Lebertransplantation 1963 – Ein Organ, das sich selbst erneuert

In der antiken griechischen Mythologie wurde Prometheus im Zorn des Zeus an einen Felsen gekettet. Jeden Tag fraß ein Adler, in manchen Erzählungen ein Geier, seine Leber. Sie wuchs jede Nacht nach, sodass die Strafe zu einer endlosen Qual wurde. Die alten Babylonier versuchten dagegen, durch die Untersuchung tierischer Lebern die Zukunft vorherzusagen. Diese als Hepatoskopie bekannte Praxis galt im Altertum als verbreitete Form der Wahrsagerei.
Heute wissen wir, dass die Leber eine außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit besitzt und selbst nach der Entfernung von mehr als der Hälfte wieder ihre normale Größe erreichen kann.
Menschen benötigen unter Umständen eine neue Leber, wenn ihre eigene geschädigt ist. Bei Erwachsenen sind beispielsweise chronische Hepatitis, also Entzündung, und Zirrhose, also Vernarbung, häufige Schäden infolge von Viren oder Giftstoffen wie Alkohol. Bei Kindern ist die Gallengangatresie, eine die Leber schädigende Blockade des gemeinsamen Gallengangs, die häufigste Ursache für eine Transplantation. Dabei wird die Leber des Empfängers gewöhnlich entfernt und durch die eines hirntoten Spenders ersetzt. Eine Transplantation kann jedoch auch mit einem Leberteil eines lebenden Spenders erfolgen.
Der amerikanische Chirurg Thomas Starzl führte 1963 die erste Lebertransplantation am Menschen durch. In den 1980er-Jahren machten immunsuppressive, also das Immunsystem unterdrückende Medikamente wie Ciclosporin Transplantationen erfolgreicher und verbreiteter, indem sie die Abstoßung fremden Gewebes verminderten. Bei einer Transplantation müssen verschiedene Gefäße wieder verbunden werden. Dazu gehören die untere Vena cava, die über die Lebervenen Blut aus der Leber aufnimmt, die Pfortader, die nährstoffreiches Blut aus dem Magen-Darm-Trakt und der Milz in die Leber leitet, die Leberarterie zur Versorgung mit sauerstoffreichem Blut sowie der gemeinsame Gallengang.
Die Leber erfüllt zahlreiche Aufgaben, darunter:
- Die Entfernung von Giftstoffen aus dem Blutkreislauf
- Den Aufbau und Abbau von Proteinen
- Die Produktion der für die Verdauung benötigten Galle
- Die Produktion von Hormonen, die an Wachstum und Blutdruckregulation beteiligt sind
- Den Stoffwechsel von Medikamenten
- Die Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels, indem Glukose in der Leber als Glykogen gespeichert und bei Bedarf wieder aus Glykogen in Glukose umgewandelt wird
Außerdem speichert die Leber verschiedene Vitamine, wandelt Ammoniak in mit dem Urin ausgeschiedenen Harnstoff um und produziert das für die Blutgerinnung erforderliche Fibrinogen.
Historische Persönlichkeiten im Artikel: Thomas E. Starzl (geb. 1926)
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Quellen
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