Was sind unkontrollierte Muskelbewegungen (Dyskinesien)?

In diesem Artikel
Was sind Dyskinesien bei Krebserkrankungen?
Unkontrollierte Muskelbewegungen werden medizinisch als Dyskinesien bezeichnet. Es handelt sich um unwillkürliche, plötzlich und spontan auftretende Muskelbewegungen.
Diese Bewegungen entziehen sich der willentlichen Kontrolle und können folgende Bereiche betreffen:
- Gesichtsmuskulatur (beispielsweise unwillkürliche Grimassen oder Lippenbewegungen)
- Arme und Beine
- Rumpf
Dyskinesien (unkontrollierte Muskelbewegungen) sind bei Krebserkrankungen selten, können jedoch durch bestimmte Behandlungen, die Lage eines Tumors oder neurologische Auswirkungen entstehen. Diese Bewegungsstörungen treten meist als Folgeerscheinung (sekundär) auf.
Ursachen von Dyskinesien bei Krebserkrankungen
Medikamentenbedingte Dyskinesien (tardive Dyskinesien)
- Medikamente wie Chemotherapeutika, Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit) und Antipsychotika können bei längerem Gebrauch Dopaminrezeptoren beeinflussen und Dyskinesien verursachen.
- Insbesondere Metoclopramid, Prochlorperazin und bestimmte Antipsychotika (beispielsweise Haloperidol) können tardive Dyskinesien auslösen.
Hirntumoren oder Hirnmetastasen
Hirntumoren und insbesondere Metastasen in den Basalganglien oder im motorischen Kortex können die Bewegungskontrolle beeinträchtigen und dyskinetische Bewegungen verursachen.
Paraneoplastische Syndrome
Paraneoplastische neurologische Syndrome als indirekte Krebsfolgen können das Nervensystem über Autoimmunmechanismen beeinflussen und unwillkürliche Muskelbewegungen wie Chorea, Myoklonien oder Dystonien auslösen.
Reaktion auf Steroide und immunsuppressive Behandlungen
Eine längerfristige hoch dosierte Steroidtherapie oder bestimmte Immuntherapien können die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln beeinflussen und selten abnorme Bewegungen verursachen.
Störungen des Elektrolythaushalts
Hyponatriämie, Hypokalzämie oder Hypomagnesiämie können besonders bei fortgeschrittenen Erkrankungen auftreten. Sie erhöhen die Muskelerregbarkeit und können Zittern, Zuckungen und dyskinetische Bewegungen begünstigen.
Bei welchen Krebsarten können Dyskinesien typischerweise auftreten?
- Hirntumoren und ZNS-Metastasen
- Paraneoplastische Syndrome bei Lungenkrebs
- Kleinzelliger Lungenkrebs (insbesondere in Verbindung mit limbischer Enzephalitis)
- Multiples Myelom und Lymphome (mit neurologischen Komplikationen)
Wie zeigen sich unkontrollierte Muskelbewegungen (Dyskinesien)?
Wie unkontrollierte Muskelbewegungen aussehen und empfunden werden, hängt von der Art und dem Schweregrad der Bewegungsstörung ab.
Dyskinesien können folgendermaßen auftreten:
- Chorea: Unregelmäßige, ruckartige Bewegungen
- Dystonie: Abnorme Körperhaltungen und Muskelkontraktionen
- Myoklonus: Plötzliche Muskelzuckungen
- Tremor: Rhythmisches Zittern
Einfache Bewegungen wie Zuckungen oder Schreckbewegungen können rasch und kurz sein. Komplexe Bewegungen wie Chorea oder Dystonie können länger anhalten und drehend oder verkrümmend sein.
Diese Bewegungen können:
- Schmerzen verursachen
- Unbehagen auslösen
- Alltagsaktivitäten beeinträchtigen.
Wer ist betroffen beziehungsweise gefährdet?
Unkontrollierte Muskelbewegungen können durch Folgendes entstehen:
- Neurologische Erkrankungen
- Medikamentennebenwirkungen
- Stoffwechselstörungen
- Infektionen
Bei Krebserkrankungen können Dyskinesien mit Folgendem zusammenhängen:
- Behandlungskomplikationen (beispielsweise strahlenbedingte Dystonie oder Medikamentennebenwirkungen)
- Hirntumoren oder Hirnmetastasen (wenn der Tumor das motorische System beeinflusst)
Wie werden Dyskinesien behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Bewegungsstörung:
Medikamentöse Behandlung:
Bei durch Chemotherapie verursachter peripherer Neuropathie:
- Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder Duloxetin können zur Linderung der Symptome beitragen.
In anderen Situationen:
- Benzodiazepine, Antipsychotika oder Antiepileptika können zur Verringerung unkontrollierter Bewegungen eingesetzt werden.
Bei strahlenbedingten Dystonien:
- Injektionen von Botulinumtoxin in die betroffenen Muskelgruppen können unwillkürliche Kontraktionen verringern.
Operative Behandlung:
- Liegt ein Tumor oder eine Läsion als Ursache der Dyskinesie vor, kann ein operativer Eingriff erforderlich sein.
Nicht medikamentöse Ansätze:
- Physiotherapie
- Ergotherapie (Beschäftigungstherapie)
- Entspannungstechniken
Diese Verfahren unterstützen den Umgang mit motorischen Störungen und können die Lebensqualität verbessern.
Wie lassen sich Dyskinesien verhindern?
Unkontrollierten Muskelbewegungen bei Krebserkrankungen lässt sich insbesondere durch sorgfältige Überwachung der eingesetzten Medikamente und frühes Erkennen möglicher bewegungsstörender Wirkstoffe vorbeugen.
Insbesondere Mittel gegen Übelkeit wie Prochlorperazin (Compazine), Promethazin (Phenergan) und Metoclopramid (Reglan) können bei manchen Personen Dyskinesien verursachen.
Wichtige Information:
- Wenn durch diese Medikamente eine Dyskinesie entsteht, kann sie gewöhnlich durch die Gabe einer Kapsel Diphenhydramin (Benadryl) rasch rückgängig gemacht werden.
- Bei Bedarf sollte die Medikamentendosis verringert oder auf ein anderes Medikament umgestellt werden.
Fazit:
Dyskinesien bei Krebserkrankungen können durch Medikamente, neurologisch wirksame Tumoren oder Strahlentherapie entstehen. Früherkennung, Anpassungen der Medikamente, gegebenenfalls medikamentöse und operative Ansätze sowie körperliche Unterstützungsmaßnahmen können eine wirksame Behandlung ermöglichen.
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