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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Pathologische Komplettremission bei Pankreaskrebs – doppelte Überlebensraten

Pathologische Komplettremission bei Pankreaskrebs – doppelte Überlebensraten
In diesem Artikel

Bei frühem Bauchspeicheldrüsenkrebs kann eine pathologische Komplettremission nach präoperativer Chemo- oder Strahlentherapie und anschließender Operation die Fünf-Jahres-Gesamtüberlebensrate verdoppeln. Dies ergab eine multizentrische Kohortenstudie. Auch Behandlungsart und Tumoreigenschaften spielten dabei eine wichtige Rolle.

Operabler Bauchspeicheldrüsenkrebs

In den letzten zehn Jahren hat sich die Behandlung des lokalisierten, also frühen Pankreasadenokarzinoms durch präoperative Chemo- oder Strahlentherapie weiterentwickelt, insbesondere mit der häufigeren Anwendung von Mehrfachchemotherapien.

Die präoperative (neoadjuvante) Behandlung bietet bessere Krankheitskontrolle und ermöglicht, Patienten mit günstigerer Tumorbiologie für eine Resektion auszuwählen. Bei resektablem, grenzwertig resektablem und lokal fortgeschrittenem Pankreaskrebs gelingt die operative Entfernung dadurch bei 77%, 61% beziehungsweise 22%.

Beim individuellen Restaging ist die Interpretation anatomischer, biologischer und anderer bedingender Parameter schwierig. Die nach präoperativer Therapie und anschließender Resektion verbleibende Tumorlast ist ein wichtiger Parameter für das biologische Ansprechen. Vorhandensein und Ausmaß lebensfähigen Tumorgewebes zeigen das Ansprechen auf die Vorbehandlung an und können zur Prognoseeinschätzung sowie zur Entscheidung über eine adjuvante Behandlung dienen. Eine pathologische Komplettremission (pCR) bedeutet das vollständige Verschwinden des Tumors und tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 4% auf.

Strahlentherapie und längere präoperative Chemotherapie wurden mit pathologischer Komplettremission (pCR) in Verbindung gebracht. Diese ist mit einer Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) von median bis zu 100 Monaten verbunden. Bei bis zur Hälfte der Patienten mit Komplettremission kann die Erkrankung dennoch zurückkehren. Die Evidenz beruht häufig auf großen nationalen Datenbanken mit wenig Details oder kleinen monozentrischen Studien.

Ein besseres Verständnis der Ergebnisse und Einflussfaktoren einer pathologischen Komplettremission könnte die präoperative Behandlung, Operationsauswahl und Prognoseeinschätzung beim Pankreasadenokarzinom verbessern. Die vorliegende internationale, beobachtende, multizentrische Kohortenstudie analysierte deshalb Häufigkeit, Ergebnisse und assoziierte Faktoren in einer großen Gruppe nach präoperativer Chemo- oder Strahlentherapie und anschließender Resektion.

Studiendesign

Präoperative Chemo- oder Strahlentherapie wird beim lokalisierten Pankreasadenokarzinom häufiger eingesetzt und könnte die Chance auf pathologische Komplettremission erhöhen. Diese ist mit erheblich besserem Gesamtüberleben verbunden. Die bisherige Evidenz stammt jedoch meist aus großen nationalen Datenbanken oder kleinen Einzelzentrumsstudien; detaillierte multizentrische Daten fehlen.

Die Forschenden untersuchten Häufigkeit und Einflussfaktoren der pathologischen Komplettremission bei 1758 Patienten mit lokalisiertem Pankreasadenokarzinom nach präoperativer Chemo- oder Strahlentherapie und Resektion. Das Durchschnittsalter betrug 64 Jahre, 50% waren Männer. Die Behandlung erfolgte an 19 Zentren in acht Ländern. Die mediane Nachbeobachtung betrug 19 Monate.

Definition der pathologischen Komplettremission: Sie wurde als Fehlen lebensfähiger Tumorzellen im nach der Resektion untersuchten Pankreasgewebe definiert.

Untersuchte Faktoren:

  • Gesamtüberleben: Die Überlebenszeiten wurden mit einem Cox-Proportional-Hazards-Modell analysiert.
  • Pathologische Komplettremission: Ihre Häufigkeit und die damit verbundenen Faktoren wurden mit logistischen Regressionsmodellen untersucht.

Die Untersuchung liefert wichtige Informationen darüber, wie häufig eine präoperative Behandlung beim lokalisierten Pankreasadenokarzinom zu pathologischer Komplettremission führt und wie diese mit dem Gesamtüberleben zusammenhängt. Sie kann zur Optimierung präoperativer Ansätze und zu besser informierten Entscheidungen beitragen.

Wichtige Befunde

  • Rate pathologischer Komplettremissionen:

    • Nach präoperativer Chemo- oder Strahlentherapie betrug die Rate 4,8%.
  • Geringeres Sterberisiko:

    • Pathologische Komplettremission war mit einem um 54% verringerten Sterberisiko verbunden (Hazard Ratio 0,46).
  • Fünf-Jahres-Überlebensrate:

    • Das Fünf-Jahres-Gesamtüberleben betrug bei Patienten mit pathologischer Komplettremission 63% und ohne diese 30%.
  • Höheres Ansprechen unter modifiziertem FOLFIRINOX:

    • Nach präoperativem modifiziertem FOLFIRINOX erreichten 58,8% eine pathologische Komplettremission; in den anderen Behandlungsgruppen waren es 44,7%.
  • Tumoren im Pankreaskopf:

    • Sie waren stärker mit pathologischer Komplettremission verbunden (Odds Ratio [OR] 2,51).
  • Große Tumoren (> 40 mm):

    • Tumoren mit einer Größe > 40 mm bei Diagnose waren mit pathologischer Komplettremission assoziiert (OR 2,58).
  • Radiologisches Ansprechen:

    • Ein partielles oder vollständiges radiologisches Ansprechen war stark mit pathologischer Komplettremission verbunden (OR 13,0).
  • Serum-Kohlenhydratantigen 19-9:

    • Normale oder normalisierte Serumspiegel des Kohlenhydratantigens 19-9 nach präoperativer Therapie waren mit pathologischer Komplettremission verbunden (OR 3,76).
  • Strahlentherapie und stereotaktische Körperbestrahlung:

    • Präoperative Strahlentherapie (OR 2,03) und präoperative stereotaktische Körperbestrahlung (OR 8,91) waren mit pathologischer Komplettremission verbunden.
    • Präoperative Strahlentherapie verbesserte das Gesamtüberleben jedoch nicht. Präoperative stereotaktische Körperbestrahlung war unabhängig mit schlechterem Gesamtüberleben assoziiert.
  • Kein durchgehend optimales Ansprechen:

    • Die Befunde zeigen, dass pathologische Komplettremission nicht immer ein optimales Krankheitsansprechen widerspiegelt.

Abschließend gilt : Pathologische Komplettremission ist zwar kein Ausdruck einer Heilung, aber mit besserem Gesamtüberleben verbunden. Die damit assoziierten Faktoren können Behandlungsentscheidungen unterstützen.

Quellen

Stoop TF, Oba A, Wu YHA, et al. Ameliyat Öncesi Kemoterapi Sonrası Rezektabl Pankreas Adenokarsinomalı Hastalarda Patolojik Tam Yanıt. JAMA Netw Open. 2024;7(6)
. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.17625
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Drozdogan-Assistent

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