Flüssigbiopsie könnte Diagnose und Nachsorge beim Oropharynxkarzinom revolutionieren

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Eine neue Untersuchung unterstützt den Einsatz der Flüssigbiopsie als ergänzenden Marker zur Diagnose und Überwachung von mit dem humanen Papillomavirus (HPV) verbundenem Oropharynxkrebs. In einer retrospektiven Beobachtungsstudie zeigte ein Bluttest zur Beurteilung von Tumorgewebe eine Spezifität von 100% für die Diagnose dieses Krebses und die Überwachung auf Rückfälle. Die Sensitivität für die korrekte Erkennung beziehungsweise Überwachung der Erkrankung betrug 91,5% und 88,4%.
Das Oropharynxkarzinom ist eine Krebsart, die einen bestimmten Bereich von Mund und Rachen betrifft. Der Oropharynx liegt hinter der Mundhöhle im oberen Bereich des Rachens, in dem der Schluckvorgang stattfindet. Zu diesem Bereich gehören die Mandeln und der Zungengrund. Deshalb entsteht das Oropharynxkarzinom meist an diesen Stellen und kann durch Viren wie HPV verursacht werden. Diese Krebsart wird häufig auch als Mund- und Rachenkrebs bezeichnet.
HPV und Oropharynxkarzinom
Die zunehmende Häufigkeit des oropharyngealen Plattenepithelkarzinoms wird durch den steigenden Anteil von Erkrankungen angetrieben, die mit Hochrisiko-HPV verbunden sind. Tatsächlich sind 80-90% aller neu diagnostizierten Oropharynxkarzinome mit HPV verbunden. Diese virusbedingte Krebsart stellt ein eigenes klinisches Krankheitsbild mit günstigerem Verlauf und besserem Ansprechen auf Behandlungen dar. Ihre besonderen Tumoreigenschaften haben zu verschiedenen Anpassungen zur Verringerung der Behandlungsintensität und zu multimodalen Behandlungsprotokollen geführt. Trotz des günstigen Verlaufs kommt es bei 15-25% der Patienten nach einer Standardbehandlung zu einem regionalen Rückfall oder einer entfernten metastasierten Erkrankung.
Trotz der zunehmenden Rolle von HPV und der Fortschritte in der Behandlung sind die Diagnoseverfahren für das oropharyngeale Plattenepithelkarzinom relativ unverändert geblieben. Diagnose und Behandlung des HPV-assoziierten Oropharynxkarzinoms beruhen derzeit auf einer gewebebasierten Diagnose durch Biopsie des Primärtumors oder Feinnadelaspiration (FNA) beziehungsweise Biopsie regionaler Lymphknoten. Geleitet werden die Biopsien durch klinische Untersuchungen wie die fiberoptische Laryngoskopie und durch Computertomografie oder Positronenemissionstomografie (PET). Diese Verfahren haben jedoch Grenzen hinsichtlich diagnostischer Genauigkeit, Patientenkomfort und vor allem Zeitaufwand.
Warum die Flüssigbiopsie wichtig ist und benötigt wird
In den vergangenen Jahren ist das Interesse am Einsatz zirkulierender zellfreier Tumor-DNA (ctDNA), der sogenannten Flüssigbiopsie, zur Diagnose und Überwachung HPV-assoziierter Oropharynxkarzinome gewachsen. Mehrere HPV-Biomarkertests werden untersucht. Ein bereits kommerziell erhältlicher Bluttest zur Beurteilung von durch Tumorgewebe modifizierter viraler DNA (TTMV-HPV-DNA) zeigt besonderes Potenzial. Der Handelsname dieses in den USA erhältlichen Tests lautet NavDx®.
Dieser Test nutzt eine besondere Methode, die ein Muster von DNA-Fragmenten erkennt und quantifiziert. Dadurch steigt die Spezifität zur Identifizierung eines HPV-assoziierten Krebstumors erheblich. Bisher wurde der Test jedoch nur in kleinen Kohortenstudien und klinischen Studien bewertet. Diese Kohortenstudie sollte die diagnostischen Eigenschaften des Plasma-TTMV-HPV-DNA-Tests für die Diagnose und Überwachung HPV-assoziierter Oropharynxkarzinome charakterisieren.
Der TTMV-HPV-DNA-Test
Der TTMV-HPV-DNA-Test ist ein Flüssigbiopsieverfahren zur Diagnose und Überwachung HPV-assoziierter Oropharynxkarzinome. Er kombiniert die Erfassung zirkulierender HPV-Tumor-DNA mit einer Analyse der Tumor-DNA-Fragmente.
Untersucht wurde eine Gruppe von 399 Patienten, bei denen der TTMV-HPV-DNA-Test eingesetzt wurde. Bewertet wurden Sensitivität und Spezifität. Die Sensitivität beschreibt, wie gut ein Test das Vorliegen einer Erkrankung richtig erkennt; die Spezifität bezeichnet die Fähigkeit, das Nichtvorliegen einer Erkrankung richtig festzustellen.
Die Studie umfasste Patienten mit Oropharynxkarzinom, die zwischen April 2020 und September 2022 im Rahmen der klinischen Routineversorgung einen TTMV-HPV-DNA-Test erhielten.
In die Diagnosegruppe wurden Patienten aufgenommen, bei denen vor Beginn der ersten Behandlung mindestens eine TTMV-HPV-DNA-Messung erfolgt war. Für die Nachsorgegruppe mussten sie nach Abschluss ihrer Hauptbehandlung mindestens einen solchen Test erhalten haben.
Ergebnisse der Studie
Eine am 9. Juli 2023 in der Zeitschrift JAMA Otolaryngology Head and Neck Surgery veröffentlichte Untersuchung unterstützt den Einsatz der Flüssigbiopsie als ergänzenden Marker für die Diagnose und Überwachung HPV-assoziierter Oropharynxkarzinome. In einer retrospektiven beobachtenden Kohortenstudie zeigte ein kommerzieller Bluttest zur Beurteilung von Tumorgewebe eine Spezifität von 100% für Diagnose und Rückfallüberwachung. Die Sensitivität für die korrekte Erkennung und Überwachung der Erkrankung betrug 91,5% beziehungsweise 88,4%.
Zur Spezifität und Sensitivität der Flüssigbiopsie
Der Flüssigbiopsietest kann in bestimmten Situationen allerdings irreführende Ergebnisse liefern.
Ein positives Testergebnis weist normalerweise auf das Vorliegen der Erkrankung hin. In dieser Studie fiel der Test jedoch bei ungefähr 10% der Patienten mit HPV-assoziiertem oropharyngealem Plattenepithelkarzinom, der häufigsten Form von Mund- und Rachenkrebs, negativ aus. Das bedeutet, dass der Test die Erkrankung nicht erkannt hatte. Diese Patienten waren erkrankt, aber der Test stellte dies nicht richtig fest. Daran zeigt sich, dass der Test irreführende oder fehlerhafte Ergebnisse liefern kann.
Deshalb benötigen Patienten mit negativem Testergebnis, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit für HPV-assoziierten Oropharynxkrebs besteht, weitere medizinische Untersuchungen und Tests. Dies dient als Vorsichtsmaßnahme gegenüber falsch negativen Testergebnissen.
Fazit: Die Zukunft der Flüssigbiopsie
Diese Ergebnisse sind für Kopf-Hals-Tumoren vielversprechend und zeigen, dass Tests auf zirkulierende Tumor-DNA die Diagnose und Überwachung unterstützen könnten. Für eine Bestätigung sind jedoch weitere prospektive und multizentrische Studien nötig. Die Technologie verspricht erhebliche Fortschritte bei der Erkennung und Überwachung HPV-assoziierter Erkrankungen. Da der Test kommerziell erhältlich ist, wird sein zunehmender Einsatz in der klinischen Routineversorgung erwartet. Klare, ausführliche und fortlaufend aktualisierte Anleitungen für Menschen mit einer Krebsdiagnose, damit diese ihre Erkrankung besser überwachen können, gehören zu den vorrangigen Forschungsgebieten der Onkologie.
Quellen
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