anzeichen einer Infektion muss unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt werden.
Nebenwirkungen
- Myelosuppression: Sie ist dosisabhängig; die häufigste Nebenwirkung ist eine Neutropenie. Die Neutrophilenzahl erreicht gewöhnlich am 7. Tag ihren Tiefstwert und erholt sich am 14. Tag. Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchenzahl) und Anämie (Blutarmut) treten seltener auf.
- Übelkeit und Erbrechen: Meist leicht bis mittelschwer; sie treten innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Behandlung auf.
- Gastrointestinale (GI) Toxizitäten: Verstopfung (35%), Durchfall (17%), Stomatitis (Wunden im Mund) (<20%), Anorexie (Appetitlosigkeit) (<20%)
- Vorübergehender Anstieg der Leberenzyme: SGOT und Bilirubin können vorübergehend ansteigen, meist jedoch ohne klinische Beschwerden.
- Gewebeschädigung (vesikante Wirkung): Bei einer Extravasation, also einem Austritt aus dem Gefäß, können lokale Gewebeschäden und Entzündungen entstehen.
- Neurotoxizität (Auswirkungen auf das Nervensystem): Sie tritt seltener auf als bei anderen Vinca-Alkaloiden. Vinorelbin bindet schwächer an axonale Mikrotubuli als Vincristin oder Vinblastin. Bei vorbestehenden neuromuskulären Erkrankungen kann das Neurotoxizitätsrisiko erhöht sein.
- Haarausfall (Alopezie): Er wird bei 10-15% der Patienten beobachtet.
- SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion): Es kann zu Wassereinlagerungen im Körper führen.
- Allergische Reaktionen: Überempfindlichkeit und/oder allergische Reaktionen können auftreten und sich als Dyspnoe (Atemnot) oder Bronchospasmus äußern. Bei gleichzeitiger Anwendung von Mitomycin-C steigt das Risiko allergischer Reaktionen.
- Allgemeine Fatigue: Sie kann bei 35% der Patienten auftreten und sich bei wiederholter Gabe verstärken.
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