Epilepsiebehandlung 1857 – Epileptische Anfälle

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch Anfälle mit plötzlichen Veränderungen der elektrischen Aktivität des Gehirns gekennzeichnet ist. Diese Veränderungen können ungewöhnliche Bewegungen, Verhaltensweisen, Gefühle und Empfindungen auslösen. In antiken Kulturen brachte man Epilepsie mitunter mit Verfluchungen durch Geister, Angriffen von Dämonen, Hexerei oder einem Kontakt zu Gott in Verbindung.
Einige Epilepsieformen werden mit genetischen Mutationen in Verbindung gebracht, andere können durch ein Ungleichgewicht chemischer Botenstoffe der Nervensignalübertragung entstehen. Wieder andere Formen können durch äußere Reize wie plötzliche Lichtwechsel ausgelöst werden.
Heute werden zur Beurteilung und Diagnose von Epilepsie medizinische Untersuchungsverfahren wie EEG, MRT, CAT und PET genutzt. Epilepsie lässt sich häufig mit Medikamenten oder chirurgischen Eingriffen kontrollieren, beispielsweise durch die Entfernung einer Läsion, die eine abnorme elektrische Aktivität im Gehirn verursacht. Bei schweren Epilepsieformen kann die Entfernung des Kortex einer Gehirnhälfte die einzige Möglichkeit sein, Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu verringern. Alternativ werden elektrische Geräte eingesetzt, um den Vagusnerv am Hals oder tiefe Strukturen des Gehirns zu stimulieren.
- 1857 beobachtete der englische Arzt Charles Locock die Eigenschaften des einfachen Salzes Kaliumbromid (KBr) als Antikonvulsivum (mit antiepileptischer Wirkung). Locock glaubte, dass KBr das sexuelle Verlangen vermindere und dies unmittelbar zu seinem Erfolg bei der Behandlung von Anfällen beitrage (dies war eine falsche Annahme).
- 1868 führte der schottische Psychiater Thomas Clouston klinische Versuche zur Bestimmung der richtigen Dosierung durch. Seine Versuche zeigten, dass die Patienten während der Einnahme von KBr weniger Anfälle hatten.
- Mitte der 1870er-Jahre wurden am Londoner National Hospital jährlich mehr als zweieinhalb Tonnen KBr verbraucht. KBr kann als erstes wirksames Medikament gegen Epilepsie angesehen werden.
- Ein wirksameres Medikament wurde erst gefunden, als 1912 Phenobarbital (ein Barbiturat beziehungsweise ein Mittel zur Dämpfung des zentralen Nervensystems) auf den Markt kam.
KBr wird weiterhin zur Behandlung von Epilepsie bei Hunden und Katzen eingesetzt, in einigen Ländern auch beim Menschen. Heute stehen mehr als 20 Medikamente mit unterschiedlichen Vorteilen und Nebenwirkungen für die Epilepsiebehandlung zur Verfügung.
Erläuterung der Artikelabbildung: Darstellung des heiligen Valentin auf einem Deckenfresko (1740). Das Bild zeigt ein Kind mit infantilem Spasmensyndrom (einer Erkrankung, die durch Hirnschäden bei Kindern mit Epilepsie entsteht) und auffällige Darstellungen von Teufeln, die vor diesem Kind fliehen.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Charles Locock (1799–1875), Sir Thomas Smith Clouston (1840– 1915)
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Quellen
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