5 Tage SBRT bei Prostatakrebs sind ebenso wirksam wie herkömmliche Strahlentherapie über 5 Wochen

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Prostatakrebs gehört mit weltweit jährlich 1,9 Millionen Neuerkrankungen zu den häufigsten Krebsarten bei Männern. Da die meisten Erkrankungen früh erkannt werden, sind Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofil der Behandlungen in diesem Stadium besonders wichtig. Wirksame Therapien mit wenigen Nebenwirkungen spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Lebensqualität zu erhalten und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Für Patienten mit frühem, auf die Prostata begrenztem Krebs ist eine hypofraktionierte Strahlentherapie über 4 Wochen zu einer Standardbehandlung geworden. Sie soll mit höheren Dosen in weniger Sitzungen in kürzerer Zeit wirksame Ergebnisse erzielen als die herkömmliche fraktionierte Bestrahlung über 5-7 Wochen. Die kürzere Behandlungsdauer soll die Therapietreue verbessern und Nebenwirkungen möglichst gering halten.
Eine besonders kurze Option mit nur 5 Sitzungen ist die stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT) als ultrahypofraktionierte Behandlung. Sie verabreicht hohe Strahlendosen in deutlich weniger Sitzungen als herkömmliche oder moderat hypofraktionierte Verfahren und verkürzt damit die Behandlungsdauer erheblich.
Ob SBRT hinsichtlich eines biochemischen oder klinischen Versagens ebenso wirksam ist wie herkömmliche oder moderat hypofraktionierte Strahlentherapie, war bisher nicht eindeutig belegt. Eine am 16. Oktober 2024 im The New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichte neue multizentrische klinische Phase-3-Studie sollte Wirksamkeit und Sicherheit der SBRT bei lokalisiertem Prostatakrebs umfassend untersuchen.
Die PACE-B-Studie
Es handelt sich um eine internationale, offene, randomisierte, kontrollierte Phase-3-Studie. Patienten mit Prostatakrebs im Stadium T1 oder T2 , einem Gleason-Score von höchstens 3+4 und einem Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) unter 20 ng/mL wurden eingeschlossen.
Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 zufällig einer SBRT (36,25 Gy in 5 Fraktionen über 1 oder 2 Wochen) oder einer Kontrollbestrahlung (78 Gy in 39 Fraktionen über 7,5 Wochen beziehungsweise 62 Gy in 20 Fraktionen über 4 Wochen) zugeteilt.
Eine zusätzliche Androgensuppression war in der Studie nicht erlaubt.
Das Hauptziel war die Bewertung des Anteils der Patienten ohne biochemisches oder klinisches Versagen nach der Behandlung. Dabei wurde untersucht, ob etwa ein Anstieg des PSA-Werts (prostataspezifisches Antigen) oder ein klinisches Fortschreiten der Erkrankung auftrat. Die Studie sollte zeigen, dass SBRT gegenüber herkömmlicher oder moderat hypofraktionierter Bestrahlung nicht unterlegen ist (Non-Inferiority). Als kritische Grenze wurde eine Hazard Ratio (Risikoverhältnis) von 1,45 festgelegt. Das bedeutet, dass das Versagensrisiko in der SBRT-Gruppe gegenüber der herkömmlich bestrahlten Gruppe nicht um mehr als 45% steigen durfte.
Die Auswertung erfolgte in der Intention-to-treat-Population. Dabei werden alle Teilnehmer unabhängig von der tatsächlich erhaltenen Behandlung entsprechend ihrer zufälligen Gruppenzuteilung ausgewertet. Dieser Ansatz soll die Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen besser abbilden.
Ergebnisse
Zwischen August 2012 und Januar 2018 wurden an 38 Zentren insgesamt 874 Patienten randomisiert: 433 erhielten SBRT und 441 die Kontrollbestrahlung.
Das mediane Alter betrug 69,8 Jahre, der mediane PSA-Wert 8,0 ng/mL. Nach den Kriterien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) gehörten 8,4% zur niedrigen und 91,6% zur mittleren Risikogruppe.

Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 74 Monate. Nach 5 Jahren waren in der SBRT-Gruppe 95,8% (Konfidenzintervall [KI], 93,3–97,4%) und in der Kontrollgruppe 94,6% (KI, 91,9–96,4%) ohne biochemisches oder klinisches Versagen.
Die nicht adjustierte Hazard Ratio für biochemisches oder klinisches Versagen betrug 0,73 (90%-KI, 0,48–1,12; P=0,004). Damit wurde die Nichtunterlegenheit der SBRT gezeigt.

Zwischen den Gruppen unterschieden sich die Raten später urogenitaler Nebenwirkungen vom Grad 2 oder höher nach den Kriterien der Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) signifikant. Die kumulative Rate später urogenitaler, also die Harnwege betreffender Nebenwirkungen nach 5 Jahren lag in der SBRT-Gruppe bei 26,9% (KI, 22,8–31,5%) und in der Kontrollgruppe bei 18,3% (KI, 14,8–22,5%; P<0,001). Bei gastrointestinalen Nebenwirkungen wurde dagegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt (SBRT 10,7%, KI 8,1–14,2%; Kontrolle 10,2%, KI 7,7–13,5%; P=0,94).
Einordnung
Die Ergebnisse dieser klinischen Phase-3-Studie zeigen, dass SBRT in 5 Fraktionen hinsichtlich biochemischen oder klinischen Versagens ebenso wirksam ist wie die Kontrollbestrahlung. Sie kann somit für Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs und niedrigem oder mittlerem Risiko eine wirksame Behandlungsoption sein. Die urogenitale Toxizität war unter SBRT jedoch höher, was bei Therapieentscheidungen berücksichtigt werden sollte. Die Studie unterstreicht außerdem die Bedeutung langfristiger Nachbeobachtung, um Vor- und Nachteile der SBRT besser zu verstehen.
Quellen
N Engl J Med 2024;391:1413-1425
DOI: 10.1056/NEJMoa2403365
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