Die Antibabypille 1955 – Verhütung unerwünschter Schwangerschaften

Die Antibabypille gilt als einer der wichtigsten medizinischen Fortschritte des zwanzigsten Jahrhunderts. Durch die einfache und wirksame Verhütung von Schwangerschaften ermöglichte sie mehr Frauen ein Studium und den Eintritt ins Berufsleben.
In den 1930er-Jahren wurde entdeckt, dass hohe Progesteronkonzentrationen wie in einer normalen Schwangerschaft den Menstruationszyklus eines nicht schwangeren Körpers unterbrechen und ihn gewissermaßen wie einen schwangeren reagieren lassen. Die amerikanischen Chemiker Carl Djerassi und Frank Colton fanden unabhängig voneinander Wege zur Herstellung chemischer Verbindungen, die natürliches Progesteron nachahmen. Der amerikanische Biologe Gregory Pincus bestätigte, dass Progesteroninjektionen die Freisetzung von Eizellen aus den Eierstöcken von Säugetieren verhindern.
Bei der Entwicklung hormoneller Verhütungspillen für den Menschen half die bekannte Verfechterin der Geburtenkontrolle Margaret Sanger Pincus, die nötigen Mittel zu beschaffen. Pincus wählte Coltons Rezeptur und veröffentlichte 1955 mit Kollegen klinische Studienergebnisse, die die Wirksamkeit der Pille zeigten.
Neben der Unterdrückung des Eisprungs verändert die Pille den Zervixschleim, verhindert das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter und die Einnistung einer Eizelle. Sie wurde 1960 in den USA zur Empfängnisverhütung zugelassen. Das Pharmaunternehmen Searle nannte das Präparat „Enovid“.
Da die ursprüngliche Rezeptur auch Östrogen enthielt, konnten unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Bei modernen Präparaten mit niedrigeren Hormondosen wurde dagegen ein verringertes Risiko für Eierstock-, Endometrium- und Dickdarmkrebs beobachtet. Raucherinnen haben bei Einnahme der Pille insgesamt ein höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Heute stehen verschiedene hormonelle Präparate zur Verfügung, darunter solche, die nur Progesteron enthalten.
Papst Paul VI. verurteilte 1968 die künstliche Empfängnisverhütung. Zwar wurde die Pille in den USA rasch akzeptiert, ihre Verbreitung erfolgte jedoch langsamer. In Connecticut war ihre Verwendung beispielsweise bis 1972 nicht legal.
Im Beitrag erwähnte historische Persönlichkeiten: Margaret Higgins Sanger Slee (1879–1966), Papst Paul VI. (Giovanni Montini; 1897–1978), Gregory Pincus (1903–1967), Frank Benjamin Colton (1923–2003), Carl Djerassi (geb. 1923)
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