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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Blasenkrebs: Durvalumab + EV rund um die Operation senkt das Ereignisrisiko um 49 % und das Sterberisiko um 42 % – VOLGA-Ergebnisse beim ESMO 2026

Blasenkrebs: Durvalumab + EV rund um die Operation senkt das Ereignisrisiko um 49 % und das Sterberisiko um 42 % – VOLGA-Ergebnisse beim ESMO 2026
In diesem Artikel

VOLGA: Verbessern Durvalumab plus Enfortumab Vedotin rund um die Operation die Ergebnisse bei muskelinvasivem Blasenkrebs?

Medizinischer Inhalt geprüft von Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Letzte Aktualisierung: Oktober 2026

Die Phase-3-Studie VOLGA, vorgestellt im ESMO-2026-Presidential-Symposium I (LBA2) und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht, prüfte Durvalumab plus Enfortumab Vedotin (EV) rund um die radikale Zystektomie bei muskelinvasivem Blasenkrebs, wenn Cisplatin nicht infrage kommt oder abgelehnt wird. Gegenüber Operation (± adjuvante Therapie) sank das Ereignisrisiko um 49 % (HR 0,51) und das Sterberisiko um 42 % (HR 0,58). Eine Zulassung liegt nicht vor.

Kurzantwort · Ärztliche Zusammenfassung
  • Primärer Endpunkt (ereignisfreies Überleben): HR 0,51 (95-%-KI 0,38–0,67; p<0,0001). Median nicht erreicht vs. 12,1 Monate; nach 24 Monaten waren 64 % vs. 45 % ereignisfrei: absoluter Unterschied 19 Punkte, also etwa ein verhindertes Ereignis bei 5 Patienten nach 2 Jahren.
  • Gesamtüberleben (wichtiger sekundärer Endpunkt, Zwischenanalyse): HR 0,58 (95-%-KI 0,40–0,83; p=0,0027); Gesamtüberleben nach 24 Monaten 78 % vs. 69 % (9 Punkte). Pathologische Komplettremission 45 % vs. 10 % (lokale Beurteilung).
  • Triplett mit Tremelimumab: HR für EFS 0,61 (95-%-KI 0,47–0,80), das Gesamtüberleben war jedoch nicht signifikant (HR 0,77; 95-%-KI 0,54–1,07; p=0,123) bei höherer Toxizität. Im Fokus steht daher die Kombination Durvalumab + EV.
  • Grenzen: offene Studie, geplante Zwischenanalyse, medianes EFS-Follow-up 22,9 Monate; Kontrollarm war Operation (± adjuvant), nicht Pembrolizumab + EV; unerwünschte Ereignisse Grad 3–4 jeder Ursache 64 % vs. 44 %. Noch nicht zugelassen (FDA Priority Review).

Warum ist das wichtig?

Bis zur Hälfte der Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs kann keine Cisplatin-haltige Chemotherapie erhalten (Aussage des koordinierenden Prüfarztes der Studie). Für sie ist die alleinige radikale Zystektomie seit langem Standard, und Rezidive nach der Operation sind häufig: In VOLGA betrug das mediane ereignisfreie Überleben im Kontrollarm nur 12,1 Monate. Eine wirksame Behandlung vor und nach der Operation ist daher ein großer ungedeckter Bedarf.

Es ist nicht das erste perioperative Schema aus Immuntherapie und Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Die FDA ließ Pembrolizumab + EV am 21. November 2025 für Cisplatin-ungeeignete Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs zu (KEYNOTE-905: EFS-HR 0,40, OS-HR 0,50 gegenüber alleiniger Operation) und weitete die Zulassung am 10. Juli 2026 auf alle Zystektomie-Kandidaten aus (KEYNOTE-B15: EFS-HR 0,53, OS-HR 0,65 gegenüber Gemcitabin + Cisplatin). VOLGA prüft einen anderen Checkpoint-Inhibitor, den PD-L1-Antikörper Durvalumab, mit nur drei neoadjuvanten EV-Zyklen. AstraZeneca bezeichnet es als dritte positive Auswertung beim Blasenkrebs; die FDA gewährte am 25. September 2026 eine Priority Review.

Wie werden Durvalumab plus Enfortumab Vedotin bei muskelinvasivem Blasenkrebs gegeben?

In VOLGA erhielten Patienten, die Cisplatin nicht erhalten konnten oder wollten, drei Zyklen Durvalumab plus EV vor der radikalen Zystektomie und danach neun Zyklen Durvalumab. Gegenüber alleiniger Operation oder zugelassener adjuvanter Therapie sank das Ereignisrisiko um 49 % und das Sterberisiko um 42 %. Das Schema ist noch nicht zugelassen.

Wie wurde die VOLGA-Studie durchgeführt?

VOLGA ist eine randomisierte, offene Phase-3-Studie (NCT04960709). Die Patienten wurden 1:1:1 auf zwei experimentelle Schemata oder auf die Operation randomisiert.

Merkmal Einzelheiten
Design Phase 3, Randomisierung 1:1:1, offen, multizentrisch; 182 Zentren in 25 Ländern
Patienten 695 Patienten: 233 Durvalumab + EV, 233 Durvalumab + Tremelimumab + EV, 229 Kontrolle
Population Muskelinvasiver Blasenkrebs (cT2–T4aN0/1M0 oder cT1N1M0), Kandidaten für radikale Zystektomie, Cisplatin-ungeeignet oder ablehnend; ECOG 0–2; keine vorherige systemische Therapie der muskelinvasiven Erkrankung
Durvalumab + EV Vor der Operation: 3 Zyklen Durvalumab 1500 mg + EV 1,25 mg/kg alle 3 Wochen; radikale Zystektomie; danach: 9 Zyklen Durvalumab
Durvalumab + Tremelimumab + EV Dasselbe Schema plus Tremelimumab: 2 Zyklen vor und 1 Zyklus nach der Operation
Kontrolle Radikale Zystektomie, danach Beobachtung oder lokal zugelassene adjuvante Therapie
Primäre Endpunkte Ereignisfreies Überleben (verblindete unabhängige zentrale Beurteilung) je experimentellem Arm gegenüber Kontrolle. Ereignisse: Rezidiv nach Zystektomie, Progression bzw. Ausbleiben der Zystektomie bei Resterkrankung oder Tod jeder Ursache
Wichtige sekundäre Endpunkte Gesamtüberleben; außerdem pathologische Komplettremission, krankheitsfreies Überleben, pathologisches Downstaging, Sicherheit
Analyse Erste geplante Zwischenanalyse, Datenschnitt 2. März 2026; medianes EFS-Follow-up 22,9 Monate

Abbildung 1 · Wie waren die Arme aufgebaut?

VOLGA-Studienablauf (vereinfacht)

Cisplatin-ungeeignet oder ablehnendMuskelinvasiver Blasenkrebs (Zystektomie)↓Randomisierung (1:1:1)↓Durvalumab + EV (n=233)Vor der OP: 3 Zyklen Durvalumab + EVRadikale ZystektomieNach der OP: 9 Zyklen DurvalumabDurvalumab + Tremelimumab + EV (n=233)Vor der OP: 3 Zyklen D + EV + 2 Zyklen TRadikale ZystektomieNach der OP: 9 Zyklen D + 1 Zyklus TKontrolle (n=229)Radikale Zystektomie, dann Beobachtungoder lokal zugelassene adjuvante TherapiePrimärer Endpunkt: ereignisfreies ÜberlebenWichtiger sekundärer Endpunkt: Gesamtüberleben
Lesehilfe: Das hervorgehobene Feld ist der Arm Durvalumab + EV, auf dem dieser Beitrag liegt; D = Durvalumab, T = Tremelimumab, EV = Enfortumab Vedotin. Beide experimentellen Arme wurden mit demselben Kontrollarm verglichen. Die Abbildung ist aus den Aussagen im Text abgeleitet.

Wie waren die Ergebnisse zu Überleben und Ansprechen?

Alle folgenden Vergleiche erfolgen zwischen Armen derselben Studie und sind daher direkt. Farbige Balken zeigen Durvalumab + EV, der dunkle Balken das Triplett mit Tremelimumab, graue Balken den Kontrollarm.

Wirksamkeit nach 12 und 24 Monaten und pathologisches Ansprechen

VOLGA · Zwischenanalyse

Ereignisfreies Überleben · 24 Monate

Durvalumab + EV64 %
Durvalumab + Tremelimumab + EV60 %
Kontrolle (OP ± adjuvant)45 %

Ereignisfreies Überleben · 12 Monate

Durvalumab + EV73 %
Kontrolle (OP ± adjuvant)50 %

Gesamtüberleben · 24 Monate

Durvalumab + EV78 %
Kontrolle (OP ± adjuvant)69 %

Pathologische Komplettremission (lokale Beurteilung)

Durvalumab + EV45 %
Kontrolle (OP ± adjuvant)10 %

Für EFS nach 12 Monaten, Gesamtüberleben nach 24 Monaten und pCR lagen nur Werte für Durvalumab + EV vs. Kontrolle vor; Werte des Triplett-Arms wurden nicht berichtet. Beide experimentellen Arme teilen sich denselben Kontrollarm.

Endpunkt Durvalumab + EV vs. Kontrolle Durvalumab + Tremelimumab + EV vs. Kontrolle
Ereignisfreies Überleben (primär) HR 0,51 (0,38–0,67); p<0,0001 HR 0,61 (0,47–0,80); p=0,0004
Medianes EFS Nicht erreicht (95-%-KI 33,2–nicht berechenbar) vs. 12,1 Monate (7,6–27,0) Nicht berichtet
EFS-Ereignisse 84 (36 %) vs. 123 (54 %) Nicht berichtet
EFS nach 12 Monaten 73 % vs. 50 % Nicht berichtet
EFS nach 24 Monaten 64 % vs. 45 % 60 % vs. 45 %
Gesamtüberleben (wichtig sekundär) HR 0,58 (0,40–0,83); p=0,0027 HR 0,77 (0,54–1,07); p=0,123 (nicht signifikant)
Todesfälle 49 (21 %) vs. 74 (32 %) Nicht berichtet
Gesamtüberleben nach 24 Monaten 78 % vs. 69 % Nicht berichtet
Pathologische Komplettremission 45 % (95-%-KI 38,6–51,7) vs. 10 % (6,1–14,2) Nicht berichtet

Das mediane Gesamtüberleben wurde in keinem Arm erreicht. Es handelt sich um eine geplante Zwischenanalyse; das Follow-up läuft weiter. Die pathologische Komplettremission wurde lokal beurteilt und ist ein sekundärer Endpunkt.

Was zeigte die Analyse der zirkulierenden Tumor-DNA?

In einer explorativen Analyse bei 112 Patienten verschwand bei 60 % derjenigen mit nachweisbarer zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) zu Beginn diese vor der Operation. Ihr ereignisfreies Überleben nach 24 Monaten lag bei 81 %, gegenüber 55 % bei persistierender ctDNA. Die Analyse war nicht randomisiert und ist hypothesengenerierend; sie sollte nicht für Behandlungsentscheidungen genutzt werden.

Brachte die Zugabe von Tremelimumab einen Nutzen?

Auch die Zugabe des CTLA-4-Inhibitors Tremelimumab verbesserte das ereignisfreie Überleben gegenüber der Kontrolle (HR 0,61), das Gesamtüberleben war in dieser Zwischenanalyse jedoch nicht signifikant besser (HR 0,77; 95-%-KI 0,54–1,07; p=0,123). Das Triplett war zudem toxischer: unerwünschte Ereignisse Grad 3–4 jeder Ursache bei 70 % (Duplett 64 %), möglicherweise therapiebedingte Ereignisse Grad 3–4 bei 42 % (30 %) und therapiebedingte Ereignisse mit tödlichem Ausgang bei 5 Patienten (2 %) vs. 1 Patient (0,4 %).

Der vortragende Prüfarzt vermutete, dass die zusätzliche Toxizität den geringeren Gewinn beim Gesamtüberleben erklären könnte; das ist eine Interpretation, kein geprüfter Befund, und die beiden experimentellen Arme wurden nicht als primärer Endpunkt direkt miteinander verglichen. Die Prüfärzte stellten die Kombination Durvalumab + EV als potenziellen neuen Behandlungsstandard dar.

Erreichten die Patienten dennoch die Operation und schlossen die Behandlung ab?

Da die Behandlung vor der Operation beginnt, ist wichtig, ob die Patienten die Zystektomie noch erreichen. Im Duplett-Arm waren es 85 %, im Kontrollarm 78 %. Die adjuvante Phase schlossen nur etwa die Hälfte ab.

Maß Durvalumab + EV Durvalumab + Tremelimumab + EV Kontrolle
Radikale Zystektomie durchgeführt 85 % 79 % 78 %
Adjuvante Therapie abgeschlossen 55 % 42 % Nicht berichtet

Welche Nebenwirkungen treten während der Behandlung am häufigsten auf?

Die Prüfärzte beschrieben die Sicherheitsprofile als vereinbar mit denen der Einzelsubstanzen, ohne neues Sicherheitssignal. Schwere Ereignisse waren unter den experimentellen Schemata deutlich häufiger als unter alleiniger Operation.

Schwere und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse

VOLGA · Zwischenanalyse

Unerwünschte Ereignisse Grad 3–4 (jede Ursache)

Durvalumab + EV64 %
Durvalumab + Tremelimumab + EV70 %
Kontrolle (OP ± adjuvant)44 %

Möglicherweise therapiebedingte Ereignisse Grad 3–4

Durvalumab + EV30 %
Durvalumab + Tremelimumab + EV42 %

Schwerwiegende, möglicherweise therapiebedingte Ereignisse

Durvalumab + EV20 %
Durvalumab + Tremelimumab + EV31 %

Möglicherweise therapiebedingte Ereignisse mit tödlichem Ausgang

Durvalumab + EV0,4 %
Durvalumab + Tremelimumab + EV2 %

Nur die erste Gruppe enthält den Kontrollarm; für therapiebedingte Ereignisse wurde der Kontrollarm nicht berichtet. Rote Balken markieren schwere Ereignisse, die Aufmerksamkeit erfordern. Die Vergleiche erfolgen innerhalb derselben Studie.

Maß Durvalumab + EV Durvalumab + Tremelimumab + EV Kontrolle
Unerwünschte Ereignisse Grad 3–4, jede Ursache 64 % 70 % 44 %
Möglicherweise therapiebedingte Ereignisse Grad 3–4 30 % 42 % Nicht berichtet
Schwerwiegende, möglicherweise therapiebedingte Ereignisse 20 % 31 % Nicht berichtet
Möglicherweise therapiebedingte Ereignisse mit tödlichem Ausgang 1 Patient (0,4 %) 5 Patienten (2 %) Nicht berichtet
Immunvermittelte unerwünschte Ereignisse* 33 % Nicht berichtet 3 %
Therapieabbruch wegen eines unerwünschten Ereignisses* 21 % Nicht berichtet Nicht berichtet

*Aus einer einzigen Sekundärquelle berichtet. Laut AstraZeneca blieb die von Patienten berichtete Lebensqualität nach der Operation im Duplett-Arm erhalten. Die Quellen schlüsseln Enfortumab-Vedotin-spezifische Ereignisse wie periphere Neuropathie und Hautreaktionen nicht auf; diese erfordern bekanntermaßen eine Überwachung und sollten in der Vollpublikation geprüft werden.

Wie lassen sich diese Ergebnisse mit anderen perioperativen EV-Schemata vergleichen?

Zwei Pembrolizumab-+-EV-Schemata sind bereits von der FDA zugelassen. Die Tabelle stellt die drei Studien nebeneinander, sie sind jedoch nicht direkt vergleichbar.

Studie Vergleich und Population EFS-HR (95-%-KI) OS-HR (95-%-KI) Zulassungsstatus
KEYNOTE-905 / EV-303 (n=344) Pembrolizumab + EV vs. alleinige Operation; Cisplatin-ungeeignet oder ablehnend 0,40 (0,28–0,57) 0,50 (0,33–0,74) FDA-Zulassung 21. Nov. 2025
KEYNOTE-B15 / EV-304 (n=808) Pembrolizumab + EV vs. Gemcitabin + Cisplatin; Cisplatin-geeignet 0,53 (0,41–0,70) 0,65 (0,48–0,89) FDA-Zulassung 10. Juli 2026 (alle Zystektomie-Kandidaten)
VOLGA (n=462 in Duplett- und Kontrollarm) Durvalumab + EV vs. Operation ± adjuvant; Cisplatin-ungeeignet oder ablehnend 0,51 (0,38–0,67) 0,58 (0,40–0,83) Nicht zugelassen; FDA Priority Review 25. Sept. 2026

Der Vergleich ist indirekt: andere Checkpoint-Inhibitoren, Kontrollarme, Populationen und Follow-up-Zeiten. Keine Studie hat Durvalumab + EV direkt mit Pembrolizumab + EV verglichen; welches Schema besser ist, lässt sich daher nicht beurteilen.

Was ist gesichert und was bleibt unsicher?

Abbildung 2 · Evidenzkarte

VOLGA, ESMO 2026 LBA2

Ereignisfreies Überleben · Durvalumab + EVHR 0,51 · 24 Monate 64 % / 45 %Gesamtüberleben · Durvalumab + EV (Zwischen.)HR 0,58 · 24 Monate 78 % / 69 %Triplett mit TremelimumabEFS-HR 0,61 · OS nicht signifikant (HR 0,77)Sicherheit und längeres Follow-upGrad 3–4: 64 % / 44 % · Follow-up läuftZulassung und Vergleich mit Pembro + EVNicht zugelassen · keine direkte Studie
Lesehilfe: Grüne Felder sind in der Studie statistisch gezeigte Ergebnisse; das weiße Feld fasst einen sekundären Befund zusammen; gestrichelte graue Felder sind noch nicht gezeigte oder unsichere Punkte. Die Abbildung ist aus den überprüften Aussagen im Text abgeleitet.
Verfügbarkeit und Zulassungsstatus
  • Zulassung: Durvalumab + EV für muskelinvasiven Blasenkrebs ist nirgendwo zugelassen. Die FDA gewährte am 25. September 2026 eine Priority Review für Patienten, die Cisplatin nicht erhalten können oder wollen, mit Entscheidungstermin im vierten Quartal 2026; in der EU, Japan und weiteren Ländern werden die Anträge geprüft (OncLive).
  • Zugelassene Alternativen: Pembrolizumab + EV ist als perioperatives Schema von der FDA seit November 2025 (Cisplatin-ungeeignet) und Juli 2026 (alle Zystektomie-Kandidaten) zugelassen. Verfügbarkeit und Erstattung unterscheiden sich je nach Land und müssen vor Ort geprüft werden.
  • Zugang: Die Quellen nennen keinen Zugangsweg außerhalb klinischer Studien.
  • Was sollten Patienten tun? Die Behandlung des muskelinvasiven Blasenkrebses wird im interdisziplinären Tumorboard nach Stadium, Nierenfunktion, Cisplatin-Eignung und Allgemeinzustand geplant. Besprechen Sie mit Ihrem Onkologen und Urologen, welche Optionen derzeit verfügbar sind.

Häufig gestellte Fragen

Sind Durvalumab plus Enfortumab Vedotin jetzt verfügbar?
Nicht als zugelassene Behandlung. Die FDA gewährte am 25. September 2026 eine Priority Review mit Entscheidungstermin im vierten Quartal 2026, in anderen Regionen werden Anträge geprüft. Zugelassene Alternativen wie Pembrolizumab + EV gibt es in einigen Ländern.
Verbesserte es das Gesamtüberleben oder nur das Rezidivrisiko?
In dieser Zwischenanalyse wurden beide verbessert: ereignisfreies Überleben HR 0,51 und Gesamtüberleben HR 0,58 (Gesamtüberleben nach 24 Monaten 78 % vs. 69 %). Das Follow-up läuft weiter; der Kontrollarm war Operation mit oder ohne adjuvante Therapie.
Ist es besser als Pembrolizumab plus EV?
Unbekannt. Keine Studie hat die beiden Schemata direkt verglichen; die Studien unterscheiden sich in Populationen, Kontrollarmen und Follow-up, sodass ein indirekter Vergleich unzuverlässig ist.
Was sind die wichtigsten Nebenwirkungen?
Unerwünschte Ereignisse Grad 3–4 jeder Ursache traten bei 64 % der Patienten mit Durvalumab + EV auf, gegenüber 44 % bei alleiniger Operation. Möglicherweise therapiebedingte Ereignisse Grad 3–4 lagen bei 30 %; ein therapiebedingtes Ereignis hatte einen tödlichen Ausgang (0,4 %).

Glossar

Perioperative Therapie
Behandlung vor (neoadjuvant) und nach (adjuvant) der Operation.
Radikale Zystektomie
Operative Entfernung der Harnblase und benachbarter Gewebe.
Ereignisfreies Überleben (EFS)
Zeit von der Randomisierung bis zu Rezidiv, Progression, Ausbleiben der Operation oder Tod jeder Ursache.
Pathologische Komplettremission (pCR)
Kein vitaler Tumor im Operationspräparat nach der präoperativen Behandlung.
Enfortumab Vedotin (EV)
Ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das ein zellabtötendes Mittel zu Zellen mit dem Protein Nectin-4 bringt.
Immun-Checkpoint-Inhibitor
Ein Arzneimittel wie Durvalumab (PD-L1) oder Tremelimumab (CTLA-4), das die Bremsen des Immunsystems löst.
Hazard Ratio (HR)
Ein Wert unter 1 bedeutet ein geringeres Ereignisrisiko im experimentellen Arm; 0,51 entspricht einem etwa 49 % niedrigeren Risiko.

DROZDOGAN Akademie-Kommentar

VOLGA zeigt, dass ein zweites perioperatives Schema aus Immuntherapie und EV das ereignisfreie und das Gesamtüberleben gegenüber der Operation bei Patienten ohne Cisplatin-Option verbessern kann, sagt aber nicht, welches Schema das beste ist.

⚡ Warum es wichtig ist

Für Patienten, die Cisplatin nicht erhalten können, war die alleinige Operation die Schwachstelle der Blasenkrebsversorgung. VOLGA ergänzt die Erfahrung mit Pembrolizumab + EV um einen zweiten positiven randomisierten Datensatz und stützt die Vorstellung, dass perioperative Immuntherapie plus Antikörper-Wirkstoff-Konjugat ein Klasseneffekt und kein Einzelbefund eines Wirkstoffs ist.

✅ Stärken

Randomisiertes Phase-3-Design; 695 Patienten; verblindete zentrale Beurteilung des primären Endpunkts; signifikantes Gesamtüberleben bereits in der ersten Zwischenanalyse; einheitliche Richtung bei ereignisfreiem Überleben, pathologischem Ansprechen und Überleben; die Operationsrate sank nicht.

⚠️ Einschränkungen

Offenes Design, Zwischenanalyse und ein medianes EFS-Follow-up von nur 22,9 Monaten. Der Kontrollarm (Operation mit oder ohne adjuvante Therapie) unterscheidet sich von Pembrolizumab + EV, das inzwischen eine zugelassene perioperative Option ist; VOLGA kann daher keine Überlegenheit gegenüber diesem Schema zeigen. Das Triplett erhöhte die Toxizität ohne signifikanten Gewinn beim Gesamtüberleben, und mehrere Sicherheitsdetails stammen aus einer einzigen Sekundärquelle.

🩺 In der Praxis

Das Schema ist nicht zugelassen und daher heute kein verfügbarer Standard. Bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs ohne Cisplatin-Option sollten die zugelassenen perioperativen Optionen und klinische Studien im Tumorboard besprochen werden.

❓ Offene Fragen

Wie schneidet Durvalumab + EV im Vergleich zu Pembrolizumab + EV ab? Ist bei Patienten mit Komplettremission ein blasenerhaltendes Vorgehen möglich? Wie ist die lange adjuvante Phase zu handhaben, die nur 55 % abschlossen? Wie sehen periphere Neuropathie und Hauttoxizität in der Vollpublikation aus, und wie dauerhaft ist der Überlebensvorteil?

Fazit: Ein starkes, praxisrelevantes Phase-3-Ergebnis für Cisplatin-ungeeignete Patienten; sein Stellenwert gegenüber dem bereits zugelassenen Pembrolizumab + EV muss erst bestimmt werden.

Transparenzhinweis
  • Dieser Beitrag wurde im Oktober 2026 erstellt.
  • Die Zahlen stammen aus der Pressemitteilung von AstraZeneca vom 24. Oktober 2026 (abgerufen über eine Kopie der Business-Wire-Mitteilung) sowie aus Berichten von Targeted Oncology und OncoDaily über die ESMO-2026-Präsentation LBA2 von T. Powles (24. Oktober 2026). Laut AstraZeneca wurden die Ergebnisse zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht; auf den Volltext konnte nicht zugegriffen werden.
  • Pathologische Komplettremission, Operations- und Adjuvanz-Abschlussraten, therapiebedingte Ereignisraten, Ergebnisse des Triplett-Arms, Raten immunvermittelter Ereignisse und von Therapieabbrüchen, die ctDNA-Analyse und die Dosierungen stammen aus einer einzigen Sekundärquelle (Targeted Oncology oder OncoDaily) und wurden nicht anhand der Vollpublikation bestätigt.
  • Die Daten stammen aus einer von einem Unternehmen (AstraZeneca) gesponserten Studie. Die Begriffe „praxisverändernd“ und „potenzieller neuer Behandlungsstandard“ sind Aussagen des Prüfarztes und des Unternehmens. Die Studie ist offen; Pembrolizumab + EV war kein Vergleichsarm.
  • Frühe Topline-Berichte beschrieben die primären und sekundären Endpunkte etwas anders; dieser Beitrag folgt der Berichterstattung zur ESMO-Sitzung und der AstraZeneca-Mitteilung (primär: ereignisfreies Überleben; Gesamtüberleben: wichtiger sekundärer Endpunkt).
  • Die Diagramme zeigen nur direkte Vergleiche zwischen Armen derselben Studie; der Vergleich mit KEYNOTE-905 und KEYNOTE-B15 ist indirekt und dient nur dem Kontext.
  • Die Abbildungen sind aus überprüften Aussagen im Text abgeleitet und enthalten keine neuen Daten. Der Akademie-Kommentar stammt von uns.

Quellen

  1. AstraZeneca. Perioperative IMFINZI (durvalumab) plus neoadjuvant enfortumab vedotin reduced risk of recurrence by 49% and risk of death by 42% in muscle-invasive bladder cancer (VOLGA). Press release, 24 Oct 2026 (copy of the Business Wire release). https://www.stocktitan.net/news/AZN/perioperative-imfinzi-durvalumab-plus-neoadjuvant-enfortumab-vedotin-9jna54od13cc.html
  2. AstraZeneca. Perioperative Imfinzi plus neoadjuvant EV showed statistically significant and clinically meaningful improvements in EFS and OS in the Phase III VOLGA trial. Press release, 14 May 2026. https://www.astrazeneca.com/media-centre/press-releases/2026/imfinzi-ev-improves-efs-os-in-bladder-cancer.html
  3. Powles T, et al. Perioperative durvalumab with or without tremelimumab plus neoadjuvant enfortumab vedotin in muscle-invasive bladder cancer: results from the Phase 3 VOLGA trial. ESMO Congress 2026, Madrid, Presidential Symposium I, LBA1/LBA2 session, abstract LBA2, 24 Oct 2026; simultaneous publication in N Engl J Med 2026 (per AstraZeneca).
  4. Targeted Oncology. ESMO 2026 Presidential Symposium I late-breaking recap (VOLGA, LBA2). Oct 2026. https://www.targetedonc.com/view/esmo-2026-presidential-symposium-i-late-breaking-recap
  5. OncoDaily. VOLGA at ESMO 2026: perioperative durvalumab with or without tremelimumab plus enfortumab vedotin in MIBC. Oct 2026. https://oncodaily.com/genitourinary-oncology/volga-esmo-2026
  6. OncLive. FDA grants priority review to perioperative durvalumab plus neoadjuvant enfortumab vedotin in MIBC. 25 Sep 2026. https://www.onclive.com/view/fda-grants-priority-review-to-perioperative-durvalumab-plus-neoadjuvant-enfortumab-vedotin-in-mibc
  7. U.S. Food and Drug Administration. FDA approves pembrolizumab with enfortumab vedotin-ejfv for muscle-invasive bladder cancer (KEYNOTE-905/EV-303). 21 Nov 2025. https://www.fda.gov/drugs/resources-information-approved-drugs/fda-approves-pembrolizumab-enfortumab-vedotin-ejfv-muscle-invasive-bladder-cancer
  8. U.S. Food and Drug Administration. FDA approves pembrolizumab (or with berahyaluronidase alfa-pmph) with enfortumab vedotin-ejfv for muscle-invasive bladder cancer (KEYNOTE-B15/EV-304). 10 Jul 2026. https://www.fda.gov/drugs/resources-information-approved-drugs/fda-approves-pembrolizumab-or-pembrolizumab-and-berahyaluronidase-alfa-pmph-each-enfortumab-vedotin
  9. ClinicalTrials.gov. VOLGA (NCT04960709). https://clinicaltrials.gov/study/NCT04960709
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