Menschliches Wachstumshormon 1921 – Entdeckung und begleitende Kontroversen

Der Einsatz des menschlichen Wachstumshormons (HGH) hat jahrzehntelange Kontroversen ausgelöst. Manche Anwendungen gelten als Beispiel dafür, dass eine medizinische Behandlung zur Lösung nichtmedizinischer Probleme eingesetzt wird.
Die Wissenschaftsjournalistin Natalie Angier schreibt:
„Der durchschnittliche amerikanische Mann ist 180 cm groß. Wer deutlich unter diesem Durchschnitt liegt, hat ein höheres Risiko, die Schule abzubrechen, alkoholabhängig zu werden, keine Verabredungen zu finden, krank zu werden oder an einer Depression zu erkranken. Im Vergleich zu größeren Männern haben diese Männer geringere Chancen zu heiraten oder Kinder zu bekommen.“
Wir sind daran gewöhnt, unseren Körper auf vielerlei Weise zu verändern. Ist es deshalb falsch, wenn Eltern ihrem lediglich unterdurchschnittlich großen Sohn mit sehr teuren HGH-Injektionen helfen wollen?
HGH wird von der Hypophyse an der Unterseite des Gehirns ausgeschüttet. Bei Menschen mit Wachstumshormonmangel kann eine Zufuhr von außen nicht nur die Körpergröße stark erhöhen, sondern auch Körperfett verringern, den Energiepegel steigern und die Funktion des Immunsystems verbessern. Die Hypophyse schüttet Wachstumshormon über den Tag verteilt in Abständen aus; die stärkste Ausschüttung erfolgt ungefähr eine Stunde nach dem Einschlafen. Intensive Bewegung kann die HGH-Freisetzung auslösen.
HGH regt die Leber zur Produktion von IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1) an, einem Faktor, der das Wachstum von Muskeln, Knochen und anderen Geweben fördert. Zu wenig HGH kann zu Kleinwuchs führen. Zu viel HGH kann eine Akromegalie (Vergrößerung von Körperenden wie Hand-, Fuß- und Gesichtsknochen) verursachen, mit Symptomen wie einer übermäßigen Verdickung von Kiefer und Fingern.
- 1887 beobachtete der litauische Medizinforscher Oskar Minkowski einen Zusammenhang zwischen Hypophysentumoren und Akromegalie.
- 1921 untersuchten die amerikanischen Forscher Herbert Evans und Joseph Long die Rolle der Hypophyse beim Wachstum von Ratten.
- In den 1960er-Jahren begann die Behandlung von Kindern mit Wachstumshormon aus menschlichen Leichnamen.
- 1980 gehörte die Herstellung von Wachstumshormon mit Bakterien, die ein menschliches Gen enthielten, zu den ersten Anwendungen der Gentechnik.
Historische Persönlichkeiten im Artikel: Oskar Minkowski (1858–1931), Joseph Abraham Long (1879– 1953), Herbert McLean Evans (1882–1971)
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Quellen
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