Für Krebs entwickeltes Medikament halbiert das Sterberisiko durch COVID-19

In diesem Artikel
Ein für die Krebsbehandlung entwickelter Sabizabulin enthaltender Medikamentenkandidat in Tablettenform verringerte bei hospitalisierten COVID-19-Patienten das Sterberisiko um mehr als 55%.
Der Studienforscher und CEO von Veru Pharmaceuticals, Dr. Mitchell Steiner, stellte in einer Pressemitteilung die Zwischenanalyse ihrer Phase-3- placebokontrollierten Studie vor. Der wissenschaftliche Bericht wurde am 6. Juli in NEJM Evidence veröffentlicht.
Veru beantragte bei der FDA (US-amerikanische Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel) eine Notfallgenehmigung für Sabizabulin zur Behandlung von COVID-19.
Prostatakrebs im Visier, COVID-19 getroffen
Im 4. Stadium gegen Hormonunterdrückung resistenten Prostatakrebs zu behandeln, war das Entwicklungsziel von Sabizabulin, einem oral eingenommenen, mikrotubulizerstörenden Medikament mit antiviraler und entzündungshemmender Aktivität. Für die Prostatakrebsbehandlung hat es noch keine FDA-Zulassung.
Mikrotubuli sind Proteinmoleküle, die das Zellskelett bilden. Zu ihren Aufgaben gehört es, bei der Zellteilung die genetische Information jeder neuen Zelle an die entstehenden Zellen weiterzugeben. Sabizabulin stört die Funktion der Mikrotubuli und verhindert so die Zellteilung.
Angesichts dieses Wirkmechanismus vermuteten die Forscher bei Veru, dass Sabizabulin auch bei der Behandlung von Lungenentzündungen bei COVID-19-Patienten helfen könnte. Den Wirkmechanismus erläutern wir am Ende dieses Artikels ausführlicher.
In NEJM Evidence veröffentlichte Studienergebnisse beruhen auf Erwachsenen, die wegen mittelschwerer bis schwerer COVID-19 hospitalisiert wurden und ein hohes Risiko für ein akutes Atemnotsyndrom (SARS) und den Tod hatten: 150 Erwachsene wurden zufällig auf Sabizabulin, oral einmal täglich 9 mg für bis zu 21 Tage (98 Patienten), oder Placebo (52 Patienten) verteilt.
Insgesamt betrug die Sterblichkeit der wegen COVID-19 hospitalisierten Patienten in der Sabizabulin-Gruppe 20,2% gegenüber 45,1% in der Placebogruppe. Gegenüber Placebo führte die Behandlung mit Sabizabulin zu einer relativen Verringerung der Todesfälle um 55,2%.
Sabizabulin verringerte gegenüber Placebo die Tage auf der Intensivstation relativ um erhebliche 43%, die Tage mit maschineller Beatmung um 49% und die Krankenhaustage um 26%.
Auch unerwünschte und schwere Nebenwirkungen waren in der Sabizabulin-Gruppe (61,5%) seltener als in der Placebogruppe (78,3%).
Diese Daten sind somit für schwer an COVID-19 erkrankte Patienten bemerkenswert, für die nur sehr wenige wirklich wirksame Behandlungen verfügbar sind. Es handelt sich jedoch um eine Zwischenanalyse; die Zulassungsbehörden werden sicherlich weitere Daten sehen wollen. Dass ein für Krebs entwickeltes Medikament wirkt, ist aber durchaus neu und sehr interessant.
*
Weiterführende Informationen zu Sabizabulin
Quellen
2. Cancer Drug Significantly Cuts Risk for COVID-19 Death - Medscape - 08. Juli 2022.
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.