Cochlea-Implantate 1977 – Das bionische Ohr

Im Laufe der Geschichte wurden Menschen mit Hörbehinderungen häufig schlecht behandelt oder ausgegrenzt. Eine der voreingenommensten Aussagen wird dem griechischen Gelehrten Aristoteles zugeschrieben:
„Alle, die taub geboren werden, werden empfindungslos und unfähig zu vernünftigem Denken.“
Beim Menschen gelangt Schall in die Cochlea, ein spiraliges, flüssigkeitsgefülltes Organ des Innenohrs. Mikroskopisch kleine Härchen ragen in die Flüssigkeit, schwingen als Reaktion auf Schallwellen und wandeln Schall in Nervenimpulse um, die über den Hörnerv zum Gehirn gelangen. Fehlende oder abnorme Haarzellen können eine durch Entwicklungsstörungen, Verletzungen oder Krankheiten bedingte sensorineurale Hörstörung verursachen.
Ein Cochlea-Implantat (CI) ist ein elektronisches Gerät, das Menschen mit Hörbehinderungen einen Höreindruck vermittelt. Sein äußerer Teil besteht aus einem Mikrofon, einem Sprachprozessor, der Geräusche in verschiedene Frequenzkanäle aufteilt, und einem Sender. Dieser überträgt den verarbeiteten Schall mittels elektromagnetischer Induktion an einen Empfänger unter der Haut. Die Signale werden anschließend an eine Reihe von Elektroden weitergeleitet, die durch die Cochlea verlaufen. CIs sind häufig wirksamer, wenn sie Menschen mit erst kürzlich eingetretenem Hörverlust oder hörbehinderten Kindern sehr früh, vor dem zweiten Lebensjahr, eingesetzt werden. Bei älteren Menschen, die schon lange oder seit ihrer Geburt nicht hören können, kann das Gehirn große Schwierigkeiten haben, sich an diese neuen Sinneseindrücke anzupassen.
Zu den ersten CI-Untersuchungen gehörte 1957 ein Eingriff der französisch-algerischen Chirurgen André Djourno und Charles Eyries. Sie legten einen Draht an einen während der Operation freigelegten Hörnerv. Bei Stromzufuhr hörte der hörbehinderte Patient Geräusche wie ein „Rouletterad“ und eine „Grille“ als Höreindrücke.
Die ersten Geräte erlaubten zwar kein Sprachverständnis, unterstützten jedoch das Lippenlesen.
1977 erhielt der amerikanische Ingenieur Adam Kissiah ein grundlegendes US-Patent zur Stimulation menschlicher Hörnerven mit digitaler Elektronik.
Beschreibung der Artikelabbildung: Darstellung einer elektrisch-akustischen Stimulation, bei der in einem Ohr ein Hörgerät und ein Cochlea-Implantat kombiniert sind. Eine Gruppe von Elektroden verläuft spiralförmig durch die Cochlea.
Historische Persönlichkeiten im Artikel: André Djourno (1904–1996), Charles Eyries (1908–1996), Adam M. Kissiah Jr. (geb. 1947)
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Quellen
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