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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Wie kann die Körperfettverteilung das Krebsrisiko beeinflussen?

Wie kann die Körperfettverteilung das Krebsrisiko beeinflussen?
In diesem Artikel

Der Speicherort von Körperfett kann das Krebsrisiko bestimmen

Adipositas ist ein gut belegter Risikofaktor für zahlreiche Krebsarten, besonders für Brust-, kolorektalen (Darm-), Leber- und Endometriumkrebs (Gebärmutterschleimhaut) . Forschende betonen jedoch zunehmend, dass die alleinige Betrachtung der gesamten Fettmenge, etwa über den Body-Mass-Index (BMI), möglicherweise nicht ausreicht. Moderne epidemiologische und genetische Methoden zeigen, dass die Verteilung des Fetts im Körper für das Krebsrisiko mindestens ebenso wichtig ist wie die Gesamtfettmenge.

Eine 2025 im Journal of the National Cancer Instituteveröffentlichte umfassende Studie untersuchte mithilfe der Mendelschen Randomisierung systematisch mögliche ursächliche Zusammenhänge zwischen fünf unterschiedlichen Merkmalen der Fettverteilung und 12 adipositasassoziierten Krebsarten in einer genetischen Analyse.

Reicht der BMI allein aus?

Seit Jahren wird der Body-Mass-Index (BMI)als zentraler Parameter zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas verwendet. Da der Zusammenhang verschiedener Krebsarten mit Übergewicht bekannt ist, nutzen Behandelnde den BMI häufig zur Risikobeurteilung.

Die neue Studie legt jedoch nahe, dass der BMI allein zur Vorhersage des Krebsrisikos unzureichend sein könnte . Denn den Ergebnissen zufolge könnte die Frage, in welcher Körperregion Fett gespeichert wird, mindestens ebenso entscheidend sein wie der BMI.

Studienziel

Hauptziel war die Untersuchung der ursächlichen Wirkungen der folgenden fünf Fettverteilungsmerkmale:

  • Abdominales subkutanes Fett (ASAT): Unterhautfett am Bauch
  • Viszerales Fett (VAT): Fett um die inneren Organe
  • Gluteofemorales Fett (GFAT): Fett an Gesäß und Oberschenkeln
  • Leberfett
  • Bauchspeicheldrüsenfett

Untersucht wurden Endometrium-, Eierstock-, Brust-, Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber-, Nieren-, Schilddrüsen- und Gallenblasenkrebs, multiples Myelom, Ösophagusadenokarzinom und Meningeom.

Design und Methode

Die Untersuchung analysiert statt einer direkten klinischen Kohorte zusammengefasste Daten aus genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) mit der Methode der Mendelschen Randomisierung (MR) als genetischem Analyseansatz.

  • Design: Zwei-Stichproben-MR mit genetischen Varianten als Instrumentvariablen.
  • Exposition: Unabhängige GWAS-Daten für ASAT, VAT, GFAT, Leber- und Bauchspeicheldrüsenfett.
  • Ergebnisgröße: Risikoveränderung bei 12 verschiedenen Krebsarten.
  • Analyse: Für jedes Fettmerkmal wurde die Risikoveränderung als Odds Ratio je Standardabweichung geschätzt.
  • Mediationsanalyse: Einflüsse hormoneller und metabolischer Marker wie Insulin und SHBG wurden geprüft.
Hinweis: Die Mendelsche Randomisierung soll Verzerrungen von Beobachtungsstudien verringern und damit ursächliche Zusammenhänge besser erfassen. Im klinischen Kontext sind die Ergebnisse dennoch vorsichtig zu interpretieren.

Ergebnisse: Fettverteilung und Krebsrisiko

Fettverteilungsmerkmal Risiko ↑ (Zunahme) Risiko ↓ (Abnahme/Schutz) Kurze Erläuterung
ASAT Endometriumkrebs, Ösophagusadenokarzinom, Leberkrebs Brustkrebs (bestimmte Unterformen) Mehr Bauchunterhautfett geht mit erhöhtem Risiko einher; bei Brustkrebs heterogene Befunde.
VAT Leberkrebs — Fett um die inneren Organe ist mit Entzündungen und metabolischem Stress verbunden.
Leberfett Leberkrebs — Starker Zusammenhang zwischen Leberverfettung und hepatozellulärem Karzinom.
GFAT — Brustkrebs, Meningeom Fett an Gesäß und Oberschenkeln zeigte bei manchen Tumoren ein schützendes Signal.
Bauchspeicheldrüsenfett Unklar — Unzureichende Evidenz; weitere Studien sind erforderlich.
Klinische Botschaft: Bei der Krebsrisikobeurteilung sollten neben dem BMI auch Taillenumfang, viszerale Verfettung und Leberverfettung berücksichtigt werden. Mehr GFAT könnte zudem vor bestimmten Krebsarten schützen.

Klinische Folgerungen und Einschränkungen

  • Der BMI reicht nicht aus: Die Berücksichtigung der Fettverteilung könnte die Risikobeurteilung präzisieren.
  • Zentrale Adipositas ist entscheidend: Besonders ASAT, VAT und Leberfett liefern wichtige Risikosignale für Leber- und Endometriumkrebs.
  • GFAT und Schutzwirkung: Fettdepots an Gesäß und Oberschenkeln könnten durch Verminderung metabolischer Belastungen bei manchen Krebsarten risikosenkend wirken.
  • Einschränkungen: MR nähert sich einer Kausalitätsprüfung an, beseitigt Verzerrungen jedoch nicht vollständig. Die Studienpopulation ist überwiegend europäischer Herkunft. Bei einigen Krebsunterformen kann die statistische Aussagekraft begrenzt sein.

Fazit

Diese umfassende genetische Analyse zeigt, dass die Fettverteilung eine entscheidende Rolle für das Krebsrisiko spielt . Die Forschenden betonen, dass Messungen der Fettverteilung in Strategien zur Adipositasbehandlung und Krebsprävention einbezogen werden sollten.

„Die Beurteilung von Veränderungen der Fettverteilung könnte künftig ein wichtiges Instrument in der Adipositasbehandlung und Krebsprävention sein.“

Literatur

  1. Hazelwood E, et al. Adiposity distribution and risks of 12 obesity-related cancers: a Mendelian randomization analysis. JNCI. 2025. doi:10.1093/jnci/djaf201
  2. Hazelwood E, et al. Adiposity distribution and risks of twelve obesity-related cancers (preprint). medRxiv. 2025. doi:10.1101/2025.01.10.25320324
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