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Wussten Sie, dass soziale Medien Erwachsene REIZBARER machen?

Wussten Sie, dass soziale Medien Erwachsene REIZBARER machen?
In diesem Artikel

Soziale Medien sind ein fester Bestandteil des Lebens geworden. Ihre Auswirkungen auf die Stimmung werden jedoch zunehmend hinterfragt. Frühere Untersuchungen zeigten einen Zusammenhang der Nutzung mit depressiven Symptomen . Andere negative Gefühlszustände wie Reizbarkeit wurden dabei oft unzureichend berücksichtigt. Dieser Beitrag erläutert anhand einer am 8. Januar 2025 in  JAMA Network Open  veröffentlichten großen Befragung von 42.597 Erwachsenen den Zusammenhang zwischen sozialen Medien und  Reizbarkeit  im Einzelnen.


Studie zu sozialen Medien und Reizbarkeit

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Nutzungshäufigkeit und Reizbarkeit. Auch mögliche Einflussfaktoren wie Depression, Angst und politische Inhalte wurden berücksichtigt.

Methode:

  • Teilnehmende: 42.597 Erwachsene aus den 50 US-Bundesstaaten und Washington D.C. nahmen teil (Durchschnittsalter: 46 Jahre; 58,5% Frauen; 66,6% Weiße).
  • Datenerhebung: Die Onlinebefragung fand zwischen November 2023 und Januar 2024 statt.
  • Bewertungsinstrumente: Erfasst wurden die Nutzungshäufigkeit und die Gewohnheiten beim Veröffentlichen von Beiträgen. Die Reizbarkeit in den letzten zwei Wochen wurde mit dem „Brief Irritability Test“, einem kurzen Reizbarkeitstest, bewertet.
  • Variablen: Auch der Umgang mit politischen Inhalten sowie depressive und Angstsymptome wurden analysiert.

Ergebnisse: Zusammenhang zwischen sozialen Medien und Reizbarkeit

  1. Nutzungshäufigkeit:

    • 78,2% nutzten soziale Medien täglich. 24,9% verbrachten einen Großteil des Tages damit.
    • Bei häufiger Nutzung waren die Reizbarkeitswerte signifikant höher.
      • Bei mehrmals täglicher Nutzung lag der Wert um 0,38 Punkte höher (95%-Konfidenzintervall: 0,18-0,58); bei Nutzung über einen Großteil des Tages betrug der Anstieg 1,55 Punkte (95%-Konfidenzintervall: 1,32-1,78).
  2. Vergleich der Plattformen:

    • Höhere Reizbarkeitswerte zeigten sich bei der Nutzung von X (früher Twitter), TikTok, Instagram und Facebook. Besonders ausgeprägt war dies bei Personen, die einen Großteil des Tages auf diesen Plattformen verbrachten.
  3. Politische Inhalte:

    • Die Teilnahme an politischen Diskussionen ging mit mehr Reizbarkeit einher, während das bloße Verfolgen politischer Nachrichten mit einer leichten Abnahme verbunden war.
  4. Weitere Faktoren:

    • Auch nach Berücksichtigung depressiver und Angstsymptome blieb der Zusammenhang zwischen Nutzung und Reizbarkeit signifikant.

Reizbarkeit und ihre Folgen: Warum ist sie wichtig?

Reizbarkeit wird oft als Begleiterscheinung negativer Stimmungen wie Depression oder Angst betrachtet, hat aber auch eigenständige Auswirkungen. Sie wurde in Verbindung gebracht mit:

  • Schlechteren sozialen Beziehungen und geringerer Arbeitsleistung,
  • höherem Gewaltrisiko,
  • ungünstigeren Behandlungsergebnissen und vermehrten Suizidgedanken.

Deshalb ist die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen sozialen Medien und Reizbarkeit sowohl individuell als auch gesellschaftlich bedeutsam.


Einschränkungen bei der Einordnung

  • Kausalität: Aufgrund des Querschnittsdesigns lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob soziale Medien Reizbarkeit erhöhen oder umgekehrt reizbare Menschen häufiger soziale Medien nutzen.
  • Fehlende Inhaltsanalyse: Die Arten der konsumierten Inhalte wurden nicht detailliert untersucht.
  • Selbstauskunft: Selbstberichtete Daten können beispielsweise durch Erinnerungsverzerrungen beeinflusst sein.

Fazit und Empfehlungen

Die Studie zeigt, dass häufige Nutzung sozialer Medien signifikant mit Reizbarkeit verbunden ist. Insbesondere weniger Zeit in sozialen Medien und eine bewusstere Auswahl der Inhalte könnten die negativen Auswirkungen lindern. Politische Diskussionen zu meiden und soziale Medien vorwiegend zur Information zu nutzen, könnte eine wirksame Strategie sein.

Ein besseres Verständnis der emotionalen Nachteile sozialer Medien kann gesündere digitale Gewohnheiten fördern. Längerfristige, stärker inhaltsbezogene Untersuchungen können zur Entwicklung wirksamer Maßnahmen beitragen.

Quellen

Perlis RH, Uslu A, Schulman J, et al. Irritability and Social Media Use in US Adults. JAMA Netw Open. 2025;8(1):e2452807. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.52807
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