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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Neue Ära bei HER2-positivem Brustkrebs: Weniger Chemotherapie bei pathologischem Komplettansprechen möglich

Neue Ära bei HER2-positivem Brustkrebs: Weniger Chemotherapie bei pathologischem Komplettansprechen möglich
In diesem Artikel

Ist weniger genau richtig und mehr schädlich?

Verändert die CompassHER2-pCR-Studie den Chemotherapieansatz bei HER2-positivem Brustkrebs?

📌 Einleitung: Warum ist diese Studie wichtig?

Der etwa 20% aller Brustkrebserkrankungen ausmachende HER2-positive Brustkrebs galt früher als Subtyp mit ungünstigem Verlauf. In den letzten 20 Jahren wurde er dank Anti-HER2-Therapien jedoch zu einer Erfolgsgeschichte. Dieser Erfolg war häufig mit einer  hohen Belastung durch intensive Chemotherapie verbunden. Bisher galt die Kombination aus Anthrazyklin + Taxan + Anti-HER2-Antikörpern als Standard.

Doch lässt sich die Chemotherapie reduzieren, ohne an Wirksamkeit zu verlieren? Genau dieser Frage ging die CompassHER2-pCR -Studie nach, die auf der ASCO 2025 große Beachtung fand.


🧪 Wesentliche Studienmerkmale

  • Name: CompassHER2 pCR (EA1181)
  • Design: Phase 2, einarmig (nicht randomisiert)
  • Patientengruppe: Patienten mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium (Stadium II-IIIa), sowohl ER-negativ als auch ER-positiv
  • Behandlung:
  • Vorgehen nach der Operation:
    • pCR (pathological Complete Response, pathologisch vollständiges Ansprechen) erreicht: Fortsetzung nur mit HER2-gerichteter Therapie (Trastuzumab ± Pertuzumab)
    • Keine pCR erreicht: T-DM1 oder andere intensivierte adjuvante Therapien

Neue Ära bei HER2-positivem Brustkrebs: Weniger Chemotherapie möglich – CompassHER2-pCR-Studie, ASCO 2025, Mustafa Özdoğan

🎯 Zentrale Ergebnisse: Wer profitiert stärker?

✅ pCR-Rate insgesamt:

  • Bei allen Patienten: 44%
  • Bei HER2+/ER−-Patienten: 64%
  • Bei HER2+/ER+-Patienten: 32%

🔍 Das Ausmaß der ER-Positivität ist wichtig!

  • ER 1-10%: pCR 62,5%
  • ER 11-69%: pCR 51,6%
  • ER ≥70%: pCR 22,5% ➡️ Mit abnehmender ER-Expression steigt die pCR-Rate.

🧬 Der HER2DX-pCR-Score zeichnet sich als wirksamer Biomarker ab

Der HER2DX-pCR-Score wird anhand des Genexpressionsprofils im Tumorgewebe und einiger klinischer Merkmale des Patienten als genomischer Risikoscore berechnet. Mit diesem Score wird vorhergesagt, ob ein Patient ein pathologisch vollständiges Ansprechen (pCR) auf eine neoadjuvante Therapie (beispielsweise das THP-Schema) erreichen wird.

In dieser Studie wurde der HER2DX-Score an Tumorproben aus Biopsien von 569 Teilnehmern der CompassHER2-pCR-Studie berechnet.

  • Bei Patienten mit hohem HER2DX-pCR-Score erreichte die pCR-Rate 68%.

    • Das bedeutet, dass etwa zwei Drittel dieser Patienten bereits vor der Operation allein durch THP tumorfrei wurden.

  • Bei Patienten mit niedrigem Score betrug die pCR-Rate lediglich 19%.

    • Diese Gruppe scheint somit therapieresistenter zu sein.

Bei einer Integration in den klinischen Alltag könnte HER2DX:

  • Einerseits unnötige Chemotherapie vermeiden,

  • andererseits Hochrisikopatienten früher erkennen und damit differenzierte Therapieentscheidungen unterstützen.

📉 Sehr niedrige Progressionsrate

  • Anteil der Patienten mit einer Krankheitsprogression während THP: 0,7%

⚖️ Vergleich mit dem herkömmlichen Vorgehen

🔍 Merkmal 🧪 Herkömmliches Schema 💡 CompassHER2-pCR-Schema
Neoadjuvante Therapie Anthrazyklin + Taxan + Trastuzumab ± Pertuzumab Nur Taxan + Trastuzumab + Pertuzumab (THP)
Dauer 6–8 Zyklen (etwa 5–6 Monate) 12 Wochen
Toxizität Hoch – Kardiotoxizität, Myelosuppression, Infertilitätsrisiko Weniger toxisch
Vorgehen nach der Operation Auch bei pCR erfolgt häufig zusätzliche Chemotherapie Bei pCR keine zusätzliche Chemotherapie
Behandlungsziel Tumorverkleinerung und Verhinderung eines Rezidivs Therapiereduktion durch Erreichen einer pCR

Die stärkste Botschaft dieser Studie lautet:

Patienten, die mit 12 Wochen taxanhaltiger THP-Therapie eine pCR erreichen, benötigen weder ein Anthrazyklin noch zusätzliche Chemotherapie. Dies könnte sowohl hinsichtlich der Patientenbelastung als auch der langfristigen Nebenwirkungen eine bahnbrechende Veränderung sein.


🧭 Was wird sich im klinischen Alltag ändern?

Wenn ein Patient:

  • HER2+/ER- ist und
  • eine pCR erreicht hat, 👉 kann nach der Operation auf zusätzliche Chemotherapie verzichtet und ausschließlich mit einer HER2-gerichteten Antikörpertherapie fortgefahren werden.

Wenn ein Patient:

  • ER-positiv ist und
  • einen hohen HER2DX-Score / eine niedrige ER-Expression aufweist, 👉 kann ebenfalls ein gutes Ansprechen mit weniger Chemotherapie erwartet werden.

➡️ Dieser Ansatz zeigt, dass individualisierte Behandlung auch hinsichtlich der Chemotherapiedosis möglich ist.


🔮 Was könnte die Zukunft bringen?

Die Daten zum primären Endpunkt der CompassHER2-Studie, dem rezidivfreien Überleben (RFS) nach 3 Jahren , wurden noch nicht veröffentlicht. Die hohen pCR-Raten und die niedrige Progressionsrate sind jedoch vielversprechend.

Wenn sich diese Ergebnisse bestätigen:

  • ✅ Bei HER2-positiven Patienten im Frühstadium könnte die Intensität der Chemotherapie deutlich reduziert werden.
  • ✅ Biomarker wie HER2DX könnten vorhersagen, wer mit weniger Behandlung gesund wird.

📣 Schlusswort

Bei HER2-positivem Brustkrebs könnte künftig mit weniger mehr erreicht werden. Die CompassHER2-pCR-Studie schlägt nicht nur ein Behandlungsschema vor, sondern ruft auch dazu auf, die Chemotherapie neu zu denken .

👉 Diese Ergebnisse könnten die Belastung der Patienten verringern, ihre Lebensqualität verbessern und zugleich den Chemotherapieaufwand im Gesundheitssystem reduzieren.

📌 Diese Studie zeigt, dass bei Patienten mit vollständigem Verschwinden des Tumors (pCR) auch mit weniger Chemotherapie erfolgreiche Ergebnisse möglich sein können.

❗ Allerdings erreichen nicht alle Patienten dieses Ansprechen. Deshalb werden weitere Informationen zu den langfristigen Ergebnissen der übrigen Patienten benötigt, die mit weniger Medikamenten behandelt werden.

Quellen

Tung, N. M., Zhao, F., DeMichele, A., Prat, A., Winer, E., Wright, J., et al. (2025, June). Predicting pathologic complete response (pCR) from clinicopathologic variables and HER2DX genomic test in stage II/III HER2+ breast cancer treated with taxane, trastuzumab, and pertuzumab (THP): Secondary results from the EA1181/CompassHER2 pCR trial [Abstract 501]. Presented at the 2025 American Society of Clinical Oncology (ASCO) Annual Meeting, Chicago, IL. Journal of Clinical Oncology, 43(16_suppl), Abstract 501. https://doi.org/10.1200/JCO.2025.43.16_suppl.501
DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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