Kopf-Hals-Krebs: Neue Perspektiven durch kombinierte Immuntherapie vor der Operation

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Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC) sind weltweit die siebthäufigste Krebsart und mit jährlich etwa 890.000 Neuerkrankungen und 450.000 Todesfällen ein bedeutendes Gesundheitsproblem. Sie können in Mundhöhle, Pharynx, Hypopharynx, Kehlkopf, Nasenhöhle und Speicheldrüsen entstehen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bestehende Operationen und andere Behandlungen führen häufig zu Entstellungen und Funktionsverlust. Eine Tumorverkleinerung vor der Operation könnte deshalb wichtige Organe wie Zunge oder Kehlkopf erhalten helfen.
Die alleinige Immuntherapie zeigte in den vergangenen Jahren zwar vielversprechende Ergebnisse, wirkte jedoch nur bei einem begrenzten Teil der Betroffenen. Eine neue, am 13. März 2025 in Cancer Cell veröffentlichte neoadjuvante, also vor der Operation tumorverkleinernde Studie deutet jedoch darauf hin, dass die Kombination zweier Immuntherapeutika das Ansprechen gegenüber einer alleinigen Immuntherapie deutlich erhöhen kann.
Methoden und Ergebnisse der Studie
Die Forschenden teilten 42 Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich im Stadium II / IVa zufällig drei verschiedenen Immuntherapieschemata zu:
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Nivolumab + Ipilimumab
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Nivolumab + Relatlimab
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Nur Nivolumab
Die meisten Teilnehmenden waren HPV-negativ und hatten operativ entfernbare Tumoren.
Die Forschenden beobachteten, dass beide Kombinationen gleich wirksam waren. Nach der Behandlung untersuchten sie das Tumorgewebe, um aktivierte Immunzellen zu bestimmen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kombinationen tumorspezifische T-Lymphozyten aktivierten und dadurch Krebszellen unmittelbar angriffen.
Die Wirksamkeit wurde nach Kriterien des pathologischen Tumoransprechens (pTY) eingeteilt:
- pTY-0 (≥91% vitaler Tumor),
- pTY-1 (51-90% vitaler Tumor) und
- pTY-2 (≤50% vitaler Tumor).
Auch HPV-Status und PD-L1/LAG-3-Expression wurden untersucht, zeigten jedoch keinen signifikanten Zusammenhang mit dem pathologischen Ansprechen.
Bemerkenswerte Befunde:
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Behandlungen mit zwei verschiedenen Immuntherapeutika erzielten gegenüber einem einzelnen Medikament eine 2- bis 3-fach höhere Rate pathologischen Tumoransprechens (≤50% vitaler Tumor):
- Nivolumab + Ipilimumab: 36,4%
- Nivolumab + Relatlimab: 26,7%
- Nur Nivolumab: 8,4%

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Bei einem Drittel der Patienten war nach nur einem Monat Behandlung mehr als 50% des Tumors verschwunden.
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Nach der operativen Entfernung der behandelten Tumoren zeigte sich, dass aktive T-Zellen weiter im Körper zirkulierten und die Patienten dadurch einen langfristigen Überlebensvorteil erhielten.
Lässt sich die Therapieauswahl personalisieren?
Die Forschenden zeigten, dass bestimmte biologische Marker helfen könnten, die geeignetste Kombination zu bestimmen. Beispielsweise:
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Das Protein LAG-3 war für manche Patienten ein guter Marker.
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Das Protein CTLA-4 wurde bei anderen Patientengruppen als geeigneteres Ziel identifiziert.
Die Autoren betonten, dass immunologische Marker bei der Therapiewahl entscheidend sein könnten. Sie gaben an, für diesen Ansatz als diagnostisches Paradigma ein Patent beantragt zu haben.
Fazit und Einordnung
Die Ergebnisse scheinen sich von früheren Studien zur Immuntherapie bei Kopf-Hals-Krebs zu unterscheiden. Möglicherweise lässt sich ihre bislang unzureichende Wirkung auf die Tumorverkleinerung vor einer Operation überwinden.
Auf Grundlage dieser Ergebnisse planen die Forschenden, die Studie um weitere 40 Patienten zu erweitern. In der neuen Gruppe wollen sie Relatlimab höher dosieren , um ein stärkeres Ansprechen und längeres Überleben zu erreichen.
Die Studie könnte ein wichtiger Schritt sein, die Wirkung der Immuntherapie bei Kopf-Hals-Krebs zu steigern. Künftig könnten individuell abgestimmte Ansätze dazu beitragen, Ansprechen und Überlebensraten zu verbessern.
Zusammenfassend hat die begrenzte Wirksamkeit alleiniger Immuntherapie bei Kopf-Hals-Krebs den Bedarf an neuen Kombinationen verstärkt. Diese Studie zeigt für Nivolumab mit Ipilimumab oder Relatlimab deutlich höhere Ansprechraten als für die alleinige Immuntherapie. Größere künftige klinische Studien werden entscheidend sein, um zu klären, ob dieser Ansatz in Standardbehandlungsschemata aufgenommen werden kann.
Quellen
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