Handtransplantation 1964 – Vom Erfolg zur Abstoßung

1833 brachte der schottische Anatom Charles Bell seine Bewunderung für die menschliche Hand mit folgenden Worten zum Ausdruck:
„Wir haben gesehen, dass dieses System aus Knochen, Muskeln und Nerven jeder Form und jeder Bedingung gerecht wird ... und wir müssen eingestehen, dass die menschliche Hand als Instrument die Vollendung aller Vollkommenheit darstellt.“
1803 bezeichnete der englische Arzt Erasmus Darwin die menschliche Hand als „das erste Geschenk des Himmels“.
Leider verlieren Menschen gelegentlich durch Unfälle ihre Hände, wodurch ein Bedarf an Handtransplantationen entsteht. 1964 transplantierte der ecuadorianische Chirurg Roberto Elizalde einem Seemann, der bei einer Explosion eine Hand verloren hatte, eine Hand. Der Körper des Patienten stieß das fremde Gewebe jedoch nach zwei Wochen ab, da damals nur einfache immunsuppressive, also die Immunabwehr unterdrückende Medikamente verfügbar waren.
1998 führten der australische Chirurg Earl Owen und der französische Chirurg Jean-Michel Dubernerd eine erfolgreiche Handtransplantation bei Clint Hallam durch, der bei einem Unfall mit einer Säge seine Hand verloren hatte. Während der Operation verbanden die Chirurgen zunächst die beiden Knochen des Spenderarms mit Hallams Knochen. Auch Sehnen, Arterien, Nerven und Venen mussten verbunden werden. Zum Schluss wurde die Haut vernäht.
Nach zwei erfolgreichen Jahren, in denen Hallam gelernt hatte, seine neuen Finger zu bewegen, traf er die radikale Entscheidung, die immunsuppressiven Medikamente nicht mehr einzunehmen, die die Hand vor einer Abstoßung durch seinen Körper schützten. Er hatte das Gefühl, dass die Spenderhand nicht zu seinem Körper gehörte. Allmählich begann die Hand zu verfallen und verlor jegliches Gefühl. Er bat die Chirurgen, sie zu entfernen; 2001 wurde seinem Wunsch entsprochen. Hallams Fall unterstreicht, wie wichtig es ist, dass Transplantatempfänger psychisch dazu motiviert sind, auch nach der Transplantation ihre Medikamente weiter einzunehmen.
2009 erhielt Jeff Kepner als erster Patient in den Vereinigten Staaten eine doppelte Handtransplantation. 2010 bekam ein polnischer Soldat, der seine Hände bei einer Bombenexplosion verloren hatte, zwei neue Hände von einer Spenderin.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Roberto Gilbert Elizalde (1917–1999), Jean-Michel Dubernerd (geb. 1941)
- Vorheriges Thema: Betablocker – Revolution im Arzneimitteldesign
- Nächstes Thema: Pankreastransplantation 1966 – Eine gesündere Bauchspeicheldrüse
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.