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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Erhöht der Verzehr von Zitrusfrüchten das Melanomrisiko?

Erhöht der Verzehr von Zitrusfrüchten das Melanomrisiko?

Das Melanom beginnt in den hautfärbenden Melanozyten. Es ist eine seltene, in den letzten Jahren jedoch zunehmende Hautkrebsart und wird auch malignes oder kutanes Melanom genannt. Sein Verhalten ist aggressiv: ungünstiger Verlauf sowie schnelle und häufige Ausbreitung in Nachbargewebe und andere Organe. Außerdem ist das Melanom als Gebiet, das in den letzten Jahren die Entwicklung neuer immunonkologischer Krebsbehandlungen angeregt hat, besonders bedeutsam.

Der Einfluss unserer Nahrung auf die Melanomentstehung wird seit Jahren erforscht. Bisherige Studien lieferten Hinweise auf schützende Eigenschaften vieler Nahrungsstoffe, insbesondere Vitamin C. Eine im Juni 2015 veröffentlichte Studie von Wu und Kollegen lenkte jedoch mit ihrem Titel die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung: „Zitrusfruchtkonsum und Risiko eines malignen Melanoms“ (Citrus Consumption and Risk of Cutaneous Malignant Melanom).

Die Studie beobachtete und verglich Gruppen mit unterschiedlichem Zitrusfruchtkonsum: mehr beziehungsweise weniger als zwei Mahlzeiten wöchentlich. Zwischen durchschnittlicher Konsumhäufigkeit und Melanomrisiko zeigte sich ein dosisabhängiger Zusammenhang. Ein durchschnittlicher täglicher Konsum von Zitrusfrüchten und ihren Säften von mehr als 1,6 Früchten erhöhte das Melanomrisiko um %36. Das Forschungsteam führt dies auf die besonders in Grapefruits enthaltenen Stoffe Psoralen und Furocumarin zurück.

Diese Stoffe sind potenzielle Karzinogene, deren Vorkommen bei Menschen und Mäusen nachgewiesen ist. Psoralen und Furocumarin wirken mit ultravioletten (UV-)Strahlen zusammen und fördern die Vermehrung von Melanomzellen. Hinsichtlich des Verzehrs von Saft und ganzen Früchten bestehen jedoch Unstimmigkeiten. Beispielsweise gilt der Verzehr der Grapefruit als riskant, der ihres Saftes dagegen nicht. Orangensaft kann ein Risiko darstellen, während die ganze Orange als geringerer Risikofaktor gilt. Die Forscher erklären dies damit, dass Grapefruits mehr Psoralen und Furocumarin enthalten als ihr Saft, während Orangen weniger davon enthalten als ihr Saft.

Neben dem Zitrusfruchtkonsum ist der Studie zufolge auch die Dauer der UV-Belastung wichtig. Hoher Konsum erhöhe besonders in Kindheit und Jugend bei steilem, starkem Sonnenlicht die Sonnenempfindlichkeit und erleichtere Sonnenbrand.

Trotz dieser Ergebnisse sollte man Zitrusfrüchte nicht meiden. Ihr schützender Einfluss gegen viele Krankheiten, insbesondere koronare Herzerkrankungen und Krebs, darf nicht vergessen werden.

Zusammenfassend lautet der beste Rat anhand der aktuellen wissenschaftlichen Studien, unterschiedliche Früchte und Säfte in die Ernährung einzubeziehen und sich vor Sonne zu schützen.

Schlüsselwörter: Melanom, malignes Melanom, Hautkrebs, Krebsrisiko, Zitrusfrüchte, Grapefruit, Fruchtsaft, Orange, Vitamin C, ultraviolett, Prosalen, Furocumarin

Quellen

Marianne Berwick, PhD, Department of Internal Medicine. Dietary Advice for Melanoma: Not Ready for Prime Time.

2015 by American Society of Clinical Oncology

https://jco.ascopubs.org/content/early/2015/06/24/JCO.2015.61.8116.full#ref-7

https://www.medscape.com/viewarticle/847208
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