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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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ASCO 2024 – wichtige Fortschritte bei urogenitalen Krebserkrankungen

ASCO 2024 – wichtige Fortschritte bei urogenitalen Krebserkrankungen
In diesem Artikel

Die auf der ASCO-Jahrestagung 2024 vorgestellten Fortschritte in der urogenitalen Onkologie könnten Behandlungskonzepte grundlegend verändern. In diesem Beitrag betrachten wir einige besonders wichtige Studien.

Urogenitale Krebserkrankungen betreffen die Harnwege und Fortpflanzungsorgane. Dazu zählen unter anderem Prostata-, Blasen-, Nieren- und Hodenkrebs.

Anatomie der Harnwege und des Urothelsystems

Wirksamkeit von Nivolumab plus Gemcitabin/Cisplatin

CheckMate 901: Diese randomisierte, offene Phase-3-Studie beschreibt Patienten mit metastasiertem Urothelkarzinom und ausschließlich Lymphknotenmetastasen, die unter Nivolumab plus Gemcitabin/Cisplatin oder Gemcitabin/Cisplatin allein vollständig ansprachen. Die ersten, auf der ESMO 2023 vorgestellten und im New England Journal of Medicine veröffentlichten Daten zeigten unter der Kombination signifikante Verbesserungen beim progressionsfreien Überleben (PFS) und beim Gesamtüberleben (Abstract 4509).

Ergebnisse: Im experimentellen Arm erreichten 21,7% und im Kontrollarm 11,8% ein vollständiges Ansprechen. Bei 52% der vollständig Ansprechenden lagen ausschließlich Lymphknotenmetastasen vor. Gemcitabin/Cisplatin plus Nivolumab verringerte das Progressions- oder Sterberisiko um 62% und das Sterberisiko um 42%. Das mediane Gesamtüberleben betrug im experimentellen Arm 46,3 Monate, im Kontrollarm 24,9 Monate.

Bewertung von Enfortumab Vedotin plus Pembrolizumab

EV-302: Diese Studie zeigte die Überlegenheit von Enfortumab Vedotin plus Pembrolizumab gegenüber Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom.

Ergebnisse: Die Kombination verlängerte nicht nur das Überleben, sondern verbesserte auch Lebensqualität und Funktionsfähigkeit. Bei Schmerzprogression und Schmerzstärke wurden signifikante Verbesserungen berichtet. Gegenüber platinbasierter Chemotherapie wurden somit sowohl das Überleben als auch Lebensqualität und Funktionen verbessert (Abstract 4502).

Wirksamkeit von Trastuzumab Deruxtecan

DESTINY-PanTumor02: Untersucht wurde Trastuzumab Deruxtecan bei HER2-positiven soliden, aus Gewebe und Organen hervorgehenden Tumoren. In der Blasenkrebsuntergruppe wurden eine objektive Ansprechrate von 39% und eine mediane Ansprechdauer von 8,7 Monaten erreicht (Abstract 4565).

Ergebnisse: Bei 41 Patienten betrug nach einer medianen Nachbeobachtung von 12,6 Monaten die objektive Ansprechrate 39%, das mediane PFS 7 Monate und die mediane Ansprechdauer 8,7 Monate. Bei 41,5% traten medikamentenbedingte Nebenwirkungen des Grades 3 oder höher auf. Eine interstitielle Lungenerkrankung oder Pneumonitis trat bei etwa 4 Patienten auf. In der HER2-3+-Gruppe betrug die objektive Ansprechrate 56,3%.

Prostatakrebs: Auswirkungen von EMBARK auf die Lebensqualität

EMBARK: Untersucht wurden die Auswirkungen einer PSA-abhängigen Behandlungspause unter Enzalutamid plus Leuprolid auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei nicht metastasiertem kastrationssensitivem Prostatakrebs. EMBARK ist eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-3-Studie bei dieser Erkrankung mit biochemischem Hochrisikorezidiv, also PSA-Anstieg. Ein wichtiger Aspekt sind Behandlungspausen nach einer bestimmten Therapiedauer bei ansprechenden Patienten, abhängig vom PSA-Wert. Dafür wurden die PSA-Werte in Woche 37 bestimmt. Nach radikaler Prostatektomie: Die Behandlung wurde wieder aufgenommen, wenn der PSA-Wert über 2 ng/ml stieg. Ohne radikale Prostatektomie: Die Behandlung wurde wieder aufgenommen, wenn der PSA-Wert über 5 ng/ml stieg (Abstract 5005).

Ergebnisse: Die Behandlungspause führte bei ansprechenden Patienten zu klinisch bedeutsamen Verbesserungen. Die sexuelle Aktivität verbesserte sich unter Enzalutamid plus Leuprolid deutlich. Eine Behandlungspause erfolgte bei 90,9% unter der Kombination, bei 85,9% unter Enzalutamid allein und bei 67,8% unter Leuprolid allein. Nach der Unterbrechung verbesserte sich bei diesen Patienten die Lebensqualität signifikant. EMBARK zeigt damit positive Auswirkungen einer PSA-abhängigen Pause auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei ansprechenden Patienten und ihr Potenzial, die Lebensqualität während der Prostatakrebsbehandlung zu verbessern. 

Ausgangs-ctDNA bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs

PSMAfore: Diese randomisierte Phase-3-Studie vergleicht 177Lu-PSMA-617 mit einem Wechsel des Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitors (ARPI) bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC). Vor der Behandlung wurden der Anteil zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) und Veränderungen wichtiger Treibergene (AR, TP53, PTEN) untersucht. Bei einem ctDNA-Anteil >1% waren in beiden Armen – unter 177Lu-PSMA-617 und unter ARPI-Wechsel – das radioaktive progressionsfreie Überleben (rPFS) kürzer und die PSA50- sowie RECIST-Ansprechraten niedriger. Veränderungen dieser Gene waren außerdem unabhängig vom Behandlungsarm mit schlechteren klinischen Ergebnissen verbunden (Abstract 5008).

Fazit: PSMAfore zeigt, dass ein hoher ctDNA-Anteil sowie Veränderungen in AR, TP53 und PTEN bei mCRPC mit schlechteren Ergebnissen verbunden sind. Diese Merkmale könnten wichtige Biomarker für Therapieansprechen und Progression sein und künftig klinische Entscheidungen unterstützen.

Nierenkrebs: metastasiertes chromophobes Nierenzellkarzinom

Retrospektive Analyse: Verglichen wurden verschiedene Erstlinienbehandlungen beim metastasierten chromophoben Nierenzellkarzinom. Zielgerichtete Zweifachkombinationen waren mit längerem Überleben als Monotherapien verbunden (Abstract 4512).

Ergebnisse: Die Untersuchung umfasste 99 Patienten. Zweifachkombinationen mit zielgerichteten Wirkstoffen ergaben gegenüber Monotherapie ein um 52% niedrigeres Risiko für Behandlungsversagen und ein um 44% niedrigeres Sterberisiko. Bei Zweifachkombinationen mit Immuntherapie betrug die mediane Zeit bis zum Behandlungsversagen 15 Monate und das mediane Gesamtüberleben 56 Monate.

Pembrolizumab plus platinbasierte Chemotherapie bei fortgeschrittenem Peniskrebs

HERCULES: Untersucht wurde die Erstlinienwirksamkeit von Pembrolizumab plus platinbasierter Chemotherapie bei fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom des Penis (Abstract 5009).

Ergebnisse: Die Kombination erzielte eine objektive Ansprechrate von 39,4% und ein gutes Sicherheitsprofil. Hohe Tumormutationslast und HPV16-Positivität erwiesen sich als mögliche Marker der Wirksamkeit.

Fazit

Die auf der ASCO-Jahrestagung 2024 vorgestellten Studien bringen wichtige Fortschritte bei der Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten und der Verbesserung der Lebensqualität bei urogenitalen Krebserkrankungen. Solche Neuerungen sind bedeutende Schritte zur weltweiten Optimierung der Versorgung.

DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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