Zellteilung 1855 – Die Entstehung der Zellularpathologie

Auf Grundlage seiner Beobachtungen und Theorien vertrat der deutsche Arzt Rudolf Virchow die Auffassung, dass die gesamte Pathologie eine Untersuchung der Zellen sei, ebenso wie Krankheiten anhand ihrer Symptome, also Beschwerden und Anzeichen, untersucht werden könnten. Statt den ganzen Körper in den Mittelpunkt zu stellen, ging er davon aus, dass bestimmte Zellen oder Zellgruppen erkranken können, und bereitete so den Weg für die Zellularpathologie.
1855 formulierte er den berühmten Leitsatz „omnis cellula e cellula“, dem zufolge jede Zelle aus einer bereits vorhandenen Zelle hervorgeht. Damit widersprach er der Theorie der spontanen Entstehung, nach der Zellen und Organismen aus Schlamm, sich zersetzendem organischem Material oder warmem Wasser entstehen könnten.
Virchows mikroskopische Untersuchungen legten nahe, dass sich Zellen in zwei gleiche Teile teilen, alle Lebewesen aus einer oder mehreren Zellen bestehen und Zellen die Grundeinheit des Lebens bilden. Damit wurde das Fundament der Zelltheorie gelegt.
Weitere bekannte Wegbereiter der Zelltheorie waren der deutsche Physiologe Theodor Schwann und der deutsche Botaniker Matthias Jakob Schleiden.
Neben der Beschreibung der Zellteilung war Virchow der Erste, der Leukämiezellen bei Blutkrebs richtig identifizierte. Trotz dieser Erfolge lehnte er die Vorstellung ab, dass Bakterien Krankheiten verursachen können, und erkannte die Bedeutung der Sauberkeit zur Infektionsvorbeugung nicht an. Er wies auch Pasteurs Keimtheorie zurück und glaubte, krankes Gewebe entstehe durch Fehlfunktionen der Zellen statt durch das Eindringen fremder Mikroben.
Der Wissenschaftsautor John G. Simmons schrieb: „Mit der Zellhypothese erweiterte Virchow den Forschungshorizont von Biochemie und Physiologie und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Biologie insgesamt. Durch den Beitrag der Zelllehre zur Molekularbiologie werden die Grundprinzipien von Evolution und Fortpflanzung wesentlich besser verstanden werden.“
Heute wissen wir, dass Krebs durch unkontrollierte Zellteilungen entsteht und dass bei der Heilung einer Wunde neue Hautzellen aus bereits vorhandenen Hautzellen gebildet werden.
Erläuterung der Artikelabbildung: Illustration der Zellteilung
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Matthias Jakob Schleiden (1804–1881), Theodor Schwann (1810– 1882), Rudolf Ludwig Karl Virchow (1821–1902)
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