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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Krebs hat mir meine Fruchtbarkeit und meine olympischen Träume genommen

Krebs hat mir meine Fruchtbarkeit und meine olympischen Träume genommen
In diesem Artikel

Aber ich bin dankbar, dass ich lebe

Die Geschichte der jungen US-Amerikanerin Amanda Brunson:

Mit 21 Jahren wurde bei mir eine akute lymphoblastische Leukämie diagnostiziert. Noch immer versuche ich, mich an mein neues Leben zu gewöhnen, aber ich bin dankbar, dass ich lebe.

Während meines gesamten Studiums war ich Leichtathletin und wollte an den Olympischen Spielen teilnehmen. Doch der Krebs hatte andere Pläne mit mir. Im Jahr 2010, meinem letzten Studienjahr, bekam ich plötzlich stechende Schulterschmerzen. Zunächst führte ich sie auf übermäßiges Training zurück. Bald breiteten sie sich jedoch auf Brust und Rücken aus und wurden so heftig, dass sich mein ganzer Körper anfühlte, als stünde er in Flammen.

Ich ging zu meinem Hausarzt, der meinte, ich würde zu viel trainieren. Er verschrieb Muskelrelaxanzien und Schmerzmittel. Als diese nicht halfen, suchte ich den Hochschularzt auf. Er gab mir ein nichtsteroidales entzündungshemmendes Medikament, doch davon bekam ich blaue Flecken und Ausschläge. Die Blutergüsse waren so ausgeprägt, dass einer meiner Trainer fragte, ob mein Freund mich körperlich misshandle.

Die ganze Zeit wusste ich, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Aber ich war erst 21, zu jung, um Angst zu haben. Dieses Gefühl sollte später kommen.

Amanda Brunson – Leukämie

Mit Angst und Ungewissheit leben

Schließlich wurden die Schmerzen so unerträglich, dass ich in die Notaufnahme ging. Eine Pflegekraft nahm Blut ab, und ein Arzt gab mir Morphin gegen die Schmerzen. Zum ersten Mal seit Wochen war ich schmerzfrei und schlief rasch ein. Doch die friedliche Pause war kurz. Der Arzt weckte mich und sagte, die Blutwerte seien da. „Ich glaube, Sie haben Leukämie“, sagte er und verließ rasch den Raum.

Ich hatte keine Ahnung, was diese Diagnose bedeutete. Meine einzige Erfahrung mit Krebs stammte aus einer Charlie-Brown-Folge, die ich als Kind gesehen hatte. Darin erhielt ein Kind aus der Klasse von Linus die Diagnose Leukämie. Ich dachte, diese Diagnose bedeute, dass ich sterben würde. Da bekam ich Angst.

Während des Krankenhausaufenthalts war ich ständig mit Ungewissheit konfrontiert. Kurz darauf kam ein anderer Arzt ins Zimmer und forderte mich auf, mich auf den Bauch zu drehen. Als Nächstes spürte ich eine Nadel im Rücken. Er erklärte aber weder, dass es sich um eine Knochenmarkbiopsie handelte, noch warum diese Untersuchung nötig war.

Wenige Stunden später erfuhr ich, dass ich akute lymphoblastische Leukämie (ALL) hatte. Ich verstand noch immer nicht genau, was die Diagnose bedeutete. Doch am Abend wurde ich operiert, um einen Chemotherapie-Port im Brustbereich einzusetzen. Den Behandlungsplan kannte ich nicht. Mir wurde nur gesagt, dass ich ohne sofortige Behandlung sterben würde.

Im Glauben Halt finden, um den Krebs zu bewältigen

Trotz einer intensiven Chemotherapie mit Medikamenten wie Vincristin und Methotrexat war ich entschlossen, mein letztes Studienjahr abzuschließen und rechtzeitig meinen Abschluss zu machen. Damals konnte ich nicht ahnen, dass es mehr als ein Jahrzehnt dauern würde, diesen Krebs möglicherweise zu heilen.

In den folgenden 3,5 Jahren erhielt ich weiter intensive Chemotherapie und zahlreiche Knochenmarkbiopsien zur Kontrolle der Wirksamkeit. Ich war entschlossen, mir vom Krebs nicht den Traum nehmen zu lassen, bei den Olympischen Spielen anzutreten.

Dieser Traum endete, als ich nach einer kurzen Remission von einem Rückfall erfuhr. In dieser Zeit hielt ich mich fest an meinem Glauben, um den nächsten Abschnitt meiner Krebserkrankung zu überstehen.

HINWEIS: Remission bezeichnet das vorübergehende oder dauerhafte Verschwinden von Krankheitszeichen. In der Krebsbehandlung ist damit eine Phase gemeint, in der die Erkrankung unter Kontrolle ist und die Krebssymptome verschwunden sind.

Mit den Folgen von Krebs leben

Im Jahr 2015 erhielt ich am Moffitt Cancer Center eine allogene Knochenmarktransplantation, die zu einer dauerhaften Remission führte. Bis heute bin ich krebsfrei. Krebs und Behandlung haben jedoch bleibende Spuren hinterlassen, und ich versuche noch immer, mich an mein neues Leben zu gewöhnen.

Die Behandlung verursachte viele gesundheitliche Probleme, darunter Fruchtbarkeitsstörungen und eine behandlungsbedingte Menopause. Daraus ergaben sich Probleme der sexuellen Gesundheit und sogar Beschwerden an Zähnen und Augen. Aber ich klage nicht. Ich habe die Karten angenommen, die mir zugeteilt wurden. Ich gebe meinem Schmerz einen Sinn und bin dankbar, dass ich lebe.

Etwas zurückgeben

Meine Krebserfahrung als junge Erwachsene führte mich als Patientenberaterin zum Patienten- und Familienberatungsprogramm des Moffitt Cancer Center. In dem Krankenhaus, das mir mein Leben zurückgegeben hat, wollte ich besonders jungen Menschen mit Krebs helfen, medizinische und emotionale Unterstützung zu erhalten.

Heute versuche ich, jeden Tag im Augenblick zu leben. Ich weiß aber nicht, ob das gut oder schlecht ist, denn ich muss auch meine Zukunft planen. Ich habe gelernt, dass sich das Leben in einer Sekunde verändern kann. Während ich jeden Tag so erfüllt wie möglich lebe, versuche ich, meine langfristigen Ziele zu verfolgen.

Alles am Krebs war eine Herausforderung, doch ich habe durch diese Erfahrung auch viel gewonnen. Ich bin stärker, weiser und selbstbewusster als vor der Diagnose. Ich schätze die Menschen, die ich liebe, mehr und nehme nichts als selbstverständlich hin.

Wir alle leben auf geliehener Zeit. Krebs lehrt uns eindringlich, diese Zeit sinnvoll zu nutzen.

Quellen

Von Amanda Brunson, aufgezeichnet von Jo Cavallo. 25. August 2024. Cancer Has Robbed Me of My Fertility and My Olympic Dreams. https://ascopost.com/issues/august-25-2024/cancer-has-robbed-me-of-my-fertility-and-my-olympic-dreams/
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