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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Kann Chemotherapie Scheidenpilz verursachen? Symptome, Ursachen und Lösungen

Kann Chemotherapie Scheidenpilz verursachen? Symptome, Ursachen und Lösungen
In diesem Artikel

I. Chemotherapie kann durch Unterdrückung der Immunabwehr und Schädigung der Schleimhäute das Risiko für Scheidenpilz deutlich erhöhen.

II. Besonders riskant sind Phasen niedriger weißer Blutkörperchen, die Neutropenie , und Behandlungen mit begleitenden Breitbandantibiotika oder Kortikosteroiden.

III. Bei typischen Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder weißem, quarkartigem Ausfluss sollte man statt eigenständig Cremes oder Zäpfchen auszuprobieren das betreuende onkologische oder gynäkologische Team aufsuchen.

IV. Meist lassen sich die Beschwerden mit geeigneter antimykotischer Behandlung und einfachen Hygienemaßnahmen kontrollieren.

Der Zusammenhang zwischen Chemotherapie, Infektionen und Scheidenpilz

Scheidenpilz wird am häufigsten durch den Hefepilz Candida albicans verursacht. Candida ist normalerweise ein harmloser Mikroorganismus, der bei vielen Frauen in geringer Menge in Scheide und Darm vorkommt. Probleme entstehen, wenn die Körperabwehr geschwächt oder das Gleichgewicht des Scheidenmilieus gestört ist.

Chemotherapie zerstört Krebszellen, kann aber zugleich die Immunzellen des Körpers unterdrücken. Besonders eine Abnahme weißer Blutkörperchen, der Neutrophilen (Neutropenie)schwächt die Abwehr gegen Bakterien und Pilze. Dadurch können opportunistische Infektionen wie Mundsoor, Hautpilz und Scheidenpilz entstehen.

Scheidenpilz ist keine lebensbedrohliche Infektion. Bei durch Chemotherapie bereits belasteten Patienten kann er jedoch durch Schlafstörungen, Unruhe, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Brennen beim Wasserlassen die Lebensqualität erheblich vermindern. Daher ist es wichtig, das Thema wissenschaftlich und praktisch zu verstehen.

 Was ist Scheidenpilz (Candida)?

Eine Scheidenpilzinfektion, medizinisch vulvovaginale Kandidose, entsteht durch übermäßige Vermehrung von Candida-Arten in Scheide und Vulva. Der häufigste Erreger ist Candida albicans , doch auch andere Arten wie Candida glabrata können Infektionen verursachen. https://www.drozdogan.com/candida-mantari-nedir-belirtileri-nedenleri-ve-tedavisi/

Typische Symptome sind:

  • Starker vaginaler und äußerer genitaler Juckreiz
  • Brennen und Druckempfindlichkeit
  • Weißer, quarkartiger, klumpiger Ausfluss
  • Beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr Brennen und Schmerzen
  • Um die Vulva herum Rötung und Schwellung

Diese Beschwerden treten nicht bei jedem Scheidenausfluss auf. Auch bakterielle Vaginose und sexuell übertragbare Erkrankungen können Ähnliches verursachen. Besonders unter Chemotherapie sollte die Diagnose daher ärztlich statt eigenständig gestellt werden.

Wie erhöht Chemotherapie das Scheidenpilzrisiko?

I.A. Unterdrückung des Immunsystems und Neutropenie

Die meisten Chemotherapieschemata unterdrücken neben Tumorzellen auch sich rasch teilende Blutzellen. Besonders Neutrophile bilden unsere erste Abwehrlinie gegen Pilze und Bakterien. Sinkt ihre Zahl deutlich, die sogenannteNeutropenie, können sich zuvor kontrollierte Candida-Arten leicht vermehren.

Patienten mit intensiver Chemotherapie, Stammzelltransplantation oder häufigen Episoden febriler Neutropenie gelten deshalb bei Candida-Infektionen als Hochrisikogruppe unter den Betroffenen.

I.B. Gestörtes Gleichgewicht der Scheidenflora

In einer gesunden Scheide überwiegen „gute“ Bakterien, die Laktobazillen . Sie halten den pH leicht sauer und verhindern übermäßiges Candida-Wachstum. Während einer Chemotherapie:

  • können Breitband- Antibiotika die guten Bakterien vermindern,
  • wird mit nachlassender allgemeiner Abwehr auch die Scheidenflora leichter gestört,
  • schaffen pH-Veränderungen und ein Flora-Ungleichgewicht günstige Bedingungen für Candida.

I.C. Schleimhautschäden (Mukositis) und Trockenheit

Manche Chemotherapien können von Mund und Darm bis zur Scheide an sämtlichen Schleimhäuten Reizung und Entzündung (Mukositis) auslösen. Gereizte, rissige oder trockene Schleimhäute begünstigen:

  • leichteres Anhaften von Candida-Pilzen am Gewebe,
  • Schwächung der Schutzbarriere,
  • stärkeres Brennen und Schmerzen
als Folgen. Manche Patienten entwickeln nach Chemotherapie gleichzeitig Mundsoor und Scheidenpilz.

I.D. Anwendung von Kortikosteroiden

Mit Chemotherapie häufig eingesetzte Kortikosteroide wie Dexamethason vermindern Übelkeit und verhindern allergische Reaktionen. Allerdings:

  • unterdrücken sie die Immunantwort,
  • erhöhen sie die Anfälligkeit für Pilzinfektionen, besonders Candida.

Besonders bei längerfristiger, hoch dosierter Kortikosteroidgabe können wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen häufiger sein.

I.E. Hormonspiegel, Menopause und weitere Faktoren

Bei manchen Krebsarten wie Brustkrebs werden zusätzlich zur Chemotherapie hormonunterdrückende Therapien gegeben. Chemotherapie kann zudem den Eintritt der Menopause beschleunigen. Sinkendes Östrogen bewirkt:

  • dünneres Scheidenepithel,
  • Trockenheit und Reizung,
  • ein gestörtes Gleichgewicht der Flora
Dies kann Pilzinfektionen zusätzlich begünstigen.

Wer hat unter Chemotherapie ein höheres Scheidenpilzrisiko?

Nicht jede Frau unter Chemotherapie entwickelt Scheidenpilz. Bei folgenden Faktoren steigt das Risiko jedoch deutlich:

  • Wiederholte oder lang anhaltende Neutropenie- Episoden
  • Intensive Antibiotika- Behandlungen, besonders mit breitem Spektrum
  • Hoch dosierte oder langfristige Kortikosteroid- Anwendung
  • Begleitender Diabetes mit insbesondere unkontrolliertem Blutzucker
  • Adipositas, enge und nicht atmungsaktive Unterwäsche
  • Häufige frühere Scheidenpilzinfektionen beziehungsweise rezidivierende vulvovaginale Kandidose
  • Hormonunterdrückende Therapien, frühe Menopause

Mehrere gleichzeitig vorliegende Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Pilzinfektion während der Chemotherapie zusätzlich.

Scheidenpilzsymptome während der Chemotherapie

Bei folgenden Beschwerden unter Chemotherapie sollte eine Scheidenpilzinfektion bedacht werden:

  • Hartnäckiger oder plötzlich einsetzender Juckreiz
  • In Scheide und Vulva Brennen, Stechen und Empfindlichkeit
  • Weißer, körniger oder quarkartiger Ausfluss meist ohne Geruch
  • Beim Geschlechtsverkehr Schmerzen und Brennen
  • Brennen und Reizung beim Wasserlassen

Gelbgrüner, übel riechender Ausfluss, starke Unterbauchschmerzen oder Fieber können dagegen auf eine bakterielle Infektion oder eine andere sexuell übertragbare Krankheit hindeuten. Besonders unter Chemotherapie müssen solche Befunde unverzüglich abgeklärt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Scheidenpilz wird meist anhand von Vorgeschichte + Untersuchung + bei Bedarf einfachen Labortests diagnostiziert:

  • Vorgeschichte: Erfragt werden typische Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, quarkartiger Ausfluss und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
  • Gynäkologische Untersuchung: Scheide und Gebärmutterhals, Rötung, Ödem und Aussehen des Ausflusses werden beurteilt.
  • Mikroskopie: Eine Ausflussprobe kann unter dem Mikroskop auf Candida-Hyphen und Sporen untersucht werden.
  • Kultur: Bei wiederholten oder nicht ansprechenden Infektionen kann eine Scheidenkultur zur Artbestimmung und Resistenzprüfung angelegt werden.

Besonders unter Chemotherapie und bei unterdrückter Immunabwehr dürfen Scheidenbeschwerden nicht pauschal als Pilzinfektion gelten. Eine ärztliche Beurteilung ist unbedingt erforderlich.

Wie wird Scheidenpilz bei Chemotherapiepatienten behandelt?

Die Behandlung soll Beschwerden lindern und die Candida-Menge kontrollieren. Unter Chemotherapie muss die Entscheidung unbedingt durch einen Onkologen und/oder Gynäkologen getroffen werden.

Behandlungsgruppe Anwendungsbeispiele* Hinweise bei Chemotherapie
Lokale antimykotische Scheidencreme / Zäpfchen Clotrimazol, Miconazol, Econazol usw. Auf Reizung der äußeren Genitalregion achten. Dauer und Häufigkeit nach ärztlicher Empfehlung festlegen.
Orales Pilzmedikament Als Einzeldosis oder kurzfristig Fluconazol und ähnliche Wirkstoffe Leberwerte, Wechselwirkungen und Nierenfunktion müssen berücksichtigt werden.
Unterstützende Maßnahmen Vaginale Probiotika, Barrierecremes und Intimschutzprodukte Sie können statt als alleinige Behandlung zur Unterstützung der eigentlichen Pilztherapie eingesetzt werden.

Bei wiederholten Scheidenpilzepisoden unter Chemotherapie kann der Arzt bei Bedarf längerfristige oder intermittierende vorbeugende Antimykotika planen.

 Wie lässt sich Scheidenpilz während der Chemotherapie vorbeugen?

Das Infektionsrisiko lässt sich nicht vollständig beseitigen. Einfache Maßnahmen können es jedoch verringern:

  • Weite Baumwollunterwäsche tragen und sehr enge Kleidung vermeiden
  • Nasse Bade- oder Sportkleidung nicht lange anbehalten
  • Die Genitalregion nicht übermäßig mit Seife waschenund parfümierte Produkte vermeiden
  • Keine Intimduschen beziehungsweise Scheidenspülungen durchführen
  • Zucker und Weißmehl begrenzen, auf ausgewogene Ernährung achten
  • Möglichst unnötige Antibiotika vermeiden stets unter ärztlicher Kontrolle

Bei manchen Patienten, besonders mit häufigen Infektionen, können bei ärztlicher Befürwortung auch vaginale Probiotika unterstützend eingesetzt werden.

Wann ist dringend ärztliche Hilfe nötig?

Bei einem der folgenden Zeichen kann neben Scheidenpilz eine schwerere Infektion oder Komplikation vorliegen:

  • Fieber ab 38°C mit starken vaginalen Beschwerden
  • Ausgeprägte Unterbauchschmerzen und Druckempfindlichkeit
  • Blutiger, übel riechender oder gelbgrüner Ausfluss
  • Deutlich verschlechterter Allgemeinzustand, Schwäche, Schüttelfrost
  • Starke vaginale Beschwerden während einer Neutropenie mit sehr niedrigen weißen Blutkörperchen

Unter Chemotherapie können diese Zeichen eine sofortige Abklärung auf gynäkologische, Harnwegs- oder systemische Infektionen erfordern. Deshalb unverzüglich das betreuende onkologische Team oder die nächste Notaufnahme aufsuchen.

 Häufige Fragen

1. Bekommt jede Frau unter Chemotherapie Scheidenpilz?

Nein. Chemotherapie erhöht das Risiko, doch nicht jeder Patient entwickelt eine Infektion. Es hängt unter anderem von Art und Dauer der Chemotherapie, Antibiotika, Kortikosteroiden und Diabetes ab.

2. Kann ich selbst Pilzcreme aus der Apotheke verwenden?

Unter Chemotherapie wird davon abgeraten, eigenständig Medikamente zu beginnen. Manche können mit der Chemotherapie wechselwirken. Außerdem können die Beschwerden auf eine andere Infektion als Pilz zurückgehen. Die Behandlung sollte deshalb immer ärztlich empfohlen werden.

3. Muss mein Partner ebenfalls behandelt werden?

Scheidenpilz ist vor allem eine opportunistische Infektion und keine klassische sexuell übertragbare Krankheit. Hat der Partner jedoch Beschwerden wie Juckreiz oder Rötung, ist eine hausärztliche oder dermatologische Beurteilung sinnvoll.

4. Kann der Pilz nach Behandlung wiederkommen?

Ja. Besonders während fortgesetzter Chemotherapie, wiederholter Antibiotika oder Neutropenieepisoden kann Scheidenpilz erneut auftreten. Bei wiederkehrenden Episoden kann der Arzt längerfristige oder vorbeugende Maßnahmen empfehlen.

Ein beherrschbares Problem

Chemotherapie kann das Scheidenpilzrisiko erhöhen, doch meist handelt es sich um eine bei früher Erkennung leicht behandelbare Nebenwirkung. Wichtig ist:

  • Juckreiz, Brennen und quarkartigen Ausfluss nicht ignorieren,
  • Beschwerden dem Behandlungsteam mitteilen, statt selbst Medikamente auszuprobieren,
  • einfache, wirksame Hygiene- und Lebensstilmaßnahmen beachten.

 Literatur 

  • Cassone A. Vulvovaginal Candida albicans infections: pathogenesis, immunity and vaccine prospects. BJOG. 2015.
  • CDC. Vulvovaginal Candidiasis – STI Treatment Guidelines. U.S. Centers for Disease Control and Prevention.
  • CDC. Candidiasis – Prevention and Risk Factors. U.S. Centers for Disease Control and Prevention.
  • Rosati D, et al. Recurrent Vulvovaginal Candidiasis: An Immunological Perspective. J Fungi. 2020.
  • Jacob L, et al. Prevalence of vulvovaginal candidiasis in gynecological practice. (Prospektive klinische Studie).
  • Mohammadi R, et al. Candida infections among neutropenic cancer patients. (NIH-/PMC-Übersicht).
DROZDOGAN KI

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DROZDOGAN KI

Drozdogan-Assistent

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