Ist eine Zahnextraktion nach Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Krebs sicher?

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Die Strahlentherapie ist bei Kopf-Hals-Krebs eine wirksame Methode zur Tumorkontrolle, kann die Mundgesundheit aber langfristig beeinträchtigen. Selbst ein scheinbar einfacher Eingriff wie das Ziehen eines Zahns nach der Bestrahlung kann bei diesen Menschen schwere Komplikationen verursachen. Insbesondere die Osteoradionekrose ist ein wichtiges Risiko, das die Lebensqualität mindert und die Behandlung erschwert. Deshalb wird seit Langem diskutiert, ob Zähne vor oder nach der Strahlentherapie gezogen werden sollten. Eine neue Studie untersucht die Sicherheit und mögliche Risiken von Zahnextraktionen nach Strahlentherapie und soll die bestehenden Unsicherheiten weiter klären.
Eine am 8. August 2024 in JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery veröffentlichte Studie zur Sicherheit von Zahnextraktionen nach Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Krebs zeigte bei Menschen mit hoher Strahlendosis ein erhöhtes Risiko für freiliegenden Knochen und Osteoradionekrose (Verlust von Knochengewebe) durch diesen Eingriff.
„Freiliegender Knochen bedeutet, dass Knochengewebe nicht wie normalerweise von Weichgewebe und Haut bedeckt ist, sondern offenliegt. Nach einer Strahlentherapie kann freiliegender Knochen etwa in der Mundhöhle eine Osteoradionekrose (Absterben von Knochen) ankündigen und zu schweren Komplikationen führen.
Die Bedeutung der Studie
Um schwere Nebenwirkungen wie eine Osteoradionekrose zu vermeiden, wird Menschen mit Kopf-Hals-Krebs in der Regel empfohlen, nicht erhaltungsfähige Zähne vor der Strahlentherapie ziehen zu lassen. Der Eingriff kann jedoch die Behandlung um 2-4 Wochen verzögern und dadurch die Überlebenschancen beeinträchtigen. Zahnextraktionen nach der Bestrahlung werden zwar als Alternative angeboten, zur Sicherheit dieses Vorgehens liegen jedoch nicht genügend Daten vor.
Methoden und Ergebnisse der Untersuchung
Die Studie untersuchte zwischen Januar 2020 und September 2022 insgesamt 50 Menschen, die wegen Kopf-Hals-Krebs behandelt wurden. Die Forschenden bewerteten die Sicherheit von Zahnextraktionen innerhalb der ersten 4 Monate nach der Bestrahlung und untersuchten, ob der Eingriff das Risiko für freiliegenden Knochen und Osteoradionekrose erhöht. Die mediane Nachbeobachtung betrug 26 Monate.
Bei 30 Teilnehmenden wurden nach der Strahlentherapie zwischen 1 und 28 Zähne gezogen. Die Extraktionen erfolgten im Median 64,5 Tage nach der Bestrahlung (Spanne 13-152 Tage). Die übrigen 20 verzichteten auf Zahnextraktionen. Unter den Teilnehmenden mit Zahnextraktion entwickelten 13 freiliegenden Knochen und 8 eine Osteoradionekrose.
Während der 2-jährigen Nachbeobachtung betrug das Risiko für freiliegenden Knochen:
- 27% bei allen Teilnehmenden,
- 40% bei Teilnehmenden mit Zahnextraktion,
- 7% bei Teilnehmenden ohne Zahnextraktion.
Das Risiko einer Osteoradionekrose betrug:
- 18% bei allen Teilnehmenden,
- 23% bei Teilnehmenden mit Zahnextraktion,
- 7% bei Teilnehmenden ohne Zahnextraktion.
Bei Menschen, denen nach der Bestrahlung Zähne gezogen wurden und deren mittlere Strahlendosis in der Mundhöhle mindestens 35 Gy betrug, lag das Risiko für freiliegenden Knochen bei 58% und für Osteoradionekrose bei 39%. Ebenso erhöhten Dosen von mindestens 31,5 Gy am Unterkiefer (Mandibula) die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen.
Fazit und klinische Anwendung
Auf Grundlage dieser Ergebnisse werden routinemäßige Zahnextraktionen nach Strahlentherapie nicht empfohlen. Besonders bei Menschen, die eine hohe Strahlendosis in der Mundhöhle oder am Unterkiefer erhalten haben, muss berücksichtigt werden, dass dieser Eingriff schwere Nebenwirkungen wie freiliegenden Knochen und Osteoradionekrose verursachen kann.
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Quellen
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